Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Strobl kommt
Na also, jetzt dann doch. Thomas Strobl, CDU-Landeschef und Heilbronner Bundestagsabgeordneter, sieht seine Aufgaben in Zukunft noch mehr in der Landespolitik. Foto: dpa
CDU-Landeschef hat seinen Willen zum Wechsel schon lange angedeutet

Strobl kommt

Kommt es zu einer grün-schwarzen Landesregierung, dann wird der Kretschmann-Vize Thomas Strobl heißen. Der CDU-Landeschef und Heilbronner Bundestagsabgeordnete hat sich gestern entschieden.

09.04.2016
  • ROLAND MUSCHEL BETTINA WIESELMANN

Stuttgart. Wer der Wortführer der CDU bei den Sondierungsgesprächen und bei den Koalitionsverhandlungen mit den Grünen ist, das hat Thomas Strobl in den letzten Wochen auf vielfältige Weise kenntlich gemacht. Der Heilbronner Bundestagsabgeordnete und baden-württembergische CDU-Chef hat in den internen Runden den Grünen am deutlichsten signalisiert, dass er diese Koalition will.

Und nach außen, vor den Kameras, hat Strobl immer den Platz neben dem grünen Regierungschef Winfried Kretschmann eingenommen, gern auch noch danach, um den Journalisten zu demonstrieren, wer hier mit wem am besten kann. Dass er sich dazu noch optisch in Szene setzte, mal mit grüner Krawatte, mal mit grünem Janker, mal, wie am gestrigen Freitag, mit grün-weiß kariertem Hemd, passt ins gewünschte Bild.

Mehr oder weniger sublim also hat Strobl seinen Willen, nach Stuttgart zu wechseln, schon länger zum Ausdruck gebracht. Trotzdem waren sich Parteifreunde noch vor wenigen Wochen sicher, dass er nie in die Landespolitik wechseln würde und noch vor wenigen Tagen unsicher, ob er seine Meinung tatsächlich ändern werde.

Für das Zögern gab es viele Gründe, nicht zuletzt die für Strobl so schmerzliche wie überraschende Niederlage beim Mitgliederentscheid über die CDU-Spitzenkandidatur gegen Guido Wolf im Dezember 2014. Doch die Parteibasis, die ihm die Kandidatur für das erste Amt im Land mehrheitlich verwehrt hatte, hat inzwischen in weiten Teilen umgedacht. Die Zahl der Wolf-Fans ist spätestens seit dem Wahlabend merklich geschrumpft, selbst langjährige Strobl-Gegner in der Landtagsfraktion haben ihre Meinung geändert - und der Parteivorsitzende, bearbeitet von Weggefährten wie EU-Kommissar Günther Oettinger, letztlich auch.

Dass die politischen Gegner höhnen werden, dass da nun einer, den sich die Mitglieder nicht als Ministerpräsidenten vorstellen wollten, quasi durch die Hintertür (und ohne breite Basis-Beteiligung) in der undankbaren Position des Kretschmann-Vize kaum glaubhaft die ihm nun zugedachte Rolle des neuen Heilsbringers verkörpern könne, ist Strobl natürlich bewusst. Aber für Schönheitspreise ist nach der bitteren Wahlniederlage keine Zeit, nun gilt es vielmehr, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Insider gehen deshalb auch davon aus, dass Strobl sich vor der Erklärung am gestrigen Abend von Kretschmann die Zusicherung für ein großzügig geschnittenes Innenministerium eingeholt hat, beschlagener Politprofi, der er ist.

Der Innen- und Rechtspolitik gehört schon lang das Interesse des Heilbronner Rechtsanwalts, der seit 1998 im Bundestag sitzt. In der Unionsfraktion ist Strobl Volker Kauders Stellvertreter, in der Bundes-CDU Angela Merkels. Zudem führt er die Landesgruppe an. In der Hauptstadt ist der bestens vernetzte Christdemokrat ein geschätzter Gesprächspartner. Dass der gerade 56 Jahre alt gewordene Marathon-Läufer bislang nicht Mitglied einer CDU-geführten Bundesregierung geworden ist, dürfte familiäre Gründe haben: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist der Vater von Strobls Frau Christine.

Der braungebrannte, graumelierte Strobl gefiel sich früher gern als Hardliner. Doch ab Sommer 2011, nach seiner Zeit als CDU-Generalsekretär unter Stefan Mappus (zuvor war er Oettinger in dieser Funktion zu Diensten), bekam er als Parteichef in schwerer Zeit die Zäsur besser hin als viele andere Christdemokraten. Der CDU verordnete er eine größere Offenheit, kümmerte sich um mehr Chancen für Frauen. Ausdrücklich sprach er sich für die Homo-Ehe aus. Sich selbst sieht der Mann mit dem Schmiss aus einer schlagenden Verbindung in Heidelberg ohnehin flexibel, schließlich sei er „als evangelischer Franke mit einer katholischen Badnerin verheiratet.“ Vorbehalte in Stuttgart, er sei zu sehr „Berliner“, weist der heimatverbundene Strobl von sich. Eher könne moniert werden, dass er aus Heilbronn kaum rausgekommen sei.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

09.04.2016, 09:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball