Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Rechnung ohne Rottenburg

TVR ärgert den Deutschen