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Neuseeland

Stundenlang heftige Erschütterungen

Ein Erdbeben der Stärke 7,5 erschreckt die Bewohner beider Inseln, gefolgt von Dutzenden Nachbeben der Stärke 4 oder mehr. Die Behörden warnen vor einem fünf Meter hohen Tsunami.

14.11.2016
  • SISSI STEIN-ABEL

Christchurch. Ein massives Erdbeben der Stärke 7,5 hat Neuseeland gestern um Mitternacht erschüttert. Sein Epizentrum lang im Norden der Südinsel. Tsunamiwellen rollten auf Neuseeland zu. Für alle Küsten wurden eine Tsunamiwarnung und der Evakuierungsbefehl ausgegeben, weil die Wellen „3 bis 5 Meter hoch werden können“, verbreitete das Verteidigungsministerium. Aus mehreren Orten wurden Schäden gemeldet.

Dem Initialbeben war eine wahre Erdbeben-Welle gefolgt: 35 Beben der Stärken 4,0 bis 6,2 in dreieinhalb Stunden. Alle fünf bis zehn Minuten schepperte, rumpelte, ratterte und wackelte es an allen Ecken und Enden. Erdrutsche blockierten Straßen, der Strom fiel aus, Telefonleitungen und Sendemasten stellten den Dienst ein, Wasserleitungen barsten und setzten Straßen unter Wasser.

Schier endlos hat das erste Beben der Stärke 7,5 gedauert, das in einer Tiefe von etwa 16 Kilometern passierte. Die Erschütterungen dauerten länger als eine Minute und schreckten die ganze Nation auf. Sie lösten Erd- und Felsrutsche entlang der Hauptverkehrsstrecke von Ost nach West aus. Der State Highway 7 (Lewis Pass Road) wurde gesperrt.

Was folgte, waren mächtige Wackler der Stärke 6,2, 5,6, 5,5 und 5,8. Die Epizentren lagen bei Kaikoura an der Ostküste der Südinsel, 170 km nördlich von Christchurch und 80 km westlich von Hanmer Springs, zwischen 2 und 15 Kilometern tief. In diesem Touristenmekka, das für seine Walbeobachtungstouren, Schwimmen mit Delfinen und seine Langusten berühmt ist, endet die Hope-Verwerfung.

In Kaikoura sind nach Angaben des „Guardian“ Gebäude zusammengebrochen. Die Polizei sprach davon, dass es mindestens zwei Tote gegeben habe Auch aus der Region North Canterbury rund 50 Kilometer nördlich von Christchurch wurden zahlreiche beschädigte Gebäude gemeldet.

Nördlich von Kaikoura, in Seddon (Weinregion Marlborough), das bei einem Beben der Stärke 6,5 im Juli 2013 schwere Schäden erlitten hatte, wurde innerhalb von zwei Stunden ein dutzend Erschütterungen bis Stärke 5,6 gemessen. Nach ersten Experten-Informationen soll jedoch nicht diese Schwächezone die großen Beben ausgelöst haben, sondern eine Bruchstelle, die quer zur Hope-Verwerfung verläuft und weiter nach Norden in Richtung der Cook Strait, die Nord- und Südinsel trennt, gebrochen sein könnte. Das könnte beunruhigende Auswirkungen auf die Gegend haben, denn dort drückt die Pazifische Platte von unten gegen die Australische Platte.

Auch die Hauptstadt Wellington, am Südzipfel der Nordinsel gelegen, wurde nicht verschont. Auf Twitter und Facebook berichteten Bewohner von Gebäudeschäden, posteten Fotos von Rissen in Straßen, zerborstenen Scheiben und einer eingestürzten Brücke für Lastwagen am Hafen.

Unzählige Menschen liefen auf die Straßen, viele in Nachtkleidung. Manche hatten Decken mitgebracht, weil sie sich nicht in ihre Häuser zurück trauten. Denn dort waren Kamine eingestürzt, Möbel umgefallen, die Inhalte von Regalen und Schränken ergossen sich auf den Boden, ganze Hausfassaden waren auf die Straße gekippt. Vielerorts fiel der Strom aus, selbst in New Plymouth im äußersten Westen der Nordinsel.

Sirenengeheul und Autokorsos

Wo der Strom noch floss, waren Alarmanlagen an, ihr Klang mischte sich an der Küste mit dem Geheul der Sirenen, die vor Tsunamis warnten. In langen Korsos fuhren Autos in höher gelegene Gegenden.

In Christchurch, das im September 2010 (Stärke 7,1) und im Februar, Juni und Dezember 2011 (bis zu 6,3) von vier schweren Erdbeben heimgesucht worden war, wurden vorsichtshalber der Flughafen und Hotels evakuiert. Der Küstenbeauftragte der Stadt, David East, sagte, die Warnung vor einem Tsunami sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Er glaube nicht, dass es bedrohlich werde. Aber „bleibt von den Stränden weg und aus dem Wasser!“

Das Initialbeben hatte die Christchurcher aus dem Schlaf geschreckt, es war trotz der großen Entfernung als schweres und nicht enden wollendes Gerüttel wahrnehmbar, wie eine Fahrt auf einer Rüttelstrecke, mit scheppernden Scheiben, Schranktüren und Fenstern. Doch kamen die Bewohner Christchurchs offenbar mit dem Schrecken davon. Die Stadt ist im Wiederaufbau, das Zentrum gleicht an manchen Stellen noch immer einem Niemandsland.

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14.11.2016, 06:00 Uhr

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