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Suche nach dem Gleichklang
Demonstrieren Einigkeit, vor allem in der Flüchtlingspolitik: Kanzlerin Merkel und Staatschef Hollande. Foto: dpa
Merkel und Hollande wollen bei Flüchtlingsintegration dazulernen

Suche nach dem Gleichklang

Nach Irritationen in der Flüchtlingspolitik zeigen Deutschland und Frankreich demonstrativ Einigkeit. "Wir können nur gemeinsam besser werden", sagt Kanzlerin Merkel. Das gilt auch für die Integrationspolitik.

08.04.2016
  • SEBASTIAN KUNIGKEIT, DPA

Metz. Die Reibereien vergangener Monate wischt Angela Merkel charmant zur Seite. Harte Worte, Unterschiede und Kritik stachelten sie eher an, als sie verzagen zu lassen, sagt die Kanzlerin lächelnd, als ein Journalist sie auf die beißende Kritik des französischen Premierministers Manuel Valls an der deutschen Flüchtlingspolitik anspricht. Die ist gerade zwei Monate her und hatte ein großes Fragezeichen hinter die Gemeinsamkeit des deutsch-französischen Tandems gesetzt.

Das Ziel beim Treffen der beiden Regierungen in Metz ist deshalb offensichtlich: Warme Worte und große Symbolik sollen am Donnerstag klar machen, dass der deutsch-französische Motor rund läuft, nicht nur beim alltäglichen Krisenmanagement in der Ukraine oder bei der Solidarität nach den Pariser Terroranschlägen. "Nicht nur ein Ritual" seien diese Zusammenkünfte, sagt Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Es gehe darum, "möglichst viel Gleichklang" zu erzeugen.

Wie zur Illustration der engen Bande treffen Merkel und Präsident François Hollande am Vormittag 80 Jugendliche aus beiden Ländern, hören sich eine halbe Stunde deren Wünsche, Sorgen und Fragen an. Viele Jugendliche kommen aus sozial benachteiligten Verhältnissen, einige haben selbst eine Migrationsgeschichte und schildern Schwierigkeiten für Flüchtlinge beim Zugang zu Arbeit und Ausbildung.

Eine Art Übung in Bodenhaftung, an der auch zahlreiche weitere Minister teilnehmen. Thema ist die Integration, bei der Deutschland und Frankreich künftig enger zusammenarbeiten wollen. Die Vorschläge des Pariser Außenministers Jean-Marc Ayrault und der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer sind zwar vor allem Absichtserklärungen, sich besser auszutauschen - aber sie sind eben auch vor allem ein Symbol: "Wir können nur gemeinsam besser werden", betont Merkel.

Auch bei der Flüchtlingspolitik versichern beide Seiten, dass sie bei Sicherung der EU-Außengrenzen und dem Flüchtlingsabkommen mit der Türkei an einem Strang ziehen. Dort, wo es künftig noch knirschen könnte, wird auf Zeit gespielt. So lassen die beiden sich nicht auf die Debatte ein, ob der Vertrag mit der Türkei es nicht nötig macht, mehr als die im Rahmen der EU-Vereinbarung zugesagten 160 000 Flüchtlinge umzuverteilen. "Da vergeht noch eine Menge Zeit, selbst wenn die Geschwindigkeit sich verdreifacht", sagte Merkel. Frankreich rückt von festen Verteilquoten in der EU bisher nicht ab.

Ein Hauptgrund für die französischen Sorgen ist jetzt weniger akut. "Ich glaube, mit Blick auf die zurückgehenden Flüchtlingszahlen werden wieder Lösungen möglich, die schwierig waren", meint Steinmeier. Die Kooperation zwischen Deutschland und Frankreich sei "Arbeit in stürmischer Zeit", sagt Merkel. Doch sie erinnert auch daran, dass sich vor 100 Jahren Deutsche und Franzosen vor Verdun noch abschlachteten.

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08.04.2016, 06:00 Uhr

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