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Modernisierung

Strom für die Südbahn

230 Millionen Euro kostet die Elektrifizierung der Strecke von Ulm an den Bodensee. 2021 sollen in Oberschwaben neue Bahnzeiten anbrechen.

24.03.2018

Von ALFRED WIEDEMANN

Noch dieselt es auf der Südbahn, hier bei Meckenbeuren: Gestern war aber offizieller Baubeginn für die Elektrifizierung der Strecke. Im Dezember 2021 sollen in Oberschwaben endlich E-Loks rollen.

Baifenfurt-Niederbiegen. Baustart mit Buzzer: Am Freitag um 15 Uhr war es so weit, die Elektrifizierung der Südbahn wurde offiziell gestartet. Startsignal war ein roter Druckknopf, mal kein Spatenstich. Ende 2021 soll die zweigleisige Hauptstrecke von Ulm an den Bodensee elektrifiziert sein.

Beim Festakt an der Baustelle des künftigen Umspannwerks bei Baienfurt-Niederbiegen im Kreis Ravensburg war die Polit-Prominenzdichte hoch. DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla begrüßte den neuen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Für die Bahn sei „heute der Tag der Elektromobilität“, sagte Pofalla: 330 Kilometer Strecke kommen elektrisch hinzu, wenn die Südbahn von Ulm nach Friedrichshafen und Lindau und dazu die Allgäubahn von Geltendorf nach Lindau umgebaut sind.

Erst durch die Zusage des Landes, sich mit Millionen an den Baukosten zu beteiligen, sei die Südbahn-Elektrifizierung möglich geworden, sagte Pofalla. „Das ist schon ein historischer Tag“, sagte Minister Hermann, „und das sage ich selten.“ Nachdem es unter seinen Vorgängern zwar zig Anläufe zur Streckenmodernisierung gegeben hat, habe erst die Finanzzusage des Landes den Durchbruch gebracht. Tadel gab es von Hermann auch: Der Bund habe sich selbst noch störrisch gezeigt, als das Land schon mit Millionen „gewedelt“ habe. „Heute danken wir, dass der Bund dabei ist“, sagte Hermann. „Wir mussten aber auch viel dafür tun, die Finanzierung ist eigentlich die Aufgabe des Bundes.“

Die Südbahn ist eine der ältesten Eisenbahnstrecken im Südwesten: 1850 eröffnet und vor gut 100 Jahren zweigleisig ausgebaut, kommt jetzt erst der Strom: Bis Dezember 2021 werden die rund 125 Kilometer von Ulm bis Friedrichshafen und dann weiter nach Lindau abschnittsweise elektrifiziert. 4000 Masten werden nach Bahnangaben gesetzt, Oberleitungen installiert, Gleise abgesenkt, Stützmauern und Brücken gebaut, Übergänge angepasst.

Oberschwaben wartet schon seit den 1980er Jahren auf den Ausbau. Lange gab es nur Ankündigungen. Bis 2006 die Kommunen im Interessenverband Südbahn aktiv wurden und 1,4 Millionen Euro einsammelten, damit die Planung in die Gänge kommt. 2009 übernahm die Landesregierung Millionen für die weitere Planung. 2015 folgte die Zusage des Landes zur Übernahme von maximal 112,5 Millionen Euro Baukosten. Das half.

Seit Ende Oktober 2015 hat die Südbahn Baurecht. Die Kosten werden mit 230 Millionen Euro angegeben. Erster Bauabschnitt ist von Ulm bis Laupheim-West. Für den Bau der neuen Oberleitungen und neuer Stützwände ist dieser Streckenabschnitt vom 10.?September bis 21. Dezember 2018 gesperrt. Pendler und andere Fahrgäste müssen so lange auf Busse umsteigen. In den Abschnitten von Aulendorf nach Friedrichshafen und weiter nach Lindau sind 2018 noch keine Arbeiten vorgesehen. Ende 2021 soll alles fertig und das „Dieselloch“ im wirtschaftsstarken Oberschwaben beseitigt sein.

Die zehn Minuten Zeitersparnis durch Tempo 160 statt 140 sind dabei gar nicht so wichtig. Es geht vor allem um Direktverbindungen nach Stuttgart und einen besseren Takt. In den neuen Tiefbahnhof Stuttgart dürfen keine Dieselzüge. E-Loks auf der Südbahn bedeuten umsteigefreie Verbindungen. Mit der Schnellbahnstrecke Wendlingen–Ulm sollen Messe und Flughafen Echterdingen besser aus Oberschwaben erreichbar werden.

Auch in Richtung München bekommt die Region einen besseren Anschluss: Die Allgäubahn von der bayerischen Landeshauptstadt nach Lindau, die über Leutkirch, Kißlegg und Wangen in Baden-Württemberg führt, wird ebenfalls elektrifiziert. Bisher ist am S-Bahnhof Geltendorf Schluss mit E-Zügen. In Memmingen wurde gestern ebenfalls Baubeginn gefeiert.

Vollsperrung bis September

Wegen der Bauarbeiten müssen die Fahrgäste zwischen Buchloe und Leutkirch (Kreis Ravensburg) jetzt in Busse umsteigen. Bis 10. September ist der Abschnitt voll gesperrt. Ende 2020 sollen E-Neigetechnikzüge die Fahrzeit zwischen München und Zürich um eine Stunde auf dreieinhalb verkürzen. Der Schweiz ist die bessere Bahnanbindung von Zürich so wichtig, dass der Nachbar einen 50-Millionen-Kredit beisteuert. Die Kosten für den Ausbau auf 155 Kilometern: 440 Millionen Euro. Der neue Durchgangsbahnhof für Lindau noch gar nicht mitgerechnet.

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Erstellt:
24. März 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. März 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. März 2018, 06:00 Uhr

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