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Windsbraut "Lothar“ legte den Landkreis-Westen lahm

Sturmböen mit über 200 Sachen

Rottenburg. Kleinholz und Ziegelbruch allenthalben, in den Dörfern Stromausfall bis abends, Stillstand auf der Neckartalbahn zwischen Horb und Rottenburg — und die Feuerwehren pausenlos im Einsatz: Noch nicht bezifferbare Schäden richtete Orkantief "Lothar“ gestern Mittag im Westten des Landkreises an. Auf der L 385 zwischen Dettingen und Ofterdingen waren zwischen umstürzenden Bäumen sogar mehrere Autos eingeschlossen, Menschen kamen dabei nach Feuerwehrangaben aber nicht zu Schaden.

26.04.2011
  • Willibald Ruscheinski

Vom ersten Alarm bis zum Einbruch der Dunkelheit hatten die Rottenburger Wehrleute allein in der Innenstadt an die 70 Einsätze zu bewältigen. Wie anderswo knickte der Sturm auch hier unzählige Bäume ab, umhergewirbelte Gegenstände zerdepperten in der Innenstadt Schaufensterscheiben. Und nachmittags war die Kernstadt-Wehr mit der Drehleiter unterwegs, um Dächer notdürftig zu reparieren.

Vor allem in den Dörfern auf den Gäu-Hochflächen spielte der Orkan den Dächern übel mit. Ein trauriges Bild bot der ensemblegeschützte Wolfenhäuser Ortskern, wo am Nachmittag fast jedes zweite Haus teilweise abgedeckt war. Auch Hirrlingen, Dettingen, Seebronn und Ergenzingen erlitten mehr als bloß einzelne Schäden, und vom Wind nahezu enthauptet wurde der nagelneue Lidl-Markt im Gewerbepark Ergenzingen-Ost.

Gleich an mehreren Stellen blockierten umgestürzte Bäume gestern Mittag die Neckartalbahn zwischen Horb und Rottenburg. Nachdem der letzte noch verkehrende Zug sich Schäden am Fahrwerk zugezogen hatte, ging hier ab 13 Uhr nichts mehr.

Am oberen Neckar war um die Mittagszeit zeitweise fast jedes Straßenstück gesperrt, das durch Hangwälder führte. Während umgekippte Bäume in Wachendorf das Buswartehäuschen vorm Schloss zu Kleinholz machten, musste die örtliche Feuerwehr die Landesstraße ins Starzeltal räumen. Messungen im Flecken ergaben Windgeschwindigkeiten von bis zu 205 Stundenkilometern.

Die Wehr-Kollegen in Sulzau, wo die Kirchturmuhr des Stromausfalls wegen Punkt 12.05 Uhr stehen geblieben war, mussten derweil die Landesstraße 370 unterhalb der Weitenburg von einigen sie versperrenden Tannen frei schneiden. An eine Räumung auch des schmalen Gemeindeverbindungssträßchens nach Bierlingen hinauf, das dschungelgleich mit Stämmen übersät lag, war noch nicht zu denken.

Gleich an mehreren Hangaufstiegen auf einmal hatte die Börstinger Feuerwehr zu tun — und dabei auch noch Pech: An der Straße nach Bierlingen kippte ein Baum auf ihr Tanklöschfahrzeug und beschädigte es erheblich. Vollends ein Feuerwehr-Großaufgebot war im Dettinger Täle im Einsatz. Dort warf der Sturm den Wald an mehreren Stellen auf die Fahrbahn, so dass drei Autos in der Falle saßen. Windwurf um Windwurf arbeiteten sich Räumungstrupps von Dettingen und von Ofterdingen her zu ihnen vor.

Ebenfalls ins Dettinger Täle geeilt, erlebte Forstrevierleiter Gerhard Neth dort eine böse Überraschung: Nicht nur unter den flachwurzelnden und deshalb auf dem tauwetterdurchnässten Boden besonders sturzgefährdeten Fichten hatte der Orkan arg gehaust. Auch in die alten Eichenbestände des Rammert riss er große Sturmlöcher. Fast durchweg nicht mehr passierbare Waldwege machten selbst eine erste Bestandsaufnahme unmöglich.

Während in Rottenburgs Kernstadt um die Mittagszeit nur einzelne Straßenzüge vorübergehend ohne Strom waren, hängte "Lothar“ die Dörfer komplett von der Elektrizitätsversorgung ab. In Remmingsheim etwa gingen zehn vor Zwölf die Herdplatten aus und erst gegen 18.30 Uhr die Lichter wieder an. Weil die Störungstrupps der EnBWüberlastet waren, musste auch hier die Feuerwehr Erste Hilfe leisten und Aussiedlerhöfe vorsorglich mit Notstromaggregaten ausrüsten.

Sturmböen mit über 200 Sachen
Obwohl das Tal eigentlich geschützt sei, habe Orkan Lothar dort heftig gewütet. „Das Erstaunliche daran ist", berichtete der Forstmann, „dass die Stämme entgegen der Windrichtung liegen." ein Phänomen, das auf einen Sog zurückzuführen ist.

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26.04.2011, 12:00 Uhr

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