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Warten auf günstigen Wind

Surfer gehen bei jeder Brise an den Baggersee

Am Kirchentellinsfurter Baggersee hat sich eine Surferszene etabliert: Gut 20 der Wassersportler aus der Gegend sausen bei entsprechendem Wind übers Wasser. Und tauschen sich zudem regelmäßig aus.

04.09.2012
  • Michael Sturm

Kirchentellinsfurt. Manfred Just betrachtet sich als Anfänger. Vor einem Jahr hat er seine Surfpause beendet. An diesem Tag kämpft er mit den Elementen: „Mir ist es fast zu viel Wind heute“, sagt er, dann nickt der Uracher in Richtung Wasserfläche, wo Kyriakos Charitopoulos und Stephan Krüger gerade heran rauschen: „Für die Jungs da draußen ist der Wind richtig.“

Die drei gehören zu einer gut 20-köpfigen Gruppe, die den Baggersee in Kirchentellinsfurt bei jeder sich bietenden Gelegenheit ansteuert. Sie zahlen die Parkgebühr und stellen ihre Autos am großen Parkplatz ab. Von dort sind es rund 200 Meter bis zum Seeufer, wohin sie ihre Neoprenanzüge, die Surfbretter und die verschiedenen Segel schleppen.

Die großen Segel lassen sie heute jedoch am Ufer zurück. Sie sind bei diesem Wetter selbst für die Fortgeschrittenen kaum zu halten. Einen so guten und vor allem andauernden Wind wie an diesem Nachmittag haben sie hier selten. Immer wieder zieht eine dunkle Wolkenwand auf. Jede einzelne schiebt viel Luft vor sich her. Allerdings: „Wenn es regnet, lässt der Wind nach und dann kann es sein, es ist aus“, sagt Kyriakos Charitopoulos.

Der Reutlinger kommt oft nach der Arbeit an den See: „Drei Mal in der Woche, jeweils etwa drei Stunden“ sei er dann da. Und selten allein: Der See ist beliebt bei Windsurfern. „Für heute war die Windvorhersage sicher“, sagt Charitopoulos. 20 Surfer schippern über das Wasser. Kinder versuchen sich ebenso am Surfen wie gestandene Erwachsene. Der älteste Surfer in der Szene sei ein etwa 70 Jahre alter Mann aus Kirchentellinsfurt.

Kyriakos Charitopoulos hat vor drei Jahren mit dem Sport begonnen: „Ich habe angefangen, als mein Vater krank wurde. Ich habe etwas zum Abschalten gebraucht.“ Wassersport habe er schon immer gemocht. Aber es fehlte das gewisse Etwas: „Schnorcheln war gar nichts für mich. Keine Geschwindigkeit.“

Er genieße den Austausch mit den anderen Surfern. Während der Saison trifft er sie regelmäßig am See. Wesentlich unregelmäßiger kommen sie im Winter zusammen. Dann treffen sie sich in einer Tübinger Kneipe zum Stammtisch. In den Fachgesprächen gehe es oft um technische Dinge, sagt Stephan Krüger aus Mähringen.

Die Gruppe unterstützt sich gegenseitig. Am See beim Segelaufbau, am Stammtisch bei der Theorie, etwa: „Welches Revier passt zu meinem Fahrkönnen?“ Das Hobby hat sogar schon einige der Surfer zum gemeinsamen Urlaub gebracht, sagt Krüger, der als Lehrer am Rottenburger Sankt-Meinrad-Gymnasium unterrichtet.

Doch in den vergangenen Monaten machten sich die Surfer Sorgen um ihr Paradies: Der Gemeinderat Kirchentellinsfurt hatte sich öffentlich Gedanken gemacht hatte, was mit dem See künftig geschehen soll. Eine Option dabei ist, das Gelände um den See herum so unzugänglich wie möglich zu machen. Die nächst gelegenen Surf-Möglichkeiten sind recht weit weg, bei Karlsruhe und Laupheim. Das Transportieren der Ausrüstung verbraucht Sprit. „Windsurfen“, sagt Krüger, „ist immer auch ein Motorsport.“

Surfer gehen bei jeder Brise an den Baggersee
Bei gutem Wind geht’s mit Tempo übers Wasser: Manfred Just, Kyriakos Charitopoulos und Stephan Krüger (von links) surfen auf dem Kirchentellinsfurter See.

Über drei Varianten des Baggersee-Betriebs denkt der Kirchentellinsfurter Gemeinderat nach: Erstens den See leicht aufzuwerten, etwa mit einem Steg, einem Kiosk und Bänken. Zweitens den Betrieb etwas zurückzufahren, bestimmte Bereiche zu begrünen und andere zu schließen. Drittens den Rückbau, den Zugang vom Parkplatz zu schließen und alles zuwachsen zu lassen. „Die Rückbau-Variante wäre für uns keine Option. Wir brauchen den Parkplatz“, sagt Stephan Krüger. Für die Surfer gibt es keine Möglichkeit, ihre Ausrüstung vor Ort zu lagern. Sie sind auf Seen mit kurzen Wegen zwischen Parkplatz und Einstieg angewiesen.

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04.09.2012, 12:00 Uhr

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