Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Erdbeeren dieses Jahr kleiner, aber groß bei Menge und Geschmack

Süße Ernte nach kaltem Winter

Es darf im Kreis Tübingen wieder gepflückt werden: Auf einigen Plantagen sammeln und naschen Erdbeer-Liebhaber schon. Alle anderen Felder eröffnen im Laufe der Woche.

04.06.2012
  • Sascha Geldermann

Kreis Tübingen. „Es ist ein kleines Wunder, dass nun so schöne Erdbeeren auf den Feldern wachsen“, sagt Bärbel Haischt vom Ammerbucher Lindenhof. Das Wetter war und ist den Plantagen-Besitzern im Kreis Tübingen nicht gerade gewogen: Der Winter war hart, vor einigen Wochen gab es Bodenfrost und dann fehlte der Regen.

Doch der Menge des Ertrags hat das nicht geschadet: Auf den Feldern leuchtet es mittlerweile rot. Nur etwas kleiner als in den vergangenen Jahren sind vielerorts die Beeren, die genaugenommen eigentlich Sammelnussfrüchte sind. Familie Haischt gibt ihre Felder im Laufe der Woche für Selbstpflücker frei, bis zum Wochenende werden auch die letzten Plantagen der Region öffnen.

Zum Feld von Helmut Werner in der Nähe von Kiebingen strömen die Selbstpflücker schon seit fast drei Wochen. Hier sammelt Ruthield Münz aus Bodelshausen, die ihre Ernte zuhause frisch genießen wird. In einigen Wochen möchte sie noch einmal wiederkommen und dann reichlich Erdbeeren für Marmelade holen. Für das Selbstpflücken nennt sie zwei Gründe: „Es gibt frische Früchte und frische Luft.“

Feldbesitzer Helmut Werner ist zufrieden mit der Nachfrage, sagt aber: „Der Trend geht zur Kleinversorgung – die Zeiten sind vorbei, in denen Familien 20 Kilo in einem Waschkorb gesammelt haben.“ Die Pflücker mit den großen Körben kommen eher nach Ladenschluss und bedienen sich, ohne zu bezahlen (siehe Kasten).

Die Zahl an Pflückern ist seit Jahren stabil

Der Biohof Waldhausen GbR konnte im vergangenen Jahr wegen eines zu geringen Ertrags keine Pflücker aufs Feld lassen. In diesem Jahr ist die überschaubare Fläche von 0,6 Hektar aber wieder freigegeben. „Wir setzen auf eine Mischung aus Verkauf und Selbstpflücken“, sagt Mitbesitzer Eckart Wizemann. Wer selber sammeln möchte, sollte sich aber vorher telefonisch anmelden.

Bereits seit zwei Wochen darf auf den Feldern von Jürgen Weippert in Unterjesingen, in Weilheim und am Schwärzlocher Hof gesammelt werden. 1,34 Euro kostet hier das Pfund, wenn weniger als fünf Kilo gekauft werden. Inge Rampf sammelt hier jedes Jahr. „Dieses direkte Pflücken sollte man auch den Kindern vermitteln“, sagt sie und blickt zu ihrem Enkel Felix, der sich grinsend eine Erdbeere in den Mund schiebt.

Beim Hofladen Kautt in Immenhausen ging das Pflücken am Samstag los. Hier wachsen auf gut zwei Hektar Land fünf verschiedene Sorten. Nach Frost und Trockenheit hofft Besitzer Jörg Kautt nun auf das passende Wetter, das nicht so trocken und nicht zu nass sein dürfte: „Zu wenig Regen schadet den Erdbeeren, zu viel hält die Leute fern.“ Er erwartet aber eine gute Saison. Die Zahl an Pflückern sei seit Jahren stabil.

„Der Geschmack der Erdbeeren ist in diesem Jahr extrem gut – sie sind sehr aromatisch“, sagt Manfred Katz vom Hofladen in Eckenweiler. Auch ihm hatte der Bodenfrost Angst eingejagt, danach seien die Früchte aber sehr gut gewachsen. Über Größe und Menge könne er sich nicht beschweren.

Rolf Weinzierle besitzt in Süddeutschland 27 „Schilling“-Plantagen, zwei davon im Kreis Tübingen: in Frommenhausen und in Dußlingen. Nachdem er die Pflanzen für das kommende Jahr bereits im Frühjahr gepflanzt hat, freut er sich nun auf die diesjährige Saison. Mengenabhängig kostet das Kilo bei ihm 2,20 bis 2,80 Euro. Er könne zwar nicht mit jedem Discounter mithalten, dafür sei die Ware aber frischer und die Leute könnten sich die Erdbeeren selbst aussuchen.

„Der Wille zum Selbstpflücken war bis zum Jahr 2005 lange Zeit rückläufig“, sagt Weinzierle. Doch seitdem habe sich das wieder sehr gut eingependelt. Er sehe sogar einen positiven Trend: „Die Leute ernähren sich allgemein wieder deutlich bewusster als früher – auch viele junge Menschen fangen nun an, ihre Erdbeer-Marmelade selbst zu kochen.“

Süße Ernte nach kaltem Winter
Frische Früchte in frischer Luft: Auf dem Erdbeerfeld bei Kiebingen pflücken (von links) Lisa Paczulla, Meinrad Schneider und Paula Rüßmann.

„Mehr als 50 Prozent landen nie im Verkauf“, sagt Rolf Weinzierle von den Erdbeerplantagen Schilling. Dass die Sammler naschen, sei kein Problem und gehöre beim Selberpflücken auch einfach dazu. Wesentlich mehr Früchte werden zertrampelt. Daher bitten alle Anbieter die Sammler darum, auf den Wegen zu bleiben. Ein guter Teil des Verlusts geht außerdem auf das Konto der Witterung. Der Bodenforst vor einigen Wochen bedeutete viel Arbeit für die Plantagenbesitzer, die ihre Pflanzen aufwendig abdecken mussten. Die Verkäuferin am Feld von Helmut Werner in der Nähe von Kiebingen nennt einen weiteren Grund für Verluste: Immer wieder werde sie angerufen, weil sich nach Ladenschluss auf dem Feld manche Leute einfach bedienen würden. Die Erdbeer-Diebe füllten ganze Körbe und brächten zur Unterstützung manchmal auch ihre kleinen Kinder mit.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

04.06.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball