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Heißer Sand und nackte Haut beim Beachvolleyball

Sun Days im Schänzle: Viel Marketing und fünfstellige Besucherzahl

500 Tonnen Sand machten aus dem Schänzle am Wochenende in eine Strandlandschaft unter Bäumen, den City Beach. Auf dem Center Court lief ein internationaler Beachvolleyball Wettbewerb. Die Veranstalter sprechen von einer fünfstelligen Besucherzahl. Das Publikum sah Profi-Sport und Profi-Marketing bei den ersten Rottenburger Killerfish Sun Days.

06.08.2012
  • fred keicher

Sun Days im Schänzle: Viel Marketing und fünfstellige Besucherzahl
Beach heißt Strand. Alexander Balkenhorst und Chantal Laboureur zeigten deshalb zwischendurch eine Spaßeinlage mit Taucherbrille und Schwimmflossen. Bild: Franke

Rottenburg. Der Center Court ist kein Hexenkessel, er hört sich nur so an. 1000 Leute haben darin Platz, dazu kommen noch die Stehplätze am Neckaruferweg und die Business-VIP-Lounge. Die Musik ist laut und hektisch. Die Ansager sind trotz Verstärker heiser. Den Einpeitscher-Job machen Michael Wippermann und Julien Clin, letzterer ein ehemaliger Volleyballer beim TV Rottenburg und Hallensprecher. Sie bringen den linken Zuschauerblock dazu zu singen „That’s the way“, dann steigt der rechte ein mit der Fortsetzung „I like it“, aber erst dann, wenn der mittlere Block eingeschoben hat: „Ahmm, ahmm.“ Das klappt mit den gut besetzten Tribünen richtig klasse, und die Leute haben großen Spaß dabei.

Wie viele Gäste sich bei seinem Event amüsiert haben und noch amüsieren, kann Veranstalter Stefan Schneider am Sonntagnachmittag nicht sagen, denn der Eintritt ist frei. Schneider schätzt die Besucherzahl aber auf „locker fünfstellig“. Dabei geht es im Schänzle sehr aufgeräumt zu. Im Center Court parkt in zwei der Ecken des Spielfeldes je ein offenes Smart-Cabrio. Das ist die Ruhebank der beiden Mannschaften in den Spielpausen. Eine Riesendose des Energydrinks Killerfish (Slogan „Macht dich bereit“) prangt in einer Ecke, eine kleine Flasche Gäu-Radler von Schimpf aus Remmingsheim daneben. Unübersehbar der Drei-Meter-Stelzenmann in Türkis von Killerfish und die knapp bekleideten Go-go-Girls mit Nabelpiercing.

Männer in Shorts, Frauen im Bikini

Dass Frauen viel nackte Haut zeigen, gehört zum Programm des Beachvolleyballs, wo die leichte Stimmung des Strandlebens heraufbeschworen werden soll. Das Reglement schreibt für Männer knielange Shorts und schlabbrige Hemden vor. Darauf lassen sich die Schriftzüge der Sponsoren unterbringen. Frauen tragen Bikinis, die Höschen dürfen an der Seite maximal sieben Zentimeter hoch sein. Erstaunlich, wie viel Werbung darauf passt, weil man davon ausgeht, dass genau hingeschaut wird.

Seit 1996 ist Beachvolleyball zu olympischen Ehren gekommen. Obwohl die Veranstalter Stefan Schneider und Benny Stefanski Wert darauf legen, dass es eine eigenständige Sportart ist: Die Nähe zum Volleyball ist gerade in Rottenburg unübersehbar. Schneider und Stefanski haben beim TV Rottenburg Volleyball gespielt, bevor sie ihre Event- und Marketingfirma „Sandbrand“ gründeten. Ein Highlight des Turniers ist denn auch der Auftritt von Lokalmatador Stefan „Schmeckes“ Schmeckenbecher, der bei dem internationalen Profiturnier zusammen mit dem Olympiafünften Eric Koreng (Peking 2008) eine Mannschaft bildet. Vertreten sind Teams aus Polen, Tschechien, Slowenien, Frankreich, den Niederlanden und Österreich.

