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China

Superreiche dämpfen das Wachstum

Die Wirtschaft wächst langsamer. Das extrem auseinanderklaffende Einkommensgefälle hat Mitschuld.

21.01.2017
  • FELIX LEE

Peking. Eigentlich müssten Börsianer platzen vor Spannung, wenn Chinas Statistikamt alljährlich im Januar das Wirtschaftswachstum des zurückliegenden Jahres bekannt gibt – immerhin handelt es sich um die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, die mit so ziemlich allen Ecken dieser Erde intensiven Handel betreibt.

Doch dem ist in diesem Jahr nicht so. Um 6,8 Prozent ist Chinas Wirtschaft im zurückliegenden vierten Quartal gewachsen, auf das Gesamtjahr 2016 berechnet, lag das Wachstum bei 6,7 Prozent. Weder gab es daraufhin bemerkenswerte Ausschläge auf den Aktienmärkten. Noch zeigte sich sonst ein Ökonom sonderlich überrascht. Der Grund: Beide Werte entsprechen dem, was die chinesische Führung vor einem Jahr vorgegeben hatte.

Als „wenig überraschend“ bewertet der Analyst Shuang Ding den niedrigsten Wachstumswert sei 26 Jahren. Er und andere Ökonomen verweisen darauf, dass nach einem jahrzehntelangen Boom mit teils zweistelligen Wachstumsraten die Führung das exportlastige Wirtschaftsmodell stärker auf die Binnenkonjunktur ausrichten und den privaten Konsum ankurbeln will. Dafür nehme sie ein schwächeres Wachstum bewusst in Kauf.

Sehr viel mehr lohnt sich aus Sicht der Experten der Blick auf die Details. Vor allem der hohe Schuldenstand bereitet ihnen Sorge. Diese machen inzwischen 277 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung aus und ist in einem Jahr um fast 20 Prozentpunkte gestiegen. Viele neue Kredite würden aufgenommen, um Zins und Tilgung für Altschulden stemmen zu können, schreibt die Schweizer UBS.

Hinzu kommt, dass die Regierung weiter massiv Kreditspritzen vergibt und die Staatsausgaben in die Höhe treibt, um eine zu starke Abschwächung der chinesischen Wirtschaft zu verhindern. Nur so war das aktuelle Wachstum von 6,7 Prozent überhaupt zu erreichen. Nachhaltig ist dieses Vorgehen nicht, kritisieren Ökonomen.

Auch der Konsum bleibt hinter den Erwartungen zurück. Das hängt unmittelbar mit dem weiter kräftig auseinanderklaffenden Einkommensgefälle zusammen. Während die Reallöhne im vergangenen Jahr im Schnitt um 6,3 Prozent stiegen – und damit geringer als das Wirtschaftswachstum –, bleibt die Schere zwischen Arm und Reich eine der größten weltweit. 1 Prozent der reichsten Chinesen besitzen mehr als ein Drittel des Volksvermögens, während das ärmste Viertel der Bevölkerung nicht einmal auf 1 Prozent kommt. Die Superreichen werden reicher, das Vermögen der Armen wächst sehr viel langsamer. Doch mehr Geld für Superreiche führt in der Regel nur geringfügig zu mehr Konsum. Sie besitzen in der Regel schon alles, was sie benötigen.

Allen Problemen der chinesischen Wirtschaft zum Trotz: Laut Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist die Volksrepublik wieder zu dem Land unter den großen Volkswirtschaften aufgestiegen, das die höchste Wachstumsrate aufweist. Im Vorjahr gebührte Indien dieses Prädikat. Doch eine überraschende Bargeldentwertung im November löste auf dem Subkontinent Chaos aus und dämpfte das Wachstum deutlich. Felix Lee

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21.01.2017, 06:00 Uhr

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