Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Unternehmen

Synonym für Nachhaltigkeit

Als Walter Rau 1928 sein Feinseifenwerk gründete, war ihm „Nachhaltigkeit“ sicher noch kein Begriff. Der überzeugte Anthroposoph wollte ganz einfach gute und sinnvolle Produkte auf den Markt bringen. Die Philosophie des Firmen- gründers prägt das Unternehmen bis heute: 2013 wurde der Naturkosmetikhersteller Speick als „Deutschlands Nachhaltigste Marke“ ausgezeichnet und ist aktuell für den CSR-Preis der Bundesregierung nominiert.

25.07.2014
  • TEXT: Birgit Pflock-Rutten | FOTOS: Unternehmen, Pflock-Rutten

Mit rund 50 Mitarbeitern ist Speick ein eher kleines mittelständisches Unternehmen mit Sitz in Leinfelden. Im Mittelpunkt der Produktion stand und steht die Speick-Pflanze, die nur an einem Ort der Erde gedeiht, den Kärtner Nockbergen. Wie vor hundert Jahren ernten die Almbauern das würzig-frisch duftende Baldriangewächs von Hand. Seit 2003 ist die Pflanze als kontrolliert biologische Wildsammlung zertifiziert. Speick Naturkosmetik ist weltweit das einzige Unternehmen, das aus der Speick-Pflanze Kosmetikprodukte herstellen darf.

Weitsichtige Unternehmensführung

Für die Werte, für die Speick Naturkosmetik 2013 mit dem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde, steht das Familienunternehmen seit der Gründung des Feinseifenwerks im Jahr 1928. Walter Rau wollte mehr als nur die damals übliche Kernseife produzieren. Vielmehr schwebte ihm eine reinigende und zugleich hautpflegende Seife vor. In einem alten Heilpflanzenbuch entdeckte er den Speick und seine außergewöhnlichen Eigenschaften.

„Walter Rau war ein weitsichtiger Mensch“, sagt Gudrun Leibbrand, Leiterin des Produktmanagements und der Marketingabteilung bei Speick. So verwies der Firmengründer in den 50er- Jahren beispielsweise auf die „Zeitschäden“, die „ungesunde, nervöse Arbeitsweise, das verunreinigte Wasser, die durch Staub, Gase, Säuren verpestete Luft“ und auf „Nahrungsschäden, die durch Pflanzenschutzmittel, mineralogische Düngeverfahren, Konservierungsmittel und so weiter hervorgerufen werden.“ Das ganzheitliche Denken des Unternehmers umfasste neben Produkt und Produktionsweise auch die Mitarbeiter: Es gab Weiterbildungsangebote und eine betriebliche Kinderbetreuung für berufstätige Mütter.

Walter Rau übergab sein Werk in den 1960er-Jahren an seinen Schwiegersohn. Der stammte aus einer Kaufmannsfamilie und sparte an Kommunikation und Werbung. „Das muss man büßen, denn die Produkte geraten schnell in Vergessenheit“, ist Leibbrand überzeugt. Erst als Wikhart Teuffel das Ruder übernahm, kam Speick zurück in die Erfolgsspur. Der Enkel des Firmengründers knüpfte an die Idee des Großvaters an. Das Unternehmen konzentrierte sich ganz auf seine Marke, ließ sich lediglich mit „Made by Speick“ eine kleine Spielwiese für Produktvariationen. Das Corporate Design wurde verjüngt, ohne seine Wurzeln zu verleugnen. „Das war ein sensibler Prozess“, sagt Leibbrand, „der viel Arbeit, aber auch viel Spaß gemacht hat.“

„Mensch bleiben“

Auch die Kommunikation wurde modernisiert, das Sortiment umgestellt. Von der Produktidee durch die Kreativabteilung, Laborentwicklung, Analytik, Qualitätskontrolle, Produktion, Vermarktung und Vertrieb kommt bei Speick alles aus einer Hand.

