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Süß, aber ohne Mozart
Die beliebteste Musical-Verfilmung: 50 Jahre "The Sound of Music"

Süß, aber ohne Mozart

Es muss in Salzburg nicht immer Mozart sein: Touristen aus Übersee und Fernost besuchen vor allem die Schauplätze von "The Sound of Music". Der Musical-Film kam vor 50 Jahren in die Kinos.

28.11.2015
  • JÜRGEN KANOLD

Salzburg. Mozarts Geburtshaus in der Getreidegasse und das Wohnhaus am Makartplatz - klar. Die historische Salzburger Altstadt, die zum Unesco-Welterbe gehört, der Dom mit der "Jedermann"-Kulisse - natürlich. Im nahen Berchtesgaden locken der Nazi-Grusel auf dem Obersalzberg und von "Eagle s Nest", auch die Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf ist nicht weit. Aber vor Schloss Mirabell warten die Touristen ganzjährig auf den Ausflugsbus von Panorama Tours, um die Originalschauplätze von "The Sound of Music" abzufahren.

Und dabei geht s wirklich nicht um Mozarts "Kleine Nachtmusik", und auch Jahrhundertdirigent Herbert von Karajan, noch ein Salzburger Sohn, hat damit nichts zu tun. Der führte in der Felsenreitschule einst große Oper auf, und bis heute dient die Bühne vor den aus dem Mönchsberg herausgehauenen Arkaden als Schauplatz der weltberühmten Festspiele. Amerikaner, Japaner, Australier oder Brasilianer aber haben an diesem Ort Christopher Plummer vor Augen, der das "Edelweiß"-Lied zu Gitarrenklängen singt.

Aber, bitte, was soll das nun sein, "The Sound of Music"? Ein Broadway-Musical von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein und ein Hollywood-Film mit Julie Andrews, für den Salzburger Hotels extra einen TV-Kanal auf den Gästezimmern reservieren.

Vor 50 Jahren kam "The Sound of Music" in die Kinos - und nur die Deutschen und die Österreicher, wo die herzensgute Story heimatfilmmäßig mit "Unsere Lieder, unsere Träume" übersetzt wurde, haben das offenbar bis heute nicht wahrgenommen. Hierzulande kennt man "Die Trapp-Familie" mit Ruth Leuwerik und Hans Holt, und gerade ist eine deutsch-österreichische Neuverfilmung dieser wahren Geschichte der Maria Augusta von Trapp in die Kinos gekommen, mit Yvonne Catterfield in der Hauptrolle.

Aber der Rest der Welt liebt "The Sound of Music", die erfolgreichste Musical-Verfilmung aller Zeiten; mit fünf Oscars damals dekoriert, auch für die beste Regie: für Robert Wise (der schon mit der "West Side Story" erfolgreich war). 90 Prozent der Touristen aus Übersee und Fernost, und das sind jedes Jahr Hunderttausende, kommen in die Festspielstadt und in das Salzkammergut, um an den Originalschauplätzen ihren Filmtraum nachzuleben. Und die Lieder nachzusingen, darunter "Do-Re-Mi", mit dem die wunderbare Julie Andrews auf der Bergwiese und im Mirabell-Garten ihren kleinen Kinderchor so fröhlich begründet.

Diese Geschichte, sie rührt: Die erfrischend lebenslustige Novizin Maria wird von ihrer Äbtissin aus dem Kloster zum Familieneinsatz geschickt, damit sie sich bewähre: Sie soll sich um die sieben mutterlosen Kinder des Kapitäns von Trapp kümmern. Der wohnt herrschaftlich - Schloss Leopoldskron diente 1964 bei den Dreharbeiten als Fassade - und kommandiert humorlos, verbittert seine Kinder herum, als wären sie eine Truppeneinheit. Maria erscheint gewissermaßen als Kriegsdienstverweigerin. Man kann sich denken, wie die Geschichte ausgeht: Der Kapitän kapituliert vor dem Charme Marias und wird von der Musik, dem Gesang der Kinder, erweicht ("The Sound of Music"!). Maria geht nicht zurück ins Kloster, sondern heiratet dort nur kirchlich den Herrn von Trapp. Das ist angemessen kitschig, aber ein tolles Musical. Man muss allerdings die Originalfassung hören, die deutsch synchronisierten Lieder sind fad.

Und die Politik spielt eine Rolle: Auch wenn das Dekor von "The Sound of Music" eher alte k.u.k.-Herrlichkeit verströmt, die Geschichte spielt 1938, als Hitler sein Österreich "heim ins Reich" holte. Die Trapp-Familie flieht - nach einem letzten "Edelweiß"-Lied. Heimwehgefühle. Aber alles wird weihnachtlich gut. Und weil schon die Anfangssequenz eine Bilderbuch-Alpenwelt zeigt und der Film überhaupt Salzburg feiert, tritt Mozart in die zweite Reihe zurück. Ein süßes Mozart-Praliné aber passt allemal besser zum Film als Popcorn.

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28.11.2015, 08:30 Uhr

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