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Super-Computer sagt den Schnupfen voraus
So niedlich verpackt kann Watson auftreten: Hier bezirzt das Superhirn eine Hostess auf der Cebit in Hannover. Foto: Imago
Künstliche Intelligenz

Super-Computer sagt den Schnupfen voraus

Versicherungen, Ärzte, Autobauer und Händler setzen auf Watson von IBM. Dieser weiß sogar, wer demnächst an Grippe erkrankt.

15.10.2016
  • THOMAS VEITINGER

Niemand da Der Verlierer möchte dem Sieger gern die Hand schütteln. Doch das ist nicht möglich: Gewinner des TV-Duells Jeopardy ist eine Maschine. Watson gibt mit George-Clooney-Stimme überzeugendere Antworten. Selbst Lösungen die sich reimen müssen, sind für ihn kein Problem. Das Besondere an der künstlichen Intelligenz: sie lernt dazu. Watson ist kein Spielzeug. Lernen, Sprechen, Verstehen und Entscheidungen vorzubereiten gelinge dem Super-Computer, wirbt Wolfgang Hildesheim. Der Experte für Watson-Lösungen bei IBM hält bisherige Software im Vergleich geradezu für dumm. „Wir sind im digitalen Zeitalter mit intelligenten Anwendungen.“ Bei einem Outdoor-Ausrüster etwa hilft Watson beim Aussuchen der besten Jacke und fragt dazu nach dem Ziel der Wanderung, Geschlecht, Lieblingsfarben. Beim Verkauf von Sicherheitskameras wird nicht nur das Objekt und die gewünschte Anwendung online abgefragt. Befinde sich das Haus in einer Gegend mit viel Vandalismus, spiele auch das eine Rolle, sagt Christopher Marcus Daerr, IBM-Marketingleiter für Globale Allianzen. An der Uni Osnabrück versuchen Studenten mit Watsons Hilfe die Ausbreitung von Grippe-Epidemien vorherzusagen. Bei der Versicherungskammer Bayern liest die Maschine Briefe und sortiert kritische Kunden nach dem Grad ihrer Unzufriedenheit.

Wie sein Vorgänger Deep Blue – der Schachspielern das Fürchten lernte – soll Watson für den US-Computerkonzern IBM Geld verdienen. Viel Geld. Denn das Urgestein der IT-Branche erfindet sich einmal mehr neu. Chefin Virginia Rometty, genannt Ginni, will IBM auf neue Beine stellen. 15 Quartale in Folge fiel der Umsatz im Unternehmen. Für die Neuerfindung wurde selbst die traditionelle Chip-Sparte abgestoßen. Ginni Rometty kaufte mehr als 30 Unternehmen für 8 Mrd. Dollar (7 Mrd. EUR).

Statt Hardwareverkauf und Service-Dienstleistungen rücken Datenanalyse, Cloud-Computing, Sicherheits- und mobile Anwendungen und soziale Netzwerke in den Mittelpunkt des Konzerns mit seinen 378 000 Mitarbeitern. Und da kommt Watson ins Spiel. Wer Rometty einmal erlebt hat, weiß: Immer wieder kommt sie auf Watson zu sprechen. Die 58-Jährige will die Beziehung zwischen Mensch und Maschine neu definieren.

Hilfe bei der Suche nach dem Brustkrebs-Verursacher, bei der Produktion von Traktoren, beim Verwalten eines Containerhafens, der Sprachsteuerung im Auto, Bildererkennung und dem Sortieren von E-Mails: Die Einsatzarten Watsons sind vielseitig. Allein in München sollen bald 1000 Entwickler Lösungen für das Internet der Dinge finden. Dazu hat IBM eine neue weltweite Zentrale für den Supercomputer gebaut: Preis: 178 Mio. EUR. Deutschland steht an der Spitze der Industrie-4.0-Initiative, sagt Harriet Green von IBM.

Viel Zeit hat der IT-Riese nicht. Rufe nach einer schnelleren Umsetzung von Ideen und Forschungsergebnissen in Produkte werden im Unternehmen laut. Wieviel Umsatz Watson schon bringt, teilt IBM nicht mit. Die neuen Geschäftsfelder sollen 2018 etwa 40 Prozent der Erlöse bringen. Lässt sich mit künstlicher Intelligenz aber auch genug Geld verdienen?

Kooperationen werden helfen, sagt Daerr. Mehr als 80 000 Entwickler nutzen Watson bisher. IBM arbeitet mit dem Software-Giganten Cisco zusammen. Auch der alte Erzfeind Computerbauer Apple und Nachrichtendienst Twitter sind kein Tabu. Bei einem Projekt mit dem Softwarehaus SAP teilt Watson etwa Versicherungen seine Einschätzung mit, ob es sich beim Schadensfall um einen Unfallschaden oder Versicherungsbetrug handelt.

In Call-Centern erkennt der Super-Computer schon vor dem Gespräch mit einem Mitarbeiter, ob der Anrufer verärgert ist. Autobauer setzen auf die Rechenpower. 500 Großkunden gibt es. Der Herzogenauracher Automobil- und Industrie-Zulieferer Schaeffler erprobt mit Watson Möglichkeiten des Internets der Dinge. In verschiedenen Produktionsbereichen sollen mit Hilfe von Sensoren gesammelte Daten analysiert und die Ergebnisse für optimierte Produktionsketten sowie neue Services genutzt werden.

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15.10.2016, 06:00 Uhr

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