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Stück für Stück wurde weiter renoviert in der Haaggasse
Jörg Wenzel
Frühjahrsgefühle im Herbst beim Club Voltaire

Stück für Stück wurde weiter renoviert in der Haaggasse

Der Club Voltaire wird immer schöner, rein baulich. Und immer besser, vom Programm her. Wir haben vorbeigeschaut – und stellen das Herbstprogramm vor.

02.10.2014
  • Peter Ertle

Tübingen. Hübsch hell ist es geworden im Thekenbereich und an der Wand daneben. So sehr, dass Ralf Wenzel schon wieder sagt: „Das ist jetzt zu leer, da muss noch was hin.“ An der anderen Seite der Wand, unübersehbar: Eine Heizung! Früher wurde hier winters mit Nachtspeicheröfen und ähnlich mobilem Gerät für Wärme gesorgt, zuweilen eine stickig-feuchte Wärme.

Auch der Platz vor dem Club, das Pflaster, wurde aufgehübscht, der Baum hat eine schöne Steineinfassung bekommen. Im Eck ist übrigens noch eine alte Gerbergrube, der Deckel ist jetzt mit einem Schloss versehen, damit niemand Müll reinwirft. Neben dem Haus soll ein ganz schmaler Weg, eine Minigasse zwischen den eng stehenden Häusern direktemang in die Unterstadt zugängig gemacht werden, das ist der Plan.

Aus Büroräumen wurde nichts

„Im Obergeschoss Büroräume, die wir uns mit anderen Veranstaltern teilen“, das wäre ihr Traum gewesen, aus dieser Nutzungsidee wird jetzt nichts, da spricht das Denkmalamt ein Wort mit. Und denkmalwürdig ist hier vieles. Zum Beispiel die Art der Dachdeckung. Oder die Jahreszahl und das Zunftzeichen-ähnliche Emblem an einer Seite im ersten Obergeschoß. Auf dem Weg hinauf zeigt Ralf Wenzel auf die neue Holzbekleidung, so verschraubt, das sie im Falle eines Falles relativ rasch wieder abgenommen werden kann – um das Darunter noch einmal in Augenschein zu nehmen.

Auf seinem Laptop zeigt er nachher Bilder vom Darunter. Zu sehen ist auch ein Loch, die Wand ist nach außen gebrochen. „Wir haben uns schon überlegt, ob man sich da abseilen und arbeiten kann“, sagt Jörg Wenzel, „aber bis zum nächsten Haus sind da höchsten 30 cm Platz, das geht nicht.“ Immerhin, es geht voran, auch Dank eines bewilligten Bauantrags, für den sich Kulturamtsleiterin Daniela Rathe stark machte.

„Da war ich früher auch immer“

Auf der Frontseite wird demnächst das Schild „Club Voltaire“ angebracht, daneben wird von Lesung über Kleinkunst, Theater bis Musik allerlei aufgelistet, was im Club so zu erwarten ist. Es standen einfach zu oft Menschen vor dem Haus, die sich fragten, was das ist, ein „soziokulturelles Zentrum“. Von Tagungsstätte bis Puff wurde da alles mögliche erwogen, die Wenzel-Brüder hörten das oft, wenn sie im Club waren. Am häufigsten aber hören sie folgenden Satz: „Da war ich früher auch immer“. Schauen sie dann raus, steht dort meist ein angejahrter Herr, der seine Frau durch seine ehemalige Studentenstadt führt.

Seit einiger Zeit ist der Club auch für die derzeitigen Studenten wieder richtig attraktiv. Das Herbtsprogramm lässt sich sehen:

Am Donnerstag um 20 Uhr berichtet die in Deutschland lebende Haitianerin Claudette Coulanges, wie kleine Vereine versuchten, Hilfsprojekte auf der Insel nach dem Erdbeben von 2010 zu organisieren.