Den Ruf als „Großmutters Seife“ hat Speick längst abgestreift. Die Zielgruppe sind naturbewusste Menschen ab 30 Jahren, die ihre Haut verantwortungsvoll pflegen möchten. Die Marke Speick liegt im klassischen Mittelpreissegment: „Alle müssen es sich leisten können“, darauf legt die Unternehmensleitung großen Wert. Das bedeutet, ökonomisch denken zu müssen – aber nicht um jeden Preis. In Bezug auf Ökonomie, Ökologie, Soziales und Kultur handelt das Unternehmen bis heute nach der Überzeugung der Gründerfamilie. Dazu gehören auch Aktivitäten im Rahmen der Corporate Social Responsibility (CSR), wie beispielsweise die Unterstützung der „Stiftung NatureLife-International“ oder der Stuttgarter Straßenkinder. Ganz nach dem Motto von Wikhart Teuffel: „Mensch bleiben und sich weiter entwickeln können“.

Zwischen Manufaktur und Industriebetrieb

Wie verträgt sich Nachhaltigkeit mit Wachstum? „Wir wollen wachsen und wachsen auch, allerdings so homogen wie möglich“, sagt Gudrun Leibbrand. Dies betreffe nicht nur das Produktspektrum, sondern auch die Mitarbeiterzahl. „Wir machen langsam – Zeitverträge sind nicht unser Ding.“ Bei Speick kündige keiner, sagt sie, man gehe entweder in Rente oder in Elternzeit.

Eine Maxime bei Speick lautet „liefern können“, wie Gudrun Leibbrand betont. Das setzt große Flexibilität voraus. Der Kundenstamm des Unternehmens reicht von kleinen Fachgeschäften bis zu großen Marktketten. Wenn ein Großauftrag kommt, muss reagiert werden. Daniela Beutel, seit 13 Jahren bei Speick, ist in der Produktionsplanung tätig. Sie hat die durchschnittlichen Verkaufszahlen und die Lagerbestände im Blick. „Es kommt immer wieder vor, dass man die Produktion umstellen muss“, sagt sie. Dann müssen alle Abteilungen bis hin zur Führungscrew ran. „Da schlüpft auch mal eine Kollegin aus der Verwaltung von den High Heels in die Sicherheitsschuhe und hilft in der Produktion aus – Kartons auf Palette setzen beispielsweise oder Etiketten kleben.“ Auch innerhalb der Produktionsabteilung gilt das rollierende System: Nach einem gewissen Zeitrahmen tauschen die Kollegen ihre Aufgaben, um nicht den ganzen Tag dieselben Handgriffe machen zu müssen.

Den Hype, der um den Begriff Nachhaltigkeit gemacht wird, sieht Daniela Beutel gelassen. „Ich komme aus einer Familie mit vier Kindern, da sagt einem der gesunde Menschenverstand, dass man nichts wegschmeißt und mit allem verantwortlich umgeht. Nachhaltig bin ich automatisch.“ Gudrun Leibbrand übersetzt den Begriff „nachhaltig“ schlicht mit „sinnvoll“. Die Verantwortung für das eigene Tun, das ist für sie entscheidend. Anlässlich eines eineinhalbstündigen Vortrags zu diesem Thema hat sie sich vorgenommen, das Wort Nachhaltigkeit nicht einmal zu nennen – „und ich habe es geschafft!“

Synonym für Nachhaltigkeit

Synonym für Nachhaltigkeit
Oben: Gudrun Leibbrand (links) und Daniela Beutel vor einem mit Granatsteinen durchzogenen Felsstück aus den Nockbergen, der Heimat des Speick (Mitte links).Die Pflanzenextrakte sind in allen Produkten des Naturkosmetik- herstellers enthalten.

Die Firma Walter-Rau Speickwerk hat sich seit der Gründung 1928 vom Seifenhersteller zu einem mittelständischen Naturkosmetikunternehmen weiterentwickelt. Speick Naturkosmetik produziert mehrere Pflegeserien, im Sortiment sind zirka 100 Produkte. Das Unternehmen beschäftigt rund
50 Mitarbeiter, rund 90 Prozent der Produktion wird in Deutschland vertrieben, rund zehn Prozent gehen in den Export in 27 Länder. Speick Naturkosmetik gibt es in Drogeriemärkten und Naturkostläden, teilweise auch in Apotheken und Reformhäusern, außerdem im Shop am Werksgebäude und seit kurzem auch in der „SPEICKwelt“ in Stuttgart.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

25.07.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball