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In jedem Kapitel die Geschichte Israels

Studierende drehten einen Film über Lilli Zapf

Lilli Zapf war eine der couragiertesten Tübingerinnen. Mühsam, aber unermüdlich arbeitete sie seit den 1960er Jahren die Geschichte der Tübinger Juden in der NS-Zeit auf. In einer Zeit, da viele die braune Vergangenheit der Uni-Stadt verdrängten. Mit Lilli Zapf beschäftigten sich Studierende der Medienwissenschaft und drehten einen Film.

23.08.2012
  • Manfred Hantke

Tübingen. Die Medienwissenschaftler der Tübinger Uni kooperieren mit dem Zeitzeugnis-Projekt vom TAGBLATT. Im vergangenen Semester suchten sich die Studierenden unter der Leitung von Meike Uhrig einige historische Themen heraus und begannen, sich in die Geschichte ihrer Uni-Stadt einzuarbeiten. Anhand des Archivmaterials, historischer Fotos und Zeitzeugen entwarfen sie ein Szenenbuch und drehten Filme. Inzwischen sind die Streifen alle fertig.

Spende für die Schreibmaschine

David Schecher und Alexander Henek faszinierte die unerschrockene Lilli Zapf, die trotz aller Widerstände 1974 ihr Buch über die Tübinger Juden herausbrachte. Die beiden Medienwissenschaftsstudenten geben in ihrem gut fünfminütigem Streifen die Geschichte der über 80 Tübinger Juden in wenigen Sequenzen wider und widmen sich dann ausschließlich der Arbeit von Lilli Zapf. Sprecher im Off ist Daniel Czeppel.

Filmaufnahmen von Lilli Zapf sind nicht bekannt, und die geringe Zahl an Fotos hätte nicht ausgereicht, um die ganze Geschichte damit zu füllen. So schlüpft Kommilitonin Laura Völkle in die Person von Lilli Zapf, die von Maskenbildnerin Barbara Koslowski zurechtgeschminkt wurde und den Betrachter in die 1960er Jahre zurückführt. Ins Bild rückt dann Völkle/Zapf, wie sie unentwegt an die in die USA emigrierte Hanna Bernheim schreibt. Nicht per E-Mail, sondern auf einer mechanischen Schreibmaschine. Völkles Stimme im Off liest die Briefpassagen vor.

Da bedankt sich Zapf bei Bernheim für die überwiesenen 50 Mark, die Zapf jedoch nahezu vollständig in die dreimonatige Miete der Schreibmaschine investiert hat. Denn längst hat sie ihr großes Projekt begonnen. Sie will die Schicksale der Tübinger Juden aufarbeiten. Davon hat sie auch den damaligen Bürgermeister Eberhard Doege in Kenntnis gesetzt, schreibt sie in einem nächsten Brief. Der schien aufgeschlossen und dankbar.

Doch Unterstützung gab es nicht. Lilli Zapf musste die gesamte Arbeit allein bewältigen, über Jahre hinaus emigrierte Juden ausfindig machen und die in den Konzentrationslagern ermordeten Juden ermitteln. Am 21. Dezember 1966 schreibt sie ihrer Freundin, die Dokumentation sei „natürlich“ noch nicht fertig. Es sei eine „riesen Arbeit“. Schließlich stecke in „jedem Kapitel die Geschichte Israels“.

Ende März 1973 war Zapf zuversichtlich, ihr Buch bald herausgeben zu können. Sie sei schon mit einem Verlag in Verhandlung, schreibt sie. Gespart habe sie rund 6000 D-Mark (heute rund 3000 Euro), aber der Druck sei ziemlich teuer. Im Januar 1975 endlich konnte sie Hanna Bernheim mitteilen, das Werk sei erschienen und werde „sehr gut verkauft“.

Am Schluss katapultieren die beiden Nachwuchsmedienwissenschaftler Schecher und Henek den Zuschauer wieder in die Gegenwart: Sie beschließen ihren Streifen mit der Verleihung der Tübinger Bürgermedaille an Lilli Zapf, dem Lilli-Zapf-Jugendpreis und der 2008 erschienenen 4. Auflage der Tübinger Juden.

Aus den Briefen von Lilli Zapf

Aus den Briefen von Lilli Zapf --

05:07 min

Studierende drehten einen Film über Lilli Zapf
Laura Völkle im Film als Lilli Zapf.Bild: Medienwissenschaft

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23.08.2012, 12:00 Uhr

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