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Wir essen schon den Baum

Studierende der Universität Tübingen diskutieren bis Donnerstag über Nachhaltigkeit

An der Universität Tübingen startete gestern die erste „Week of Links“. In dieser Ferienakademie diskutieren 63 Erst- und Zweitsemester über ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit.

30.09.2014
  • Sarah Schumayer

Tübingen. „Nachhaltige Entwicklung – nur wie?“ Dieses Thema hatte Andreas Huber, Geschäftsführer der deutschen Gesellschaft des „Club of Rome“, der „Global Marshall Plan Foundation“ und Vorstand der „Desertec Foundation“, für seinen Vortrag gewählt. Damit begann gestern die erste „Week of Links“, die noch bis 2. Oktober geht.

Die nächsten sechs Jahre sind die wichtigsten

Martin Adler, Doktorand am Mathematischen Institut der Universität Tübingen und einer der 16 Organisatoren, begrüßte im Audimax der Neuen Aula zunächst OB Boris Palmer als ehemaligen Absolventen der Universität. Palmer lobte die Initiative der Studierenden und betonte, wie wichtig es sei, dass die jetzige Generation sich aktiv für ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit – das sogenannte Nachhaltigkeitsdreieck – einsetze, um das Schlimmste zu verhindern.

Dann stellte der aus Tuttlingen stammende Andreas Huber die aktuelle Situation in Deutschland und der Welt, bezogen auf ökonomische, ökologische und soziale Herausforderungen, dar: Es sei schon nicht mehr möglich, rechtzeitig etwas zu tun. „Aber die sechs Jahre von heute bis 2020 sind die wichtigsten, um noch gegen den Klimawandel, die Erderwärmung, Ausbeutung der Ressourcen und soziale Ungleichheit vorzugehen.“

Gemeinsam mit den Studierenden definierte er nachhaltige Entwicklung und machte auf den ökologischen Fußabdruck aufmerksam: Die Menschen brauchten heute schon 1,5 Planeten. Das heißt, in einem Jahr wird so viel Fläche zur Produktion von Kleidung, Nahrung oder Energie, auch zur Entsorgung von Müll oder zum Binden des freigesetzten Kohlenstoffdioxids verbraucht, dass sich die Erde 1,5 Jahre davon erholen muss: „Wir essen also nicht mehr die Früchte, sondern schon den Baum.“ 2050 werden es bereits drei, bei einem Lebensstandard wie in Deutschland sechs, wie in den USA sogar zehn Planeten sein. Huber verdeutlichte, dass es nicht einfach ist, von Gewohnheiten weg zu kommen, ermutigte die Studierenden jedoch, Bewusstsein zu schaffen und selbst Vorträge für Freunde oder Nachbarn zu halten.

Genau die Brisanz und Aktualität des Klimawandels motivierte auch die Organisatoren – Studierende und Doktoranden der Universität – eine „Week of Links“ zu planen.

Impulse geben und für Engagement mobilisieren

„Zum einen ist es uns wichtig, die Studierenden früh an das wichtige Thema Nachhaltigkeit heranzuführen, ihnen Impulse zu geben und für Engagement zu mobilisieren“, sagt Martin Adler. Zum anderen sollen die Erstsemester in der Woche Kontakte knüpfen.

Die Projektidee entstand, als eine Delegation aus Tübingen beim „World Student Environmental Summit 2013“ in Lüneburg dabei war. Nach ihrer Rückkehr im Oktober 2013 stellten sie ihre Idee den Studenteninitiativen „Greening the University“, „you-manity“ und „Student HUB“ vor und fanden immer mehr Unterstützer.

Die Teilnehmer besuchen in dieser Woche Workshops, diskutieren in Kleingruppen darüber, was nachhaltige Entwicklung ist, welche Welt sie wollen und was sie in Studium und Alltag tun möchten, um einer nachhaltigen Welt näher zu kommen. Bei einem Markt der Möglichkeiten können sich Vereine und Initiativen der Stadt präsentieren: „Die Studenten bekommen so Einblick, wie sie sich während ihres Studiums engagieren können“, so Adler. In einem Kunstprojekt mit dem Zeicheninstitut der Universität können die Studierenden, aber auch Passanten, Kinder und Familien unter Anleitung höherer Semester an einer zwei mal zwei Meter großen Weltkugel basteln. Auf ihr sollen auch Wünsche und Vorstellungen für eine positive zukünftige Welt zu sehen sein.

Für das gesamte Programm zahlen die Studierenden eine Teilnahmegebühr von zehn Euro und bekamen am Anfang noch eine Tasche mit wiederverwendbaren Kaffeebechern, Bleistiften und Papierpilzblöcken aus Kopierpapier. Das Geld will das „Week of Links“-Team spenden.

Das Abendprogramm – jeweils von 19.15 Uhr an – ist öffentlich und kostenlos für alle. Am heutigen Dienstag gibt es ein Singer-Songwriter-Konzert mit Bea Bacher im Alten Schlachthaus (Schlachthausstraße 9). Am morgigen Mittwoch hält Christopher Gohl im Weltethos-Institut, Hintere Grabenstraße 26, den Vortrag „Organisierte Dialoge als Treiber zukunftsfähiger Politik“.

Finanziert wird die „Week of Links“ mithilfe der Stiftung der Landesbank Baden-Württemberg, der Doris-Wuppermann-Stiftung, dem Innovationsfonds/Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung der Uni, dem Weltethos-Institut und der Universität Tübingen.

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30.09.2014, 12:00 Uhr

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