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Streit um Pflanzenschutzmittel
Ein Landwirt versprüht Pflanzenschutzmittel. Foto: ©Fotokostic/Shutterstock.com
Agrarwirtschaft

Streit um Pflanzenschutzmittel

Haben die Baden-Württemberger ein Recht darauf zu erfahren, wie viele Pestizide die Landwirte ausbringen? Naturschützer fordern das. Minister Hauk hält davon nichts.

23.03.2018
  • JENS SCHMITZ

Stuttgart. Agrarminister Peter Hauk (CDU) will nicht erfassen, wie viel Pestizide Baden-Württembergs Landwirte und Winzer ausbringen. „Das geht die Bevölkerung ehrlich gesagt zunächst einmal nichts an“, sagte er am Donnerstag vor der Presse in Stuttgart. Von der Idee, einem „Pestizidbericht für Baden-Württemberg“ des Nabu zu folgen, halte er „gar nichts“. Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) lobte den Rapport dagegen als wichtigen Beitrag.

Nabu-Landeschef Johannes Enssle hat am Donnerstag ein 42-seitiges Papier vorgestellt, das anhand von bundesweit 1300 Testbetrieben den Pestizideinsatz in Baden-Württemberg zu erschließen versucht. Die Zahlen stammen vom Quedlinburger Julius-Kühn-Institut, das ist eine Einrichtung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

Demnach werden für acht Kulturpflanzen auf 80 Prozent der Anbaufläche im Land jedes Jahr rund 2300 Tonnen Pestizide eingesetzt. Davon entfallen 56 Prozent auf Mittel gegen Pilze, 35 Prozent auf solche gegen unerwünschte Pflanzen, zwei Prozent auf Insektizide und sieben Prozent auf Wachstumsregulatoren.

Verband fordert Reduktion

„Durchschnittlich ist in Baden-Württemberg der Pestizideinsatz höher als im Bundesdurchschnitt“, erklärte Enssle. Das hänge wahrscheinlich mit dem Wein- und Obstbau zusammen.

Dem Nabu zufolge belasten Pestizide die Umwelt und tragen zum Rückgang der Artenvielfalt bei. Der Verband fordert, ihren Einsatz im Land bis 2025 um 50 Prozent zu reduzieren, und hat dazu einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt. Allerdings gab es bislang keine Ausgangsdaten – obwohl Landwirte über die von ihnen verwendeten Pestizide Buch führen müssen. Der Nabu fordert, diese Daten anonymisiert zusammenzuführen.

Der Landwirtschaftsminister hält davon nichts. Für eine solche Erfassung müsse der Bund die Gesetze ändern, erklärte Hauk, der mehr Bürokratie befürchtet.

Der Minister verwahrte sich grundsätzlich dagegen, die Produktivität der heimischen Erzeuger zu senken. „Wir leben heute schon auf Kosten der Entwicklungsländer“, sagte er. „13 Millionen Hektar Bruttofläche produzieren wir nicht in Deutschland, sondern das maßen wir Deutschen uns an, dass in Argentinien, in Brasilien, dass Wälder abgeholzt werden, dass indigene Völker draufgehen, dass Lebensgrundlagen zerstört werden. Das schert uns einen Dreck!“

Hauk kritisierte außerdem den Begriff Pestizid. „Es gibt, wenn überhaupt, Pflanzenschutzmittel“, so der Agrarminister. „Es geht um Kulturpflanzen, und die müssen geschützt werden.“ Entscheidend sei nicht, welche Mengen ausgebracht würden, sondern, welche Rückstände sich in den erzeugten Produkten fänden. „Und das wird ja gemessen.“ Einen Zusammenhang zwischen Pestiziden und dem Insektensterben der vergangenen Jahre bezweifelte Hauk; schließlich stürben die Insekten auch im extensiv bewirtschafteten Schwarzwald.

Umweltminister Untersteller lobte den Nabu-Bericht dagegen. „Es steht außer Frage, dass der Einsatz von Pestiziden für das dramatische Insektensterben und für den Rückgang von Tier- und Pflanzenarten zumindest mitverantwortlich ist“, erklärte er. Die größte Oppositionspartei AfD folgte in wesentlichen Punkten Hauk.

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23.03.2018, 06:00 Uhr

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