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Aus Rot soll Grün werden

TSV Altingen will seinen Hartplatz ersetzen und sucht Sponsoren

Nein, der Slogan ist kein politisches Statement. Mit der Kampagne „Aus Rot soll Grün werden“ wirbt der TSV Altingen vielmehr Sponsoren für einen neuen Fußballplatz. Grüner Rasen soll den roten Sand des gefürchteten Hartplatzes ersetzen.

03.11.2012
  • Uschi Hahn

Altingen. „Och nö! Warum das denn?“: Die Jungen und Mädchen der Altinger E-Jugend waren alles andere als begeistert, als ihr Trainer sie zum Fototermin für ein paar Minuten vom Rasenplatz holte und seine rot-weißen Hütchen auf dem Hartplatz nebenan aufbaute. Schon der Altinger Fußball-Nachwuchs weiß: Es ist kein Vergnügen auf dem Allwetterplatz zu kicken, der auch bei auswärtigen Mannschaften als „übler Acker“ berüchtigt ist.

Dabei war der Hartplatz neben dem Altinger Sportheim mal der ganze Stolz des TSV. Im Jahr 1970, erinnert sich Ausschussmitglied Klaus Wanner, wurde das Spielfeld gebaut. Damals, sagt Wanner, waren die Allwetterplätze in, „da hat jeder Verein einen Hartplatz gehabt“. Doch schon in den 90er Jahren kamen die mit rotem Sand abgestreuten Fußballfelder aus der Mode. Und das mit gutem Grund: Zu groß ist die Verletzungsgefahr auf der betonharten Oberfläche. Der TSV-Vorsitzende Michael Kastner weiß, wovon er spricht. Er selbst kam als Jugendlicher „nach jedem Training mit offenen Knien heim“. Heute sagt er: „Man kann nicht Fußball spielen auf dem Acker. Das tut den Knochen nicht gut.“

Wobei in Altingen zum harten Untergrund noch jede Menge Unebenheiten dazu kommen. Einmal erst, im Jahr 1985, wurde der Platz saniert. Wind, Regen und Frost haben seither der Oberfläche zugesetzt.

Zwei Jahre später wurde auf dem Altinger Sportgelände der Rasenplatz gebaut. Auf dem wird inzwischen „praktisch das ganze Jahr trainiert“, berichtet der Vize-Vorsitzende Boris Adam. Eine ganz schöne Belastung für das Naturgrün: Rund 120 Kinder und Jugendliche spielen beim TSV in insgesamt neun Jugendmannschaften Fußball. Dazu kommen „locker 70 Leute“, die, so Kastner, in den beiden aktiven Mannschaften und bei den Altherren mitspielen und trainieren. Neben dem Spielbetrieb am Wochenende wird der Rasenplatz so täglich zwischen 17 und 21 Uhr mit Kickschuhen getreten. Kein Wunder, dass Wanner feststellt: „Der Rasen kann sich zu wenig erholen.“

Vor ziemlich genau einem Jahr, im November 2011 gab es dann erste Gespräche über den Ersatz des Hartplatzes durch einen zweiten Naturrasenplatz. Die Kosten schätzte ein zurate gezogener Spezialist auf rund 220 000 Euro, inklusive einer neuen Flutlichtanlage. Aber warum eigentlich kein Kunstrasenplatz, wie sie von so vielen Vereinen auch im Kreis Tübingen angelegt werden? Der sei mit 500 000 bis 600 000 Euro zu teuer, winkt der Altinger Vereinsvorsitzende Kastner ab. Dazu kommt der teure Unterhalt. Wenn ein Kunstrassenplatz zum Beispiel bei Schnee bespielbar sein soll, muss er abgeräumt werden. Dabei aber wird auch das Granulat abgetragen, das den Kunstrasen griffig macht. „Nach zehn bis 15 Jahren“, so Kastner, „muss der Kunstrasen komplett neu gemacht werden.“

