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Schwäbische Betriebsanleitung

Strom für 46 Staubsauger vom Mühlbachhallendach

Nicht jede Photovoltaikanlage wird mit so viel Brimborium eingeweiht wie die auf dem Dach der Mühlbachhalle am Mittwochabend in Renfrizhausen.

01.10.2010
  • Hans-Jörg Schweizer

Ungewöhnlich ist diese Anlage aber schon allein deshalb, weil sie sozusagen eine grün-gelbe Koproduktion ist. Eine nicht allzu häufig auftretende Farbkombination im politischen Malkasten.

Strom für 46 Staubsauger vom Mühlbachhallendach
Auf der Mühlbachhalle ist die Photovoltaikanlage dank Investor Uli Kuhn fertig. Ob es möglich sein könnte, auch an der Autobahnbrücke Solarzellen, die als Schallschutzwand dienen, zu installieren, macht man sich derweil in Sulz noch Gedanken. Bild: hz

Doch wenn‘s um Ökostrom geht, dann ist man sich im Mühlbachtal schnell einig: Hausherr Burkhard Pyroth, der grüne Renfrizhauser Ortsvorsteher, freut sich nun zusammen mit Investor Uli Kuhn, seines Zeichens Vorsitzender der Sulzer FDP, über die in Rekordzeit aufs Hallendach gebaute Solaranlage.

Wie es dazu kam, dass ein Altoberndorfer den Mühlbachtälern mit seiner Solaranlage aufs Dach steigen darf? Darauf lieferte Ortsvorsteher Pyroth bei der Einweihung einen Hinweis: „Willkommen an diesem schönen, leider aber etwas lauten Ort“, begrüßte er die knapp 30 Gäste. Laut ist‘s in Renfrizhausen und Mühlheim bekanntlich wegen der Autobahnbrücke, die zwischen den Dörfern das Tal quert. Am internationalen Tag gegen den Lärm hatten sich in der Mühlbachhalle Anwohner und andere Lärmgegner versammelt, unter anderem auch Uli Kuhn, der bei dieser Gelegenheit auf die Idee kam, der Mühlbachhalle eine Photovoltaikanlage zu verpassen.

Mit Pyroth und dessen Mühlheimer Kollegen Axel Zirner samt deren Ortschaftsräten war sich Kuhn schnell handelseinig, auch die Sulzer Stadtverwaltung wehrte sich nicht lange, das Hallendach langfristig an Kuhn zu vermieten. Und so schaffte es der Altoberndorfer binnen eines halben Jahres, 358 Quadratmeter Mühlbachhallendach mit bläulich schimmernden Siliziumkristallen zu verzieren, die in den Photovoltaikmodulen verbaut sind.

Die technischen Details lieferte am Mittwoch ein sichtlich über den großen Bahnhof erfreuter Patrick Schubert von der Oberndorfer Solarfirma Ralos, der es offenbar nicht gewöhnt ist, jede Anlage mit einem Fest einzuweihen. Aber die Photovoltaik auf der Renfrizhauser Halle sei schon was Besonderes. Investor Kuhn habe nämlich gleich die „Maybach-Anlage“ bestellt. Diese Luxusversion habe nicht nur einen inneren, sondern auch einen äußeren Blitzschutz, sprich eigene Blitzableiter, was nicht nur die Solarzellen, sondern auch die Halle selbst schütze.

Strom für 46 Staubsauger vom Mühlbachhallendach
Ulrich Kuhn hat auf dem Dach der Mühlbachhalle investiert.

Zudem sei die Anlage ein sehr schwäbisches Produkt: Fotovoltaikzellen aus Freudenstadt, Wechselrichter aus Metzingen. Schubert: „Da ist sogar die Betriebsanleitung auf Schwäbisch.“ Zudem kann Kuhn die Anlage via Internet überwachen. „Mit dem Laptop auf Mallorca“, wie Schubert vermutet, denn Kuhn werde ja nun sehr gut verdienen mit dem Strom vom Hallendach …

Bei optimaler Sonneneinstrahlung produziere die Anlage nun gut 46 Kilowatt – „46 Staubsauger auf voller Leistung“, wie Schubert gleich als anschaulichen Vergleich mitlieferte. Mit 45 000 Kilowattstunden pro Jahr rechnet er, das entspreche dem Bedarf von 15 Einfamilienhäusern à vier bis fünf Personen. Umgerechnet bedeute das eine Ersparnis von 4500 Litern Heizöl – oder 39 000 Kilogramm CO2 weniger in der Atmosphäre.

Ein ganz wichtiger Wert sei aber auch die so genannte Energierücklaufzeit. Wie lange also muss die Anlage Strom aus Sonnenlicht produzieren, um die Energie wieder reinzuschaffen, die bei Herstellung und Bau verbraucht worden ist? Zwei bis drei Jahre, so Schubert. Danach kämen dann noch mindestens 22 Jahre Ökostrom vom Hallendach – dann erst läuft die Garantie ab.

Noch ein paar Watt mehr könnten‘s sein, wenn der Baum vor der Mühlbachhalle keinen Schatten werfen würde, doch die Renfrizhauser Arbeitsgemeinschaft Dorfgestaltung, also die schaffigsten Männer des Dorfes, hat sich darauf beschränkt, das gewucherte Dickicht neben dem Eingang der Halle zu roden, wofür Kuhn und Pyroth dankten. Der Baum darf bleiben. Wär ja nochmal schöner unter einem grünen Schultes …

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01.10.2010, 12:00 Uhr

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