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"Geschickt eingefädelt"

TV-Näh-Castingshow mit Guido Maria Kretschmer

Ausnahmsweise kein neues Gesangsgenie, sondern ein Schneidertalent wird gesucht: Wer sich für Textilien interessiert, ist bei Guido Maria Kretschmers neuer Show "Geschickt eingefädelt" gut aufgehoben.

02.11.2015
  • CARSTEN RAVE, DPA

Berlin Meike ist verzweifelt. Sie vergießt Tränen. Als jemand die füllige Frau trösten will, schreit sie: "Nicht anfassen!" - Die Nerven liegen schon mal blank bei den Kandidaten, auch wenn Juror Guido Maria Kretschmer von Slow TV spricht, einem langsamen Fernsehen, das bewusst gegen die Hektik des sonstigen medialen Alltags steuert.

Der 50-jährige Kretschmer, vom Privatsender Vox inzwischen zu einem kleinen Modepapst aufgebaut, bringt ein neues TV-Format ins Fernsehen: Eine Näh-Castingshow mit dem Titel "Geschickt eingefädelt". Start ist morgen Abend um 20.15 Uhr. So etwas hat es im deutschen Fernsehen tatsächlich noch nicht gegeben. Vermutlich war allen anderen Sendern das Risiko des Scheiterns zu hoch.

Der zuständige Vox-Redaktionsleiter, Jan Biekehör, hat das TV-Format mit acht Kandidaten, die um die Wette schneidern und nähen, aus England nach Deutschland geholt. "Seit 2013 zeigt die BBC, dass Fernsehen und Nähen gut zusammenpassen", sagt Biekehör. "Die Sendung ist liebevoll, urban und cool gemacht. So etwas kann auch in Deutschland funktionieren."

500 Kandidaten haben sich beworben, in der Mehrzahl Frauen. Zum Kandidatenkreis der letzten acht gehören drei Männer - immerhin. Die Jury mit Kretschmer sowie Inge Szoltysik-Sparrer, der Bundesvorsitzenden des Maßschneiderhandwerks, und der Designerin Anke Müller wählt nachher die beste Schneiderin oder den besten Schneider aus.

Sie haben sich in verschiedenen Prüfungen zu bewähren. Zum Beispiel müssen sie aus gestreiften und weißen Herrenhemden eine Damenbluse kreieren. Oder sie haben die Aufgabe, einen trägerlosen BH zu entwerfen. Der talentierteste Hobbynäher bekommt als Belohnung eine Einladung an die Ecole de la Chambre syndicale de la couture parisienne, an der auch schon Ikonen wie Karl Lagerfeld und Yves Saint Laurent ihr Handwerk gelernt haben.

Kretschmer, der für Vox auch der "Shopping Queen" und der "Promi Shopping Queen" beim Einkleiden hilft, steht der Kandidatenschar beratend beiseite, aber zischelt dann auch schon mal so etwas wie "Textil-Terrorist". Der gewiefte Designer aus dem Westfälischen mit Wohnsitz in Berlin weiß schon, wie er sein Publikum unterhalten muss. Er selbst näht auch - am liebsten für Freunde. Zum Beispiel gesteppte Decken aus Kaschmir und Seide. Einmal hat er für eine Bekannte, eine passionierten Ballonfahrerin, einen Tellerrock geschneidert. Deren Sohn hat das gute Stück in luftiger Höhe aus dem Karton gezogen und sofort im Wind verloren. Kretschmer: "Dass ich mich da zurückgehalten habe, dafür hätte ich den Friedensnobelpreis verdient."

Kretschmer will die Leute am Bildschirm durchaus zum Selbermachen animieren. "Lieber ein altes Bettlaken verwenden als so ein Schrabbelteil aus Asien kaufen, an dem noch Kinderarbeit hängt", sagt er. Seine Mitjurorin Szoltysik-Sparrer jedoch warnt: "Viele Hobbyschneider leiden unter Selbstüberschätzung - man muss klein anfangen mit einfachen Stoffen und die Zeit nicht unterschätzen, die man fürs Schneidern aufzubringen hat." Auch für Vox ist das neue TV-Schnittmuster ein Experiment, das Weile haben muss. Denn auf dem Sendeplatz dienstags um 20.15 Uhr war bisher die zweite Staffel der Existenzgründershow "Die Höhle der Löwen" mit für Vox-Verhältnisse hohen Quoten von rund zwei Millionen Zuschauern zu sehen gewesen.

Vielleicht hat der Sieger des Näh-Wettbewerbs ja das Zeug dazu, in der dritten Staffel den Schritt in die Höhle der Löwen zu wagen.

Info "Geschickt eingefädelt" startet morgen um 20.15 Uhr auf Vox.

TV-Näh-Castingshow mit Guido Maria Kretschmer
Der Modedesigner Guido Maria Kretschmer posiert zwischen zwei Schneiderpuppen bei Dreharbeiten zum neuen TV-Nähwettbewerb auf Vox. Kretschmer selbst und zwei Frauen vom Fach bewerten die Kandidaten. Foto: dpa

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02.11.2015, 12:00 Uhr

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