Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Testgelände für Elektroautos

Sulz könnte ein interessanter Standort für ein Daimler-Prüfzentrum werden

Daimler ist in Süddeutschland auf der Suche nach einem geeigneten Gelände für ein so genanntes Entwicklungs- und Prüfzentrum, also eine Teststrecke mit weiterer Infrastruktur. Auch dem Sulzer Gemeinderat soll dieser Plan am Montag vorgestellt werden.

06.10.2010
  • Hans-Jörg Schweizer

Sulz. Bürgermeister Gerd Hieber ist spürbar sauer, dass die Daimler-Geschichte ruchbar wurde, noch ehe der Sulzer Gemeinderat sich auch nur hätte unverbindlich darüber informieren lassen können. Doch das Wörtchen „Daimler“ pfeifen die Sulzer Spatzen halt schon ein Weilchen von den Dächern, vor allem immer dann, wenn‘s ums „Regionale Gewerbegebiet“ geht, das zwischen Holzhausen und Bergfelden angedacht ist. Und auch, dass Daimler nach einem passenden Plätzchen für ein Entwicklungs- und Prüfzentrum sucht, ist in Baden-Württemberg hinlänglich bekannt.

Eine Daimler-Sprecherin erklärte am Dienstag auf Nachfrage, man brauche ein neues Entwicklungs- und Prüfzentrum für alternative Antriebe wie Elektromotoren, Brennstoffzellen- oder Hybridtechnik. Auch das Thema Fahr-Assistenz wird genannt. Forscher und Entwickler aus Sindelfingen oder Untertürkheim sollen dort dann verschiedene Techniken in der Entwicklungsphase ausprobieren. Dafür ist es wichtig, dass der Standort nicht mehr als eine Autostunde von Stuttgart entfernt liegt.

Zum Betrieb einer solchen Anlage würden etwa 30 Arbeitsplätze geschaffen. Es könnten aber – je nach Dimension – auch mehr werden, so die Daimler-Sprecherin. Bei dem Vorhaben gehe es neben einer Teststrecke auch um Gebäude. Das Projekt sei aber modular erweiterbar, 150 bis 300 Hektar würden dafür benötigt, so die Daimler-Sprecherin. Da würde also noch nicht mal das „Regionale Gewerbegebiet 50 plus X“ reichen – es sei denn das X wird größer als 100 Hektar.

Für dieses Regionale Gewerbegebiet rührt Heinz-Rudi Link derzeit auf der Messe für Gewerbeimmobilien „Expo Real“ in München die Werbetrommel. Wohl wissend, dass man gerade erst damit begonnen hat, Kaufoptionsverträge für die „50 plus X“ Hektar Sulzer Ackerland auszuhandeln. „Ich gehe davon aus, dass die Sicherung der Grundstücke in dem Areal, worüber wir immer reden, etwa zwei Jahre dauern wird“, so Link am Dienstag auf Anfrage. Dennoch, so meint der Wirtschaftsförderer der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, müsse man eventuelle Interessenten natürlich ernst nehmen. „Wenn Daimler kommt, werden wir uns dem nicht verschließen“, sagt Link und berichtet, dass der Konzern auch schon in anderen Gemeinden angeklopft habe. „Die werden ihr Prüfzentrum vorstellen, damit man überhaupt mal drüber reden kann. Das machen die landauf landab.“

„Das ist der erste Schritt“, bestätigt die Daimler-Sprecherin. Gespräche würden mit Kommunen, aber auch mit dem Land und den Regierungspräsidien geführt. Link: „Wenn sich Daimler ernsthaft interessiert, muss man sich in Sulz sowieso fragen, ob man das überhaupt will.“ Und ganz egal, in welche Richtung man nach der Präsentation weiter denken wird, „Sulz hat immer das letzte Wort“, verweist Link auf die Verträge zwischen Regionalverband und Kommune. „Keine Vermarktung bevor die Grundstücke gesichert sind“, verspricht der Wirtschaftsförderer.

„Man ist immer mit vielen im Gespräch“, sagte gestern Bürgermeister Gerd Hieber auf die Daimler-Visite angesprochen. Am Montag gebe es tatsächlich nichtöffentlich eine Info über den aktuellen Sachstand, bestätigt der Bürgermeister. „Aber es geht eben nicht um konkrete Pläne, es geht eher um eine Idee.“

Die aktuelle Standortsuche der Stuttgarter Autobauer sei nichts allein auf Sulz bezogenes, betont Hieber. Es sei beim Thema Regionalen Gewerbegebiet aber schon immer gewünscht und gefordert gewesen, in diese Richtung zu denken. Ausschlaggebend für die Suche nach einer großen potenziellen Gewerbefläche im Land war übrigens auch eine Standortsuche von Daimler. In den 1990er Jahren brauchte der Konzern dringend Platz fürs Smart-Werk, den es aber im Ländle nicht gab. Das Ergebnis ist bekannt: Der Smart wird im französischen Hambach gebaut, nicht in Baden-Württemberg. Um künftig für solche Fälle gerüstet zu sein wurde im Land seither nach geeigneten Flächen der Regionen gefahndet. Die einzig größere, die gefunden wurde, ist die der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg auf Sulzer Gemarkung zwischen Bergfelden und Holzhausen, direkt an der Autobahn, die aber bislang auch lediglich besagte 50 plus X Hektar groß geplant ist.

Virtuell testen bevor‘s auf die Straße geht

Während die Überlegungen für ein neues Entwicklungs- und Prüfzentrum beim Autobauer Daimler noch in den Kinderschuhen stecken, hat am Dienstag der Daimler Forschungs- und Entwicklungsvorstand Thomas Weber angekündigt, mit einem neuen Fahrsimulator in Sindelfingen reale Testfahrten auf öffentlichen Straßen einsparen zu wollen, die sich derzeit noch auf bis zu 20 Millionen Kilometer im Jahr läppern.

In Sindelfingen wolle Daimler in den kommenden zwei Jahren 160 Millionen Euro investieren, 40 Millionen davon für die Fahrsimulation. Auch für eine eventuelle Erweiterung das Sindelfinger Crashtest-Prüfzentrums für einen dreistelligen Millionenbetrag werde ein Gelände in der Nähe gesucht. Eine Entscheidung dazu sei aber noch nicht gefallen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

06.10.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball