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Ganz Unten

Studien mit zartem Schmelz

Schokolade. Geißel der Götter. Ungesund, unwiderstehlich, unfair. Nicht nur eingefleischten Ernährungsaposteln galt der Beelzebub aus der Bonbonniere lange als Kariesschleuder im Knisterpapier, als Pandora der Postmoderne, als Wampenmacherin von der schönen Gestalt. Wenig Ballaststoffe, viel Ballast. Schokolade: die braune Bedrohung.

05.12.2012
  • Eike Freese

Soviel zum nüchtern abgewogenen Vorurteil. Doch während droben am Holzmarkt die Tübinger „Chocolart“ ihre kalorienhaltigen Kreise zieht, zeigt sich die braune Masse im Spiegel der Wissenschaft von ihrer Schokoladenseite: Je nach Studie hilft Schokolade gegen Herzinfarkt und Haarausfall, Schlaganfall und Schlangenbiss, Dummheit, Darmkrebs, Depressionen. Zudem, sagen Wissenschaftler, schmeckt sie auch noch gut.

Für Tübingen wichtig: New Yorker Mediziner haben kürzlich eine „direkte lineare Korrelation“ zwischen jährlichem Pro-Kopf-Verbrauch an Schokolade und dem Output eines Landes an Nobelpreisträgern festgestellt. Die Schweiz liegt vorn. Andere Länder – etwa die Kapverdischen Inseln – sind hoffnungslos abgeschlagen. Kein Wunder eigentlich, denn bei 40 Grad im Schatten lutscht sich so ein Krokant-Ei halt nur halb so gut. Aber Nobelpreis bleibt Nobelpreis – und wenn sie den Ruhm unserer Uni mehren, scheinen ein paar Rumkugeln im Mensa-Napf künftig allemal günstiger angelegt als das x-te Neutronen-Dingsbums auf der Morgenstelle.

Dem intellektuellen Normalverbraucher macht währenddessen eine Expertise aus San Diego Hoffnung: Leute, die keine Schokolade essen, sind im Schnitt dicker. Das sagen zumindest die Forscher aus Kalifornien – und wir glauben ihnen das jetzt einfach mal ungeprüft. Der Vollständigkeit halber sei zudem erwähnt, dass Schokolade natürlich auch gegen Impotenz hilft – weil sie richtig dosiert die Durchblutung in einschlägig bekannten Körperteilen stärkt. Wer die entsprechende Studie der University of California gerade nicht zur Hand hat, wirft einfach mal einen scheuen Blick in die Memoiren des Giacomo Casanova: Kapitel für Kapitel protokolliert unser venezianischer Schwerenöter nicht nur die Konsistenz seiner jeweiligen Kammerdienerin, sondern stets auch die der heißen Schokolade, die jene ihm zum Frühstück reicht.

Spätestens jetzt scheint es also im Grunde nicht zu schaden, sich dieser Tage mal auf der Chocolart blicken zu lassen. Und wenn Sie dort Freunden begegnen, die über Sie spotten – sagen Sie einfach, Sie seien dort, um sich über Fairen Handel zu informieren. Für den ist Schokolade nämlich auch zentral. Sagt die Wissenschaft.

Studien mit zartem Schmelz

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05.12.2012, 12:00 Uhr

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