Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Ausland rückt näher: Facebook macht Nachrichten international

Studentische Reaktionen auf Kleber-Vortrag / Klassische Nachrichtensendungen werden nur noch selten geschaut / „Ein Gewinn für Tübingen“

Selten sah man auf den Fluren vor dem Festsaal Studenten so intensiv debattieren, wie nach dem Vortrag von Claus Kleber am Dienstagabend. Bei allen Problemen müsse man doch auch die Chancen sehen und nutzen, die neue Medien mit sich bringen, sagten viele.

03.06.2015
  • Angelika Bachmann

Tübingen. Heute-Journal oder Tagesschau? Klassische Nachrichtensendungen schaut sich Melanie Reinert „nur bei wirklich wichtigen Ereignissen“ an. Ansonsten holt sie sich die Nachrichten online bei zeit.de und sueddeutsche.de ab. Pascal Thiel, der wie Reinert Kommunikationswissenschaften in Hohenheim studiert, sieht zwar auch ein Problem darin, dass die Nachrichtenauswahl zunehmend durch Algorithmen automatisiert wird. Als Medienstudent sieht er sich für den Umgang mit den Medien der Zukunft aber besser gewappnet als andere. Wer das nicht studiert hat, dem falle die Auswahl in der neuen Medienwelt vielleicht nicht so leicht. Claus Kleber als Honorarprofessor, so waren sich beide einig, sei auf jeden Fall „ein echter Gewinn für die Studierenden hier“.

Die Bildungspolitik ist gefordert

„Schade, dass man nicht mehr mit Kleber diskutieren konnte“, sagte der Tübinger Politikstudent Simon Cedric. „Ich hätte ihn gern gefragt, welche Rolle die Neutralität und der Pluralismus spielen“ – wenn man zu einem Thema nur einen Zwei-Minuten-Beitrag in einer Sendung unterbringen kann. Da sieht der 23-Jährige echte Vorteile in der Netzkommunikation. Klebers Vortrag würde er trotzdem seinen Freunden in sozialen Netzwerken empfehlen – „und mit einem Kommentar versehen“.

„Er hat sehr viel Pessimistisches gesagt“, fasst Barbara Kiolbassa zusammen, die nach dem Vortrag vor den Türen des Festsaals mit Freundinnen über Klebers Thesen diskutiert. „Ich finde, er ist zu spät auf die Chancen zu sprechen gekommen“, sagt die 22-Jährige, die in Tübingen Medienwissenschaften studiert. Gewisse Gefahren gebe es sicherlich. So hat sie selbst zum Beispiel registriert, dass Twitter es nicht unterstützt und gemeldet hat, als „Occupy-Wall-Street“ ein „trendiges Thema“ wurde. Dass da Interessen des Konzerns dahinter stehen, mag man vermuten. „Wir haben keinen Einfluss darauf, wie man diese Plattform nutzt.“ Gleichzeitig ist sie überzeugt: Man könne die neue Form der Mediennutzung durch Jüngere nicht einfach abtun. „Die Journalisten müssen den Sprung schaffen. Man weiß halt noch nicht wie.“ Einen Schlüssel dafür sieht sie in der Medienkompetenz – nicht nur der Nachrichtenmacher, sondern vor allem der Nutzer. Das müsse eine viel größere Rolle in der Bildung und den Schulen spielen. „Die Blickvertiefung. Das ist eine Aufgabe, die die Bildung wahrnehmen muss. Davon hört man bislang viel zu wenig.“

Ein Diskussionsthema unter den Studentinnen war die Frage, ob und warum die Online-Seiten der Nachrichtensender (etwa die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen) an Bedeutung verlieren gegen die so genannten Newsfeeds, also die Nutzung sozialer Netzwerke als Nachrichtenticker.

Dass Facebook und andere Online-Dienste die Nachrichten vorsortieren, das sehen Kiolbassa und ihre Freundinnen ambivalent. Einerseits sei das ja ganz praktisch. Andererseits nerve die Abhängigkeit. Führt diese Vorsortierung tatsächlich zu einer Einschränkung des Horizonts, wie Kleber behauptete? Das sehen die Studentinnen nicht so. Seit sie auf Facebook dem „Guardian“ und der „New York Times“ folge, sagt Theresa Offenbeck, falle ihr auf, wie unterschiedlich die Wahrnehmung politischer Probleme in den verschiedenen Ländern sei. „Zum ersten Mal habe ich Israel-Kritisches gelesen. Das gibt es ja hierzulande kaum.“

„Guardian“ und „New York Times“ im Blick

„Sehr authentisch und beeindruckend“ fand die Tübinger Jura-Studentin Charlyne Wagenknecht den Vortrag. „Ich finde es erschreckend, wie wenige Jüngere die Tagesschau sehen.“ Die 23-jährige Rhetorik-Studentin schaut häufig Nachrichten im Fernsehen, auch das „Heute-Journal“. „Ich interessiere mich für das Weltgeschehen.“ Diese klassische Form der Nachrichtensendung findet auch ihre Kommilitonin Marissa Bamberger nicht veraltet. Im Gegenteil: Wenn man den ganzen Tag fürs Studium gearbeitet und gelesen hat, sei es doch ganz angenehm, die Nachrichten in dieser Form präsentiert und moderiert zu bekommen.

Angesprochen von Klebers Vortrag fühlte sich die Tübinger Rhetorik-Studentin Cynthia Schreff-Spierig. Auch wenn sie nicht in allen Punkten mit ihm übereinstimme. Die 23-Jährige liest viele Nachrichten, die sie über Facebook zugeschickt bekommt. „Kleber hat ja recht. Man setzt sich in den seltensten Fällen hin und sucht selbst nach Nachrichten.“ Andererseits sieht sie die Chancen der Netzwerkkommunikation: Als die German Wings Maschine abgestürzt war, habe sie wichtige und interessante Informationen als erstes über die „New York Times“ erhalten.


Video: Campus TV

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

03.06.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball