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Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street

Ein gruftiges Horror-Musical hält der kannibalistischen Gesellschaft den Spiegel vor.

Ein gruftiges Horror-Musical hält der kannibalistischen Gesellschaft den Spiegel vor.

Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street

© null 02:17 min

SWEENEY TODD
USA

Regie: Tim Burton
Mit: Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Alan Rickman, Sacha Baron Cohen

- ab 16 Jahren

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23.11.2015

Man sieht Sweeney Todd (Johnny Depp) den Schlächter nicht an. Bleich wie ein Schatten kehrt er nach Jahren im Gefängnis nach London zurück. In rußigem Grau und Braun gehalten, ist die im Studio nachgebaute Stadt ebenso auf „gothic“ getrimmt wie die Protagonisten. Wie Untote wirken sie, wie Wiedergänger aus einem früheren Leben. Seit der selbstherrliche Richter Turpin ihm aus einer Laune heraus seine Frau und seine kleine Tochter genommen hat, ist Todd ein Getriebener.

Bei der reizvollen Mrs Lovett (Helena Bonham Carter), von derselben gruftigen Blässe wie Todd, findet er Unterschlupf und etabliert sich in einer leerstehenden Mansarde als Barbier. Eines Tages, so hofft er, wird Richter Turpin auf seinem Stuhl Platz nehmen und eine besonders geschärfte Klinge vorfinden. Mrs Lovett ist nicht nur deshalb bleich, weil sie im Elend lebt und ihre Pasteten in dieser Phase mit Katzenfleisch zu füllen gezwungen ist. Ihr Glück mit Todd gründet auf einer Lüge. Wie ihr düsterer Gefährte lebt sie aus zweiter Hand.

Todd ist ein Gefangener seiner Vergangenheit. „Können Sie an nichts anderes denken? Ständig grübeln Sie über das Unrecht, das Ihnen vor so vielen Jahren widerfuhr.“ Mrs Lovett fleht vergebens. Todd verengt sich die Realität so sehr, dass sie nur noch als Spiegelung im riesigen Dachfenster seines Mordzimmers erscheint. Sie ist nur die Kulisse, vor der er sein finsteres Handwerk betreibt.

Durch eine Falltür krachen die frischen Leichen in Mrs Lovetts Keller-Backstube. Die Kundschaft ist begeistert und kann von den knusprig-reichhaltigen Kreationen kaum genug bekommen. Der seltsame Gestank in der Nacht fällt nur einer alten Bettlerin auf. Dass dieses Film-London als artifiziell, als reanimiertes 19. Jahrhundert erscheint, ist nur konsequent: Denn dieser Schauplatz könnte ebenso gut nur der Imagination eines Besessenen entstammen.

In Mrs Lovetts Pastetenbäckerei zeichnet Regisseur Tim Burton („Edward mit den Scherenhänden“) das Bild einer kannibalistischen Gesellschaft, in der jeder den anderen bis zum Äußersten zu auszunutzen sucht. „Die gesamte britische Gesellschaft zu Hackfleisch machen“, summt Mrs Lovett fröhlich im Duett mit Todd. In solchen Augenblicken gleicht der Film eher einer rabenschwarzen Groteske, als einem Splatter-Musical. Doch am Ende gibt es nichts mehr zu lachen. Dann ist Todds wütende Rachegier so blind geworden, dass er nicht mehr unterscheiden kann zwischen Hass-Figuren und Unschuldigen.

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23.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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