Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Wer jetzt schon sucht, hat noch ganz gute Chancen

Studentenzimmer werden rar

Noch ist die Lage entspannt: Angehende Erstsemester haben zur Zeit ganz gute Chancen, eine Wohnung oder ein Zimmer zu finden. Doch das wird sich bald ändern: Die Universität rechnet damit, dass bis Semesteranfang über 27 000 Studenten eingeschrieben sind. 2000 mehr als im Vorjahr – und Rekord.

01.09.2012
  • sabine lohr

Tübingen. Die 20-jährige Julia aus Remseck hatte auf Anhieb Glück: Auf die kleine Wohnungs-Suchanzeige, die ihre anonym bleiben wollende Mutter im Mittwoch-Markt des TAGBLATTs aufgab, meldeten sich gleich 25 Vermieter. Die angehende Studentin durfte sich aussuchen, was ihr behagte und hat nun „genau das gefunden, was wir wollten“, wie ihre Mutter sagt.

Eine nicht ganz so große Auswahl hat die Tochter einer Darmstädter Ärztin, die ihren Namen ebenfalls nicht nennen will. Immerhin aber kann auch sie sich auf ihre Kleinanzeige hin vier Wohnungen in Uninähe anschauen. „Preiswert sind die alle nicht“, sagt ihre Mutter. 450 Euro im Monat werde sie schon hinlegen müssen. Dafür hat die Arzttochter dann aber zwei Zimmer für sich alleine und lebt in schöner Halbhöhenlage.

Diesen Luxus haben die Bewohner der Studentenwohnheime nicht. Dafür leben sie geselliger und günstiger: zwischen 230 und 340 Euro Warmmiete zahlen sie für eins der 3670 Zimmer, die das Studentenwerk Tübingen-Hohenheim hat. Frei davon sind zur Zeit 1463, wie Pressesprecherin Alexandra Vogel mitteilt. 685 Bewerbern hat das Studentenwerk inzwischen Zimmer angeboten und die Warteliste ist gut gefüllt: 1436 Studienanfänger fragten an. Jedoch haben bisher nur 325 von ihnen ihre Immatrikulationsbescheinigung vorgelegt, die zum Wohnen im Studentenwohnheim berechtigt. Allerdings hat das Studentenwerk ihnen noch kein Zimmer angeboten – dafür 755 weiteren Bewerbern, die schon im Studium sind.

Bei der Zahl der Bewerber stellt Vogel einen „leichten Anstieg“ fest. Sie rechnet damit, dass sich die Lage noch sehr zuspitzen wird. „Vermutlich müssen wir wieder Notunterkünfte anbieten. Und wenn die voll sind, gibt es noch einen Veranstaltungsraum auf Waldhäuser-Ost, in dem Studenten vorübergehend übernachten können“, sagt sie. Das Studentenwerk hat sich auch personell auf den erwarteten Andrang eingestellt und die Mitarbeiterzahl im Bafög-Bereich um 23 auf 52 aufgestockt. Außerdem wurden zusätzliche Hausmeister für die Wohnheime eingestellt.

Von einem „großen Andrang“ berichtet Cornelia Hohndorf, die die Mitwohnzentrale betreibt. „Wir haben hier täglich und nonstop Anfragen“, sagt sie. Viele Studenten seien auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum, doch Angebote gebe es einfach zu wenig. Zudem seien die Ansprüche gestiegen: „Alle wollen in die Innenstadt, schon Randlagen sind nicht mehr begehrt.“ Hohndorf bittet eindringlich alle Tübinger, die Wohnraum vermieten können, das auch zu tun. „Und wenn es nur für ein Semester ist – es gibt viele ausländische Studenten, die für ein paar Monate etwas suchen.“

Die Neubauten sind noch nicht fertig

Auch Oberbürgermeister Boris Palmer bittet Hauseigentümer darum, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. „Die Studierenden brauchen den dringend.“ Drei Jahre lang, befürchtet er, werde die Lage angespannt bleiben – obwohl die Stadt „nach bestem Wissen das Möglichste getan“ habe, neuen Wohnraum zu schaffen. Im Baugebiet Lustnauer Mühle entstehen bis in einem Jahr 100 Wohnungen für Studierende, auf dem Steinhilber-Areal wird ebenfalls gebaut, und auch auf dem Güterbahnhof-Gelände sind Wohnungen für Studierende geplant. Freilich ist keins der genannten Häuser bisher fertig. Zügiger wird es mit den Containerwohnungen gehen, die ein privater Investor wie berichtet in den Mühlbachäckern aufstellen will. „Bis Ende des Jahres werden sie stehen“, sagt Palmer.

In den vergangenen Jahren habe auch sein Ziel, zusätzlichen Wohnraum für 10 000 Bürger zu schaffen, Erfolg gehabt: 20 Prozent der Baulücken seien inzwischen überbaut. Das alles belege, „dass sich die Stadt wie keine andere Kommune im Land ums Wohnen gekümmert hat“, so Palmer.

Dass es eng wird in diesem Jahr und in den nächsten Jahren, sei vorhersehbar gewesen. Er habe deshalb seit Jahren das Studentenwerk mehrfach in Kommissionssitzungen aufgefordert, mehr Wohnungen zu schaffen. „Doch es hieß immer, es bestehe kein Bedarf, es gebe keine Warteliste.“ Das werde heute anders eingeschätzt.

Studentenzimmer werden rar
In der Viktor-Renner-Straße ist eins der Wohnheime des Studentenwerks Tübingen. Der Run auf die leerstehenden Zimmer darin geht erst noch los. Archivbild: Metz

Die meisten Zimmer bietet das Studentenwerk Tübingen-Hohenheim an. Es hat zwölf Wohnheime. Einen Überblick gibt es auf www.my-stuwe.de. Dort stehen auch Öffnungszeiten und Telefonnummern. Im Internet gibt es mehrere Wohnungsbörsen. Am bekanntesten sind www.wg-gesucht.de und www.immobilienscout24.de. Die Mitwohnzentrale Tübingen ist unter Telefon 0 70 71 / 55 10 zu erreichen. Erfolgversprechend ist eine Kleinanzeige im Mittwoch-Markt des TAGBLATTs. Aufgeben kann man sie auf den Seiten www.mein-mittwochmarkt.de oder www.tagblatt.de, unter der Telefonnummer 0 70 71 / 934-444 oder in den Geschäftsstellen. Weiterhelfen können auch Makler (Gelbe Seiten).

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

01.09.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball