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Leitartikel · Facebook-Skandal

Stunde der Aufseher

Noch sind nicht alle Zusammenhänge im Facebook-Datenskandal geklärt. Doch eines ist klar: Der Versuch des Facebook-Managements, sich und das Unternehmen als Opfer von Betrügern darzustellen, ist lachhaft.

22.03.2018

Von ULRIKE SOSALLA

Das Abgreifen von 50 Millionen Nutzerprofilen aus dem Bestand des Konzerns war nicht nur legal – es war Teil des Geschäftsmodells. Halb- oder illegal war möglicherweise die Weitergabe dieser Daten an das Unternehmen Cambridge Analytics und die Verwendung für Wahlkampfzwecke. Doch was Facebook angeht, ist diese Frage zweitrangig. Wichtig ist etwas anderes: Darf Facebook so weitermachen wie bisher oder muss es strenger reguliert werden?

Das Verräterische an dem Skandal ist die zögerliche Reaktion des Facebook-Managements. Offenbar hatte niemand im engeren Kreis um Konzernchef Mark Zuckerberg es für möglich gehalten, dass die Vorwürfe dem Unternehmen diesmal tatsächlich gefährlich werden könnten. Zu oft schon hatten Datenschutz-Vorwürfe und Debatten um einen mangelhaften Schutz der Privatsphäre Fahrt aufgenommen und waren immer wieder folgenlos versandet.

Doch die Lage ist im März 2018 anders: Die öffentliche Stimmung ist aufgeheizt, seit sich immer klarer zeigt, dass soziale Netzwerke und die Filterblasen, die sie erzeugen, Menschen anfälliger für Falschmeldungen und Manipulationen machen.

Dazu kommt: Facebook wusste nicht nur, dass Entwickler von Spielen und anderen Apps die Daten von Nutzern im großen Stil verwenden können – es ermunterte sie geradezu. Denn Facebook lebt von Werbung, und die verkauft sich umso besser, je länger sich die Nutzer im Facebook-Universum – zu dem auch Whatsapp und Instagram gehören – aufhalten. Spiele, Umfragen, Quizze und andere Apps von Dritt-Anbietern waren von 2011 bis 2015 das Mittel der Wahl, um Menschen am Verlassen der Seite zu hindern. Als Belohnung erhielten die Entwickler den Zugriff auf Daten – nicht nur jener des Spielers, sondern auch von dessen Freunden, sofern diese nicht einen schwer auffindbaren Schaltknopf in den Tiefen des Einstellungs-Menüs deaktiviert hatten.

2015 änderte Facebook diese Praxis – nicht jedoch aus Einsicht, sondern nach jahrelangem Druck der US-Aufsichtsbehörde FTC. Seitdem ist die Hürde, um an Daten von Nutzern und deren Freunden zu kommen höher. Wie hoch, ist für Außenstehende schwer nachvollziehbar – und womöglich weiß es Facebook nicht einmal selbst so ganz genau.

Zum Wesen des Kapitalismus gehört es, dass neue Technologien sich in unerwartete, teils schädliche Richtungen entwickeln. Dann müssen sie vom Staat eingehegt werden. An diesem Punkt sind die sozialen Netzwerke spätestens jetzt angekommen. Bisher waren Politik und Behörden ausgesprochen zurückhaltend. Das muss sich ändern. Die Konzerne müssen gezwungen werden, ihre Kunden vor Weitergabe von Daten ausdrücklich um Zustimmung zu bitten – und transparent zu machen, wohin die Daten gehen.

leitartikel@swp.de

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Erstellt:
22. März 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. März 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. März 2018, 06:00 Uhr

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