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Stuttgart bereitet Wildtierverbot vor
Noch tollen beim Weihnachtscircus Zebras durch die Manege. Foto: dpa
Zirkus

Stuttgart bereitet Wildtierverbot vor

Wirtschaftsauschuss beschließt: Ab 2019 keine Vorstellungen mehr mit Seelöwen, Zebras oder Löwen.

17.12.2016
  • DOMINIQUE LEIBBRAND

Stuttgart. In Stuttgart sollen keine Zirkusse mehr auftreten dürfen, die Nummern mit wilden Tieren im Programm haben. Das hat der Ausschuss für Wirtschaft und Wohnen am Freitag mit den Stimmen von Grünen, SPD und SÖS-Linke-Plus mehrheitlich beschlossen. Der Gemeinderat muss dem Wildtierverbot noch zustimmen. Es wird mit einer knappen Entscheidung gerechnet.

Vom Verbot betroffen sind unter anderem antilopenartige Tiere, Bären, Elefanten, Flusspferde, Delfine, Großkatzen sowie Robben und Zebras. Die Regelung soll ab April 2019 gelten, so dass die Zirkusse Zeit haben, sich darauf einzustellen. Betroffen ist unter anderem der Weltweihnachtscircus, der jedes Jahr in Stuttgart gastiert und Wildtiernummern, aktuell mit Seelöwen, im Programm hat.

Die Entscheidung bedeutet eine Verschärfung des 2010 vom Gemeinderat beschlossenen Stuttgarter Modells, nach dem Vorstellungen mit Wildtieren nur noch auf dem Cannstatter Wasen zugelassen sind. Die Stadtverwaltung hätte an diesem Modell am liebsten festgehalten, wie OB Fritz Kuhn (Grüne) im Vorfeld der Debatte hatte durchblicken lassen. In der Sitzung betonte sein Erster Bürgermeister Michael Föll (CDU), das Modell sei bundesweit vorbildlich. Die Haltungsbedingungen auf dem Wasen seien großzügig, Veterinäre hätten die Zustände nie beanstandet.

Die Rechtslage sei zudem nicht ganz einfach, so Föll. Bislang gebe es kein Bundesgesetz, dass ein Wildtierverbot vorsehe. Und es sei unklar, wie die Freiheit der Berufsausübung und die kommunale Selbstverwaltung juristisch im Verhältnis zu bewerten seien. Es könne sein, dass das Verbot vor dem Verwaltungsgericht nicht bestehen werde, sollte ein Zirkus-Betreiber klagen. Die Übergangsfrist könne das Rechtsrisiko möglicherweise mindern.

Christoph Ozasek (SÖS-Linke-Plus) verwies darauf, dass bereits mehr als 70 Kommunen bundesweit ein solches Wildtierverbot eingeführt haben – in Ulm fiel beispielsweise am Freitag die endgültige Entscheidung dafür. Gerichtsurteile in Bayern und Hessen hätten kommunale Verbote obendrein bestätigt, so Ozasek.

Das ständige Herumreisen entspreche nicht der Natur der Tiere, die Haltung und Zurschaustellung derselben bedeute für diese Leid und verstoße gegen deren Würde, argumentierten die Befürworter des Verbots. Auch der Sicherheitsaspekt sei wichtig, immerhin sei 2015 in Buchen ein Elefant aus einem Zirkus ausgebrochen und habe einen Passanten erdrückt.

Argumente, die CDU, Freie Wähler und AfD nicht überzeugten. Sie lehnten das Verbot ab. Es sei schädigend für den Tourismus und das Image der Stadt (CDU), so lange es keine Bundesgesetzgebung gebe, mache das Verbot keinen Sinn (AfD), Tierhaltung sei sowieso grundsätzlich oft nicht artgerecht (FW).

Aktivisten der linken Jugend, die mit Tiermasken in die Sitzung gekommen waren, begrüßten die Entscheidung fürs Verbot lautstark, während die „Stuttgarter Circusfreunde“ am Nachmittag in der Königstraße dagegen protestierten. Dominique Leibbrand

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17.12.2016, 06:00 Uhr

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