Am Freitag, 3. Oktober um 20 Uhr tritt die Ulmer Formation „Gruppe Sound Escape“auf, mit folgendem Thema: Es gab in den KZs Gedichte, und entgegen aller anderen Vermutungen gibt es auch nach Auschwitz noch Lyrik über das Unaussprechliche. Die „Gruppe Sound Espace“ verknüpft solche Texte mit einer Musik, die sich von allem Gewohnten weit entfernt und dem Unglaublichen neue Töne und Sounds an die Seite stellt.

Am Samstag, 11. Oktober um 20 Uhr bringt Brunos Kleinkunstbühne im Club Voltaire Jüdische Lieder und Texte mit Klaus und H.-P. Möller und Conny Reese (Klavier) unter dem Titel „Ich hab kein Heimatland usw“ in den Club.

Am Dienstag, 14. Oktober heißt es wie jeden zweiten Dienstag im Monat wieder: „Roter Tresen – Kneipe. Kino. Kommunismus.“ Ein Raum, ein Tresen, viele Ideen: Für alle, die pollitische Filme sehen, spannende Vorträge hören und in offener, angenehmer Atmosphäre über politische Fragen diskutieren möchten. Diesmal: Wie haben die Menschen in der DDR gelebt und gearbeitet?

Am Mittwoch, 15. Oktober um 20 Uhr werden sie dann wohl schauen müssen, ob sie alle Zuhörer unterbringen, wenn „Der Ukraine-Konflikt im Spannungsfeld der Interessen“ auf dem Programm steht. Ein Vortrag von Reinhard Lauterbach mit anschließender Diskussion. Lauterbach ist freier Osteuropakorrespondent unter anderem für die Tageszeitung „junge Welt“, das Magazin „Hintergrund“ und „Radio LoRa“ (Zürich), ehemaliger Korrespondent des ARD-Hörfunks für Osteuropa.

Und, nur um mal die stete Vernetzungsbereitschaft des Clubs zu verdeutlichen: Es handelt sich um eine Veranstaltung der Rosa Luxemburg Stiftung Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Friedensplenum/Antikriegsbündnis, der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) und dem OTFR (Offenes Treffen gegen Faschismus und Rassismus) in Zusammenarbeit mit Club Voltaire e.V.

Am Freitag, 17. Oktober sind in der Reihe „EXit_OPEN“ alle Musiker eingeladen, die abseits von ausgetretenen Pfaden gemeinsam musizieren wollen. Erlaubt ist alles, Kommunikation in der Sprache der Musik, der Klänge und Geräusche ist Thema des Abends. Dafür dürfen die Akteure tief in ihre musikalischen Werkzeugkisten greifen.

Vom 18. bis 26. Oktober ist der Club Voltaire allabendlich Bühne für ein Konzertim Rahmen der Jazz&Klassiktage.

Ebenfalls seinen Platz im Club Voltaire fand die Lesebühne Kopfgeburt, die das nächste Mal am Mittwoch, 29. Oktober um 20 Uhr auftritt. Jessica Sabasch, Gabriele Busse, Kathi Mock, Jakob Nacken, Nikita Gorbunov, Harry Kienzler – das sind die sechs Helden der Poesie, die jeden Monat ihre neuesten Werke auf die Bühne bringen. Seit drei Jahren in Tübingen und nun seit April im Club Voltaire.

Am Samstag, 1. November wird im Club getanzt zu Soul, Funk, Jazz, electronic mit DJ Loff.i

In den letzten Jahren ist im Club Voltaire eine der feinsten Lesereihen Insitution geworden, die Rede ist vom „Literatur im Club – Dialoge der Kulturen“, die beständig Autoren aus anderen Ländern vorstellt und auch persönlich nach Tübingen holt. Am 13. November um 20 Uhr wird unter dem Titel „Spiegel der Abwesenheit“ der in Syrien geborene Wahid Nader eigene Lyrik und und die Gedichte seines Dichter-Freundes Faraj Bayrakdar (links)vorstellen.

Stück für Stück wurde weiter renoviert in der Haaggasse
Siebziger Jahre, achtziger Jahre... Toll, was man auf dem Dachboden des Club Voltaire so alles findet.Bild: Ertle

Stück für Stück wurde weiter renoviert in der Haaggasse
Ralf Wenzel

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02.10.2014, 12:00 Uhr

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