Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Calais

Streit um junge Flüchtlinge

Großbritannien fordert Frankreich auf, Minderjährige „anständig zu schützen“

29.10.2016
  • AFP

Paris. Zwischen Großbritannien und Frankreich ist ein Streit über die minderjährigen Flüchtlinge im geräumten „Dschungel“ von Calais ausgebrochen. Die britische Innenministerin Amber Rudd forderte die französische Regierung auf, die noch in Calais verbliebenen Minderjährigen „anständig zu schützen“. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve entgegnete, er sei „überrascht“ über diese Äußerung. Die in Calais gestrandeten Flüchtlinge wollten schließlich nach Großbritannien. Minderjährige Flüchtlinge mit Verwandten in Großbritannien hätten Anrecht auf eine Familienzusammenführung. Nun wünsche er, „dass Großbritannien rasch seiner Verantwortung gerecht wird und diese Minderjährigen aufnimmt“.

Frankreich werde seiner „Verantwortung im Geist der Solidarität“ bereits gerecht, betonte Cazeneuve. Seit Mitte Oktober seien mehr als 1400 minderjährige Flüchtlinge in Wohncontainern neben dem „Dschungel“ oder in anderen Aufnahmezentren untergebracht worden. Großbritannien habe in diesem Zeitraum 274 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus Calais aufgenommen.

Die französischen Behörden hatten am Montag mit der Räumung des slumähnlichen Flüchtlingslagers am Ärmelkanal begonnen. Tausende Flüchtlinge wurden in Aufnahmezentren im ganzen Land gefahren. Minderjährige Flüchtlinge wurden in Wohncontainern untergebracht, die am Rande des „Dschungels“ stehen.

Container genügen nicht

Allerdings reicht die Kapazität des Containerlagers nicht für alle minderjährigen Flüchtlinge. Viele von ihnen mussten nach dem Abriss der Flüchtlingshütten und Zelte im „Dschungel“ im Freien übernachten. Auch am Freitagmorgen hielten sich noch zahlreiche junge Flüchtlinge in der Gegend auf, ebenso wie erwachsene Flüchtlinge. Die französischen Behörden wollen den Abriss des Lagers bis Montag beendet haben.

Derweil wachsen wilde Flüchtlingscamps auf offener Straße in Paris wieder an, wie Helfer berichten. Ob das direkt mit der Räumung des „Dschungels“ von Calais zusammenhängt, ist unklar. Wohnungsbauministerin Emmanuelle Cosse: „Es gibt keine massive Ankunft in Paris aus Calais.“ Ein Polizeivertreter sagte dagegen, dass sich viele Flüchtlinge aus Calais auf den Weg in die Hauptstadt gemacht hätten.

Die Stadtverwaltung verspricht „in den kommenden Tagen“ eine große Aktion, um die Flüchtlinge in Unterkünfte in der Region zu bringen. Bald soll auch das erste Aufnahmezentrum in der Hauptstadt öffnen. Es wird aber zunächst nur Platz für 400 männliche Flüchtlinge bieten und ist eher als Übergangslösung gedacht: Die Flüchtlinge sollen nach fünf bis zehn Tagen auf andere Unterkünfte verteilt werden. Doch auch nach einer erneuten Auflösung des Camps im Nordosten der Hauptstadt dürften sich dort bald wieder Flüchtlinge niederlassen. afp

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

29.10.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball