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Auf Entdeckungsreise im Ledersessel

TAGBLATT-Gutenachtgeschichte in Entringen

Nicht wie geplant im Garten des Samariterstifts, sondern wegen des Regens zum ersten Mal drinnen machte die TAGBLATT-Gutenachtgeschichte in Entringen Station. Etwa 70 Zuhörer lauschten den beiden Vorlesern des Abends.

27.08.2012
  • Madeleine Wegner

Entringen. Vor den Fenstern plätscherte am Freitagabend der Regen, drinnen gab es unterdessen trockenen Martini – zumindest auf der literarischen Schiffsreise wurde er serviert, auf die Ralf Peters die Zuhörer in der Begegnungsstätte Ammerbuch mitnahm.

Die Geschichte des Autors William Somerset Maugham las Peters mit geübter und sonorer Stimme. Gemütlich im schummrigen Licht saß der Richter am Tübinger Landgericht an diesem Freitagabend nicht auf dem Richterstuhl, sondern auf dem roten Ledersessel – dem Markenzeichen der TAGBLATT-Gutenachtgeschichte. Die unterhaltsam-charmante Geschichte handelte von einen unsympathischen Mitreisenden, der zum „unbeliebtesten Mann auf dem ganzen Schiff“ wird und den Gipfel seiner Unerträglichkeit während der Mahlzeiten an Bord erreicht. Das Fachsimpeln über japanische Zuchtperlen sorgt jedoch am Ende für eine überraschende Wendung der amüsanten Geschichte. Dabei spielt eine Frau von beeindruckender und „vornehmer Zurückhaltung“ eine Schlüsselrolle. Ralf Peters Frau Christtraut, die die Lektüre ausgewählt hatte, entschied deshalb schmunzelnd: „Vielleicht liest die Geschichte doch besser ein Mann.“

„Vorgelesen bekommt man als Erwachsener so selten – außer man kauft sich vielleicht ein Hörbuch. Die Gutenachtgeschichte ist deshalb eine meiner Lieblingsveranstaltungen“, sagte Ute Steinacker von der Begegnungsstätte, „es ist erstaunlich, welche Bücher die Vorlesenden ausgraben – da gibt es immer wieder Entdeckungen“.

„Das ist unser Sommer-Highlight“, sagte auch Begegnungsstätten-Leiterin Ingrid Bückle. Anliegen der Begegnungsstätte ist es, für die Gesamtgemeinde Angebote für Unterhaltung und Begegnung zu machen. Knapp 245 Euro spendeten die Zuhörer am Ende des Abends. Das Geld soll als Anschubfinanzierung für die Veranstaltungssaison der Begegnungsstätte im Herbst und Winter dienen.

Bei der TAGBLATT-Gutenachtgeschichte ist die Begegnungsstätte nun schon zum achten Mal dabei. Nach Stationen in den anderen Ammerbucher Ortsteilen gab es die Lesung nun wieder in Entringen. Zuhörer waren jedoch aus allen Ortsteilen da, die Vorleser selbst kamen aus Poltringen und Pfäffingen.

Aus Tübingen hingegen kam Adelbert Brossart, der in der Pause auf seinen Drehorgeln für musikalische Unterhaltung sorgte. Seit vier Jahren ist er diesem außergewöhnlichen Hobby verfallen: „Man wird süchtig danach“, verriet er im Gespräch mit TAGBLATT-Moderator Ulrich Janßen. Mit Kanapees und kalten Getränken versorgte das Team der Begegnungsstätte die Zuhörer in der Pause. Mit Lesestoff, vorgetragen vom Neurochirurgen Bernd Will, ging es anschließend weiter. Er las eine Erzählung des Nobelpreisträgers Heinrich Böll mit volltönenden Stimme vor. Als „eine fröhlich-fantastische Geschichte mit ernsten Elementen, die die Menschlichkeit des Autors zeigt“, beschrieb Will die Erzählung „Unberechenbare Gäste“. Für Böll habe er sich entschieden, weil der Autor zu Unrecht vergessen werde: „Seine Texte sind es wert gelesen zu werden“, meint Will.

Der Vorleser bezeichnete sich selbst als „Pfäffinger mit Migrationshintergrund“, weil er das erste Drittel seines Lebens in Karlsruhe verbracht habe, wo der zeitgenössische Autor Harald Hurst zu Hause ist. Auf dessen Bücher ist Will durch Zufall in einer Wühlkiste gestoßen. Ob zynische Zeilen, die an Robert Gernhardt erinnerten oder Liebesgedichte mit Widerhaken: „Eine echte Entdeckung“ nannte sie Moderator Janßen. Passend zum Landesjubiläum gab es zum Abschied einen Text, der die nahe Verwandtschaft zwischen Badenern und Schwaben beweisen sollte: „S‘große Baugedicht“ über das unbeirrbare Häuslebauen.

TAGBLATT-Gutenachtgeschichte in Entringen
„Unberechenbare Gäste“: Als „Pfäffinger mit Migrationshintergrund“ hatte Bernd Will eine Erzählung des Nobelpreisträgers Heinrich Böll mitgebracht. Sie kam beim Publikum ebenso gut an, wie zuvor Ralf Peters’ Geschichte von einer Schifffahrt mit unangenehmer Reisebgeleitung, die zu Beginn für Spannung und Schmunzeln gesorgt hatte. Bild: Wegner

TAGBLATT-Gutenachtgeschichte in Entringen

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27.08.2012, 12:00 Uhr

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