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Tübinger Umweltzone: Gut für die ganze Region

Stuttgarter Verkehrsministerium für die baldige Ausweitung

Nach Auffassung des Stuttgarter Verkehrsministeriums haben die umliegenden Kreisgemeinden nicht unter der geplanten Ausweitung der Tübinger Umweltzone zu leiden. Vielmehr werde die Anordnung des Regierungspräsidiums „in der ganzen Region zu einer Verbesserung der Luftqualität“ führen.

16.07.2014
  • Sepp Wais

Tübingen. Mit dieser Auskunft suchte die Staatssekretärin Gisela Splett den Unmut in den Tübinger Nachbargemeinden zu dämpfen. Wie die Pressestelle des Verkehrsministeriums jetzt bekanntgab, wandte sich Splett bereits am 3. Juli mit einem dreiseitigen Schreiben an die Bürgermeister von Rottenburg, Ammerbuch, Dußlingen, Gomaringen, Kirchentellinsfurt, Kusterdingen, Nehren und Ofterdingen.

Wie mehrfach berichtet, macht man sich in diesen Gemeinden erhebliche Sorgen, dass ihnen die Ausweitung der Tübinger Umweltzone zusätzlichen Verkehr, mithin noch mehr Lärm und Abgase beschert. „Es kann nicht sein, meinte Dußlingens Bürgermeister Thomas Hölsch dazu, „dass man den einen auf Kosten anderer entlastet“. Rottenburgs Erster Bürgermeister Volker Derbogen sieht bereits „die Grundfesten der Mobilität bedroht“ – und fordert: „Wenigstens die Durchgangsstraßen müssen offen bleiben!“

Die Befürchtungen sind „nicht wirklich begründet“

Die Stuttgarter Staatssekretärin zeigte in ihrem Brief nun „großes Verständnis für die Sorgen und Befürchtungen der Bürgerinnen und Bürger Ihrer Gemeinde“, geht dann aber rasch dazu über, den angesprochenen Rathaus-Chefs klarzumachen, „dass die in Ihrer Gemeinde vorhandenen Befürchtungen nicht wirklich begründet sind“.

Laut Splett handelt es sich bei den Autofahrten in Tübingen zu etwa 70 Prozent, also überwiegend, um innerörtlichen Verkehr – mithin um Verkehr, der entweder seinen Ausgangspunkt oder sein Ziel oder beides in Tübingen hat. Die daran beteiligten Autos und Laster bräuchten schon bisher die grüne Plakette – für sie würde sich deshalb durch die Ausdehnung der Umweltzone gar nichts ändern.

Der Durchgangsverkehr, den die umliegenden Gemeinden nun verstärkt auf sich zurollen sehen, macht Splett zufolge etwa 30 Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens in Tübingen aus. Davon sei allerdings nur noch ein geringer Teil vom Fahrverbot in der ausgeweiteten Umweltzone betroffen, da inzwischen etwa 87 Prozent aller Pkw mit grüner Plakette unterwegs seien.

Die restlichen 13 Prozent der Autofahrer, so versichert die Staatssekretärin, „können und werden nach einer kurzen Eingewöhnungszeit auf Fahrzeuge umsteigen, die eine grüne Plakette haben und damit weniger Luftschadstoffe ausstoßen“. Dass dieser gewollte Effekt auch tatsächlich eintritt, habe man „in allen anderen Umweltzonen“ immer wieder beobachten können. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Fahrer irgendwelcher alter Stinker auf Dauer auf zeitraubende und spritfressende Umwege über Landes- und Kreisstraßen einlassen, ist in ihren Augen „verschwindend gering“.

Durch die geplante Einbeziehung der Gewerbe- und Industriegebiete in die Tübinger Umweltzone, so heißt es in dem Schreiben weiter, werden knapp 18 Prozent aller leichten und 22,5 Prozent aller schweren Nutzfahrzeuge mit einem Fahrverbot belegt. Die Folge für Splett: „Diese Fahrzeuge müssen nachgerüstet oder durch andere ersetzt werden.“ Auch deren Besitzer werden ihrer Ansicht nach wohl kaum auf die Idee kommen, Tübingen künftig weiträumig zu umfahren – aus dem schlichten Grund: „Ihre Ziele liegen in der Umweltzone“ – weswegen „auch hier nicht mit Ausweichverkehr zu rechnen“ sei.

Je mehr Umweltzonen, desto mehr Auspuff-Filter

Das Fazit der grünen Staatssekretärin: „Von keiner der bislang 26 Umweltzonen im Land liegen mir Erkenntnisse über höhere Verkehrsbelastungen durch Ausweichverkehre in den Nachbargemeinden vor.“ In dieser Gewissheit, in der sie zuletzt durch ein entsprechendes Gutachten in Schramberg bestärkt worden sei, ist für Splett der Fall entschieden: „Ich unterstütze ausdrücklich die Vorschläge des Regierungspräsidiums.“ Angesichts der zu erwartenden Schadstoffminderung von 1,5 bis 9,4 Prozent beim Stickstoffdioxid und von 1,0 bis 4,8 Prozent beim Feinstaub sollte die Ausweitung der Tübinger Umweltzone „deshalb im Interesse der Gesundheit der Betroffenen möglichst schnell wirksam werden“.

Umso mehr als die Umweltzone nicht nur der jeweiligen Stadt nütze, sondern weit darüber hinaus in der ganzen Region zu einer Verbesserung der Luftqualität führe. Der Grund: Im Umfeld von Umweltzonen habe sich in den vergangenen Jahren der Anteil der Autos mit Rußpartikelfiltern überdurchschnittlich erhöht. Daher, so verspricht die Staatssekretärin in ihrem Brief an die Bürgermeister, „wird sich die beabsichtigte Veränderung der Fahrzeugflotte im Landkreis Tübingen auch in den Nachbargemeinden positiv auf die Luftqualität auswirken“.

Stuttgarter Verkehrsministerium für die baldige Ausweitung
Für Staatssekretärin Gisela Splett gibt es keinen Grund zur Sorge, dass die Einbeziehung der Durchgangsstraßen in die Tübinger Umweltzone viele „alte Stinker“auf Ausweichrouten durch die umliegenden Dörfer abdrängt.Archivbild: Metz

Bislang ist die Tübinger Umweltzone auf die Innenstadt und die Wohngebiete beschränkt. Um die Luftbelastung weiter zu reduzieren, will das Regierungspräsidium die Umweltzone, die für alle Fahrzeuge ohne grüne Plakette tabu ist, nun auf das gesamte Siedlungsgebiet der Unistadt ausdehnen. Also auch auf die Gewerbe- und Industriegebiete sowie die bisher ausgesparten Teilorte. Und insbesondere möchten die RP-Planer die bislang kategorisch ausgeklammerten Autopisten mit dem meisten Verkehr in die Umweltzone miteinbeziehen. Mit der Folge: Selbst auf der B 27 und B 28 dürften Autos ohne grüne Plakette nicht mehr durch Tübingen fahren. Im April hat der Tübinger Rat nach kon troverser Debatte der Ausweitung der Umweltzone zugestimmt. Dagegen haben sich die Gemeinderäte in den Nachbarorten, wo man zusätzliche Belastungen durch Ausweichverkehr fürchtet, strikt gegen das Vorhaben des Regierungspräsidiums ausgesprochen.

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16.07.2014, 12:00 Uhr

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