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Königspfalz in Altenburg?

Studierende entdecken Mauerreste einer frühmittelalterlichen Anlage

Archäologie-Studenten der Tübinger Universität haben bei Lehrgrabungen in Altenburg womöglich die Mauerreste eines ehemaligen Königshofes aus dem Frühmittelalter gefunden. Bestätigen sich die Vermutungen der Entdecker, könnte ein wichtiger Teil Reutlinger Heimatgeschichte bewiesen werden.

29.08.2015
  • Maik Wilke

Altenburg. Vier Wochen haben die Tübinger Archäologie-Studenten und Grabungsleiter Christoph Fahrion gebuddelt – auch bei über 30 Grad im Schatten. Doch der Schweiß hat sich gelohnt: Die Gruppe hat bei Ausgrabungen um das Kirchengelände im Reutlinger Stadtteil Altenburg die Reste einer Befestigungsmauer aus dem frühen Mittelalter gefunden. Diese könnte zu einer Königspfalz aus dem 10. Jahrhundert gehören, die bislang nur in schriftlichen Quellen erwähnt wurde.

„Wenn sich unsere Vermutungen bestätigen, ist das ein wichtiger Fund für die Heimatgeschichte Altenburgs“, sagt Fahrion, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Eberhard-Karls-Universität. Bislang sei das 1,4 Hektar große Areal nur vom 1937 verstorbenen Tübinger Heimatforscher Eugen Nägele beschrieben worden – er fand Hinweise in der Zwiefalter Chronik aus dem 12. Jahrhundert. Diese Königspfalz soll ein Stützpunkt des Schwäbischen Herzogs Erchanger gewesen sein.

Laut Zwiefalter Chronik wurde Erchanger auf der Residenz in Altenburg von Kaiser Konrad dem Ersten verhaftet, erklärt Fahrion die historische Bedeutung der Pfalz. „Für uns ist es wichtig, die schriftlichen Quellen durch Funde bei Ausgrabungen zu bestätigen“, sagt Professor Jörn Staecker vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters an der Tübinger Eberhard-Karls-Universität. „Wir haben nun ganz konkrete Spuren, die bislang gefehlt haben“.

Bei der Grabung sind die Studierenden auch auf verbrannte Holzkohle gestoßen. Staecker vermutet, dass das Holz zum Wehrgang der Verteidigungsanlage gehörte. Den Beweis eines königlichen Hofes in Altenburg soll nun eine Radiocarbondatierung – Experten sprechen von einer C-14-Probe – der Holzkohle bringen. Mit dieser lässt sich das Alter exakt bestimmen. „Wir hoffen, dass die Mauer aus dem 10. Jahrhundert stammt“, so Fahrion. „Dann ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich tatsächlich um Reste des von Nägele beschriebenen Königshofes handelt.“

Die Bewohner Altenburgs könnten also bald die Bestätigung erhalten, dass ihr Ort tatsächlich als königliche Niederlassung diente. Mehrere Anwohner hätten sich während der Ausgrabungen bei den Studierenden informiert. Der Geschichtsverein Altenburg hat die Gruppe sogar finanziell unterstützt. „Das Interesse im Ort und an seiner Geschichte ist riesig“, sagt Fahrion.

Die Grabungsstelle liegt übrigens auf einem Privatgrundstück, dessen Besitzer die Arbeiten ebenfalls gerne unterstützt habe. Auf weitere Entdeckungen zu stoßen, könnte aber schwierig werden. Der aktuelle Fund liegt im Randbereich, der größte Teil der Hofanlage ist bereits mit modernen Gebäuden verbaut. „Aber es gibt kleinere Flächen, an denen wir durchaus eine Chance haben, noch etwas zu finden“, hofft Staecker. Dass die alten Mauern bei Ausgrabungen leicht lädiert werden, lasse sich nicht vermeiden, sagt Fahrion: „Wir machen zwar kaputt, aber wir machen kontrolliert kaputt.“

Wer die Trockenmauer vor Ort sehen möchte, kommt aber zu spät: Die Entdecker haben die etwa drei Quadratmeter große Grube bereits wieder zugeschüttet. „Wir haben den Fund dokumentiert und können die Heimatgeschichte bestätigen“, so Fahrion.

Studierende entdecken Mauerreste einer frühmittelalterlichen Anlage
Fast wie Indiana Jones: Grabungsleiter Christoph Fahrion hat als Archäologe ein Stück Altenburger Heimatgeschichte ausgegraben.Bild: Haas

Schon im vergangenen Jahr hatte eine Gruppe von Archäologie-Studenten aus Tübingen an Lehrgrabungen in Altenburg teilgenommen. Der Fund der ehemaligen Befestigungsmauer eines frühmittelalterlichen Königshofes sei daher zwar glücklich, aber kein reiner Zufall. „Wir wissen aus den Aufzeichnungen von Eugen Nägele, dass in diesem Areal eine Anlage stand. Nur wo genau und was für eine konnten wir nicht sagen“, erklärt Grabungsleiter Christoph Fahrion, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters an der Tübinger Uni. „Wir waren auf Nägeles Spuren, weil wir 120 Jahre später bessere Methoden haben. Und dieses Mal haben wir eben etwas gefunden“, freut sich der 31-Jährige. Die Studierenden, die mit den Lehrgrabungen ihre Praxisstunden sammeln, sind ebenfalls begeistert: „Die Arbeit war sehr anstrengend, doch es hat sich definitiv gelohnt“, sagt Markus Braun.

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29.08.2015, 12:00 Uhr

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