Viel Szenenapplaus für gute Spielzüge

Sun Days im Schänzle: Viel Marketing und fünfstellige Besucherzahl
Ganz regelkonform: Die Beachvolleyball-Bikini-Höschen dürfen an der Seite maximal sieben Zentimeter hoch sein. Bild. Franke

Das sachverständige, altersmäßig sehr gemischte Rottenburger Publikum spart nicht mit Szenenapplaus, wenn eine Mannschaft technisch versiert smasht oder das gegnerische Duo mit einem gefühlvollen Lob perfekt austrickst.

Da geraten die Marketing-Absichten leicht in den Hintergrund. „Wenn’s umsonst wär‘, tät ich’s probieren“, sagt Maren ganz pragmatisch über das Getränk des Hauptsponsors Killerfish. Das aggressive Marketing ist bei ihr noch nicht angekommen. Die 20-Jährige aus Rottenburg sitzt mit ihrer Freundin Anina, 25, ganz oben im Center Court, wo es am Samstagnachmittag ein wenig schattig ist, und trinkt Apfelschorle. Christian, 22, aus Lauffen kennt das Getränk des Hauptsponsors schon: Wie Gummibärchen schmecke es. Er trinke es wie Kaffee zum Lernen, weil es nicht bitter sei, sondern süß.

Den Namen des marktbeherrschenden Energiedrinks Red Bull nimmt Tahsin Dag, der Killerfish vermarktet, nicht in den Mund, er spricht nur vom „Monopolisten“. In drei Punkten habe sich Killerfish, die Bruchsaler Firma besteht seit zwei Jahren, davon abgesetzt. Die Farbe Türkis stehe für Wassersport: Beach, Sand und Fun. Ein „positives Lebensgefühl“ eben. In Dags Eventzelt kann man sich, in Türkis natürlich, ein Tattoo aufsprühen lassen. Viele Kinder, aber auch Erwachsene holen sich eins ab. „Es hält bis zum ersten Waschen“, sagt die junge Frau, die es appliziert, „also lange.“

Nicht nur ein Sportevent auf internationalem Niveau wollte Stefan Schneider organisieren, sondern auch sowas wie ein Stadtfest. Neben dem Center Court gibt es für Freizeitmannschaften noch ein zweites Spielfeld. Um zehn Uhr ist im Schänzle Schluss mit der Musik, Ausschankende ist aber erst um eins. Da können die Leute gemütlich sitzen bleiben, sagt Schneider. Die Party findet woanders statt, am Samstag im Tübinger „Top 10“, für Inhaber des Festivalbändels (käuflich zu erwerben für 3 Euro) bei freiem Eintritt. 25 Prozent der Bändel-Einnahmen gehen an den Förderverein Hohenberghalle. Am Sonntag ist es dann, nicht zuletzt wegen des schönen Wetters, wieder voll. Veranstalter Schneider zieht eine erste Bilanz: Mit einer Kapazität von 1000 Plätzen sei die Tribüne am Center Court zu knapp bemessen gewesen.

Malte Stiel weiß wovon er spricht, wenn er sagt, Beachvolleyball sei anstrengend. Der Lauffener hat anderthalb Jahre lang beim TV Rottenburg in der zweiten Mannschaft Volleyball gespielt und, so sagt er, im „Volleyball-verrückten“ Rottenburg gewohnt.
Jetzt studiert er Internationales Marketing. Seit 2004 spielt er Beachvolleyball als Abwehrspieler, zusammen mit dem Blockspieler Armin Dollinger kämpfte er am Wochenende in Rottenburg.

Das Spielfeld ist im Vergleich zum Volleyball nur unwesentlich kleiner, sagt Stiel, weil es aber von nur zwei Spielern bespielt wird, sind die Spielanteile jedes einzelnen auf dem weichen Sand viel höher.

„Ohne Trainer sein eigenes Ding zu machen“, das schätzt er am Beachvolleyball.

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06.08.2012, 12:00 Uhr

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