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Südwestrundfunk bei Gärtnermeister Dieter Felger
Mössinger Sommer 2012 mit Schmuckkörbchen an der Butzenbadstraße.
Es blüht noch was am Straßenrand

Südwestrundfunk bei Gärtnermeister Dieter Felger

Frau Schrecklein war da und schrecklich interessiert, was es mit der Blumenstadt auf sich hat. Stadtgärtnermeister Dieter Felger zeigte gestern vor laufender Kamera seine Samen-Schätze und blühende Straßenränder in Bästenhardt.

08.08.2012
  • Ernst Bauer

Mössingen. Felger lässt im städtischen Bauhof den Rollladen hoch. Auf einem Tisch hat er neben den Säcken mit Saatgut schon ein bunte Palette von Samenproben ausgebreitet – die ganze „Blumenvielfalt des Bauerngartens“, wie er der populären Südwestrundfunk-Reporterin erklärt. Sonja Faber-Schrecklein, 46, Esslinger SWR-Urgewächs („Ich bin das Landesschau-Mobil-Fossil“) ist mit ihrem Team – Kameramann Frieder Meißner und Tontechniker Stephan Breitling – die ganze Woche über in Mössingen auf Achse. Noch nicht auf Sendung, denn die wird erst kommende Woche ausgestrahlt – täglich ab Montag, 18.45 Uhr, in einzelnen „Episoden“ aus der Blumenstadt. Neben dem Streuobst-Panoramaweg will Schrecklein hier unter anderem auch noch den Bergrutsch erkunden und vom Farrenberg abheben.

Von des Stadtgärtnermeisters Kreativität scheint sie durchaus beeindruckt, auch wenn sie ganz freimütig bekennt: „I ben ja völlig unbeleckt – I fend‘s halt schee!“ Helmut Grieger, langjähriger Neuköllner Gartenbaurat i. R., der an der Steinlach Wurzeln geschlagen hat – seine Tochter hatte nach Nehren geheiratet – und laut Felger inzwischen einer der besten Kenner der Pflanzenwelt der Schwäbischen Alb ist, zeigt den Landesschau-Leuten seine Aufzeichnungen. „Aba das hab‘n se gern gemacht, wa?“, berlinert Schrecklein los. „Aber sicher!“, lacht Grieger. Später – bei der kleinen Exkursion zu den blühenden Straßenrändern in Bästenhardt – erzählt er, dass er zuhause inzwischen einen dicken Botanik-Band beisammen hat – mit eigenhändig gefertigten Zeichnungen „von allen 575 Pflanzen, die ich bisher auf der Alb gefunden habe, einschließlich der Orchideen“.

„Man kann eine Pflanze am besten erkennen, wenn sie gezeichnet ist“, sagt Grieger. Heutzutage gebe es ja in den Fachbüchern nur noch Fotografien. Auch von den botanischen Bezeichnungen der Gewächse ist er immer wieder fasziniert – „man muss sich die Namen auf der Zunge zergehen lassen!“ Kohlkratzdistel zum Beispiel oder „der gute Heinrich“ – Schrecklein hat es „der stinkende Robert“ angetan.

Felger zeigt derweil die von Sonnenblumen und Schmuckkörbchen dominierten Butzenbad-Straßenränder und sinniert selbstkritisch: „Ja, so wie hier würde man es sich in der ganzen Stadt wünschen.“ Die Natur, erklärt Grieger, lasse sich halt nicht jedes Jahr wieder gleich zum Blühen bringen, das hänge auch stark von der Witterung ab. Im Frühjahr, sagt Felger, habe man eine sehr schöne Blüte gehabt, mit Rittersporn und Klatschmohn. Man habe nun aber erst die Sommerreife abwarten müssen und deshalb erst Mitte Juli abgemäht – „wenn man das Saatgut nutzen will, muss man warten, bis es ausgereift ist!“

Der im „Mössinger Sommer 2012“ erstmals eingetütete Rittersporn habe jedoch sehr positive Resonanz gefunden – „manche dachten, es sei Lavendel“. Die großen Ackerflächen in Bad Sebastiansweiler und an der Steinlachhalle hat man bewusst „sehr spät“ eingesät, wegen des Problems mit den sogenannten Ruderalpflanzen – „es wächst vieles mit, was wir nicht wollen“. Andererseits will die Stadtgärtnerei auch naturnah arbeiten, weitgehend auf chemische Unkrautvernichtungsmittel verzichten. Aber es wird schon noch, verspricht Felger – im September, Oktober wolle man Ringelblumen ernten, eine sehr hochwertige Sorte, orange mit dunkler Mitte. Des Stadtgärtnermeisters Augen strahlen: „Es wird noch schön, es braucht halt Zeit!“

Südwestrundfunk bei Gärtnermeister Dieter Felger
In Berlin wurde er „Pflanzendoktor“ genannt, in Mössingen ist er inzwischen einer der besten Kenner der heimischen Blumenwiesen und Albflora – 575 Pflanzen hat er hier im Ruhestand erkundet und dokumentiert: Helmut Grieger.

Südwestrundfunk bei Gärtnermeister Dieter Felger
Stadtgärtner Dieter Felger (links) zeigt Sonja Faber-Schrecklein seine Samen-Schätze.Bilder: Bauer

Ursprünglich war es auch als Sparprogramm konzipiert – um städtische Grünflächen weniger mähen zu müssen –, andererseits will man damit die Blütenpracht der Streuobstwiesen in die Stadt holen: Seit 1992 sät die Stadt Mössingen auf ihren öffentlichen Grünflächen und an Straßenrändern jährlich mit großem Erfolg Sommerblumen an und schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe.
Bereits 2001 gewann Mössingen mit diesem besonderen Konzept – zu dem auch eine eigens entwickelte Samenmischung „Mössinger Sommer“ gehört – eine Goldmedaille beim Bundeswettbewerb der Entente Florale.
Jahr für Jahr variiert der Mössinger Stadtgärtnermeister Dieter Felger die von ihm kreierten `Samenmischungen, probiert es mal mit Sommerblumen und Kräutern der traditionellen Bauerngärten, mal mit eher mediterranen Arten oder auch traditionellen Kulturpflanzen.
Roter Mohn, Blauer Lein, Kornblume, Schmuckkörbchen und Nachtviole haben in den letzten Jahren den „Mössinger Sommer“ geprägt und auf riesigen Blumenwiesen auch den Stadtrand aufblühen lassen – etwa in Bad Sebastiansweiler oder bei der Steinlachhalle.
Dieses Jahr kamen noch Rittersporn und Färberwaid dazu – etwa auf der Stadtwerkewiese am Rathaus –, jene sind allerdings rasch verblüht. Weil man die Sommerreife abgewartet und erst Mitte Juli abgemäht hat, gab es heuer einen eher „farbarmen Sommer“.

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08.08.2012, 12:00 Uhr

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