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Streitbare Ministerin
Frauenministerin Marlene Schiappa Foto: Foto:Ludovic Marin/afp

Streitbare Ministerin

02.03.2018
  • PETER HEUSCH

Paris. Schlagfertig, ja scharfzüngig ist Marlène Schiappa, und austeilen kann sie ziemlich gut. Allerdings muss die 35-jährige Französin mit der rotbraunen Haarmähne auch jede Menge einstecken, seit sie im Mai 2017 zur Frauenministerin berufen wurde und sich mit Vehemenz gegen jede Form von sexueller Gewalt einsetzt. Dass die engagierte Feministin dabei auch gerne einmal über das Ziel hinausschießt, hat ihr schon des öfteren Kritik eingetragen. Doch derzeit fliegen die Fetzen aus umgekehrtem Grund. Schiappa nämlich hat sich hinter zwei ihrer Regierungskollegen gestellt, die der Vergewaltigung beschuldigt werden.

Bereits wenige Wochen nach ihrer Ernennung titulierte ein Newsportal die junge Ministerin als „Königin der Schlampen“. Es war eine ironisch gemeinte Verbeugung vor Schiappa. Denn als Schlampen bezeichneten sich 1971 von Simone de Beauvoir über Marguerite Duras und Françoise Sagan bis hin zu Catherine Deneuve 343 prominente Französinnen, die sich in einem Manifest trotz der damals noch geltenden Strafandrohung öffentlich dazu bekannten, abgetrieben zu haben.

Die Pariser Wochenzeitschrift „Express“ legte ein wenig später nach und enthüllte, dass die verheiratete Mutter zweier Töchter früher unter Pseudonym erotische Romane wie „Gute Mädchen schlucken nicht“ veröffentlicht hatte, bevor sie unter ihrem richtigen Namen 2010 einen Sexratgeber mit dem Titel „Wagt die Liebe mit den Molligen“ vorlegte.

Kinder und Karriere

Bekannt geworden ist Schiappa mit dem Blog „Maman travaille“ (Mama arbeitet). Millionen Französinnen lesen ihre Berichte darüber, wie sich eine Karriere und die Erziehung zweier Kinder unter einen Hut bringen lassen. Oder wie man bei dem Versuch scheitern kann. So warf Schiappa ihren Job bei einer großen Werbeagentur hin, weil wichtige Sitzungen stets am späten Nachmittag stattfanden, wenn sie ihre Töchter abholen musste.

Halbe Sachen – das ist nichts für die frühere Lokalpolitikerin aus Le Mans. Schon gar nicht, wenn es um die Verteidigung der Frauenrechte geht. Unermüdlich erinnert sie an den Umstand, dass jedes Jahr mehr als 200 000 Französinnen Opfer sexueller oder physischer Gewalt werden und dass jährlich mehr als 100 Frauen von ihren Lebensgefährten getötet werden. „Die Straflosigkeit sexueller Verbrechen in Frankreich muss ein Ende haben“, bekräftigt Schiappa, die 2018 ein entsprechendes Gesetz vorlegen will. Peter Heusch

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02.03.2018, 06:00 Uhr

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