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Stadtwerke Rottenburg als Investor

Stromerzeugung an der Starzel kann reaktiviert werden

Zwar kein Atomkraftwerk, das Ortsvorsteher Kurt Hallmayer scherzhaft ins Spiel brachte, aber ein kleines Flusskraftwerk soll Frommenhausen bekommen. Genau betrachtet wird eine alte Anlage an der Starzel modernisiert und reaktiviert.

07.11.2012
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Der Zweckverband Starzel-Wasserversorgung hat das Projekt gerade gebilligt, jetzt ist noch der Aufsichtsrat der Stadtwerke gefragt. Es geht um eine Investition von 220.000 Euro plus 90.000 Euro für eine so genannte Raue Rampe in der Starzel, die aber dem Wohl der Fische dient und nicht fürs Strommachen nötig ist.

Die Starzel entspringt südlich von Hausen im Killertal und mündet 41 Kilometer danach und 500 Meter tiefer beim Rottenburger Stadtteil Bieringen in den Neckar. Anfang Juni 2008 kamen beim Starzelhochwasser im Killertal drei Frauen ums Leben. Die Fluten zerstörten zudem die historische Steinbrücke in Bieringen.

Eigentlich nur für Spaziergänger oder Radler zugänglich ist das alte Stauwehr im waldreichen Gebiet zwischen Bieringen und Frommenhausen (siehe Bild). Dort wurde und wird die Starzel gestaut, um ihr Wasser zu entnehmen. In einem geschlossenen, unterirdischen, etwa 600 Meter langen Kanalrohr floss dieses Wasser hinunter zum Starzel-Wasserwerk nahe der Burgmühle. Eine kleine Turbine produzierte den Strom, der für den Betrieb der Pumpe benötigt wurde.

So erklärte es Martin Beer, Geschäftsführer der Rottenburger Stadtwerke, die Mitglied sind im Zweckverband Starzel-Wasserversorgung. Wohl Anfang der neunziger Jahre sei das alles zu aufwändig und unrentabel geworden, denn „Strom lag eh da“, und für die aus der Wasserkraft gewonnene Energie gab es kein Geld.

Das hat sich geändert. Seit April 2000 gilt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit dem Ziel, den Anteil des Stroms, der aus sich selbst erneuernden Energiequellen speist, deutlich zu erhöhen. Um Investitionsanreize zu schaffen, wurden Vergütungen festgelegt und für einen langen Zeitraum garantiert.

In Frommenhausen, erzählt Ortsvorseher Kurt Hallmayer, hätten immer wieder Leute auf die alte Anlage in der Starzel hingewiesen. Die Modernisierung hätte schon unter der alten Landesregierung klappen müssen, sagt Hallmayer, der für die CDU als Stadtrat im Rottenburger Gemeinderat ist. Aber es habe „immer wieder Prügel zwischen die Füße“ gegeben. Nachdem nun „leider“, wie er sagt, die grün-rote Regierung am Ruder ist, sollte es gelingen. „Sonst müssten wir so langsam ein Atomkraftwerk beantragen.“ Auch Starzachs Bürgermeister Thomas Noé stehe hinter der Idee.

Von einem „Drama“ spricht Martin Beer, wenn er daran denkt, welche Vorgaben der Naturschutz macht. Der alte Kanal steckt nämlich voller Sedimente (Ablagerungen). Die Röhre mit starkem Wasserstrahl durchzuspülen, darf nicht sein. Das am Ende in die Starzel rauschende Wasser würde den Fischen und anderen Lebewesen nicht gut tun.

Dann dachten die Planer, das Wasser nicht einfach in den Fluss rauschen zu lassen, sondern es abzufangen und vorsichtig einzuleiten. Auch das wurde verboten, denn die Kanal-Sedimente könnten Schadstoffe enthalten, die so in den Wasserkreislauf eingebracht würden. „Das ist fast schon wie Sondermüll zu behandeln“, erläutert Beer.

Deshalb kam die Idee auf, Sand und Geröll im Feldwegebau einzusetzen. Das geht. „Dann sind wir knapp dran vorbei gekommen, ein Vogelschutz-Gutachten machen zu müssen“, erzählt der Stadtwerke-Chef weiter. Denn es gibt Vögel, die sich aus dem Wasser ernähren. Das müssen nicht gleich die gefräßigen Kormorane sein, am Neckar oberhalb Rottenburgs ist beispielsweise der hübsche und seltene Eisvogel gelegentlich zu sehen.

Nicht dass Beer prinzipiell etwas gegen Naturschutz hätte, aber jeder dieser Schritte verändert die betriebswirtschaftliche Kalkulation. Die scheint das Investment nun gerade noch möglich zu machen, die Einspeisevergütung zur Grundlage nehmend. Denn wenn dort an der Starzel nichts geschehen wäre, hätte der Zweckverband irgendwann die Treibrechte für den Betrieb solch einer Stromgewinnungsanlage zurückgeben und auch das kleine Stauwehr im Fluss zurückbauen müssen – Kosten ohne rentierliche Gegenleistung. Treibrechte bekamen früher die Müller, um ihre Mühle mit der Kraft des Wassers zu betreiben, oder Schmiede, um ihren schweren Hammer zu bewegen. Die Raue Rampe, die den Fischen den Aufstieg im Fluss Richtung Quelle erleichtern soll, ist eher neutral zu betrachten.

Die Machbarkeitsstudie, sagt Beer, für ein 15-Kilowatt-Kraftwerk mit einer Leistung von 60 000 bis 70 000 Kilowattstunden Strom im Jahr (das reicht etwa für 15 bis 20 Haushalte) sprach nicht dagegen, das alte Kraftwerk zu reaktivieren. Beer: „Wenn schon so eine Kleinanlage vorhanden ist und es fast ohne Eingriffe in die Natur geht, wäre es dumm, wenn wir das nicht machen. Es ist eine sehr ökologische Sache. Baden-Württemberg hat, gerade in den Mittelgebirgen, relativ viel Potenzial für solche Anlagen.“

Fazit: Wenn der Aufsichtsrat Mitte Dezember zustimmt, bauen und betreiben die Stadtwerke die Anlage mit neuer Turbine und zahlen der Starzel Wasserversorgungsgruppe eine Jahrespacht von 1800 Euro. Nach der Schneeschmelze im kommenden Frühjahr könnten die Arbeiten beginnen.

Stromerzeugung an der Starzel kann reaktiviert werden
Die alte Wehranlage an der Starzel zwischen Frommenhausen und Bieringen. Links oben im Bild ist der Einlauf in den Kanal, der zum Wasserwerk etwa 400 Meter unterhalb führt. Dieses Stauwasser ließe sich wieder zur Stromerzeugung benutzen.

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07.11.2012, 12:00 Uhr

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