Ende März beschloss die TSV-Hauptversammlung den Bau des neuen Naturrasenplatzes. Zuvor hatte man beim Württembergischen Landessportbund (WLSB) in Stuttgart vorgefühlt, wie es mit Zuschüssen aussieht. Zu erwarten seien aus dieser Richtung gut 50 000 Euro, sagt Kastner. Auch seitens der Gemeinde Ammerbuch kann der TSV mit Unterstützung rechnen: 20 000 Euro werden für den neuen Fußballplatz wohl in den Etat fürs nächste Jahr eingestellt.

Bleibt die Frage, wie der Rest des Projekts finanziert wird. Und da hatten die Verantwortlichen vom TSV eine bestechende Idee. Zugegeben, sagt Kastner, man habe sich da vom SV Tumlingen-Hörschweiler inspirieren lassen. Der Verein im Waldachtal im Schwarzwald hatte für ein ähnliches Projekt erfolgreich Spenden eingesammelt, in dem er das neue Spielfeld häppchenweise symbolisch zum Kauf angeboten hatte. Und so soll jetzt auch beim TSV Altingen aus dem roten Acker ein grüner Rasen werden.

In über 1000 unterschiedlich eingefärbte Verkaufsfelder ist der künftige Rasenplatz eingeteilt. Wenn alle Felder einen Sponsor finden, reduziert sich der Betrag, den der Verein über Kredite finanzieren muss, immerhin um 37 000 Euro.

In Ammerbuch hat das Modell schon Schule gemacht: Der Jugendgemeinderat finanziert auf die Weise gerade den Bau des Beachvolleyball-Feldes im Entringer Freibad. Einer der Jugendräte ist Mitglied im Vereinsausschuss des TSV und hat die Verkaufsfelder-Idee abgekupfert.

Der TSV selbst hat sein rot-grünes Projekt bisher noch nicht sehr offensiv beworben. Man habe erst die Baufreigabe vom WLSB abwarten wollen, erklärt der Vorsitzende Kastner die Zurückhaltung. Aber die Freigabe ist inzwischen da. Die ersten Vorarbeiten haben die Vereinsmitglieder mit dem Fällen der Bäume rings um den alten Hartplatz schon erledigt. Demnächst wird der alte Belag abgefräst. Das Material wird, gemischt mit Mutterboden, für den Unterbau des neuen Platzes wieder verwendet. Dann kommt die neue Tragschicht auf den Platz und schließlich wird er eingesät. „Im September“, so hofft Michael Kastner, „ist Anpfiff“.

Gute Aussichten also für den Altinger Kickernachwuchs. Wenn die Jungs und Mädchen erst mal in der D-Jugend spielen, holen sie sich garantiert keine blutigen Knie mehr auf dem roten Acker.

TSV Altingen will seinen Hartplatz ersetzen und sucht Sponsoren
Training auf dem roten Acker: Für den neunjährigen Silas und die anderen Kinder der Altinger E-Jugend ist der Slalomkurs auf dem zerklüfteten Hartplatz des TSV kein Vergnügen und obendrein auch noch gefährlich. Bild: Sommer

In über 1000 Felder in unterschiedlichen Farben haben die TSVler das künftige Spielfeld eingeteilt. Die Farben stehen für den Verkaufswert: Am billigsten sind die blauen Felder, die es schon für 20 Euro gibt. Die gelben Bereiche um die Tore sind für 50 Euro, die roten in den Toren selbst, an den Eckfahnen und in der Spielfeldmitte für 100 Euro zu haben. Mit 250 Euro am teuersten sind die beiden Elfmeterpunkte und der Anstoßpunkt, die im virtuellen Verkaufsspielfeld schwarz sind. Doch egal, wie viel die Spender jeweils investieren. Sie werden alle mit Namen auf einer Tafel verewigt.

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03.11.2012, 12:00 Uhr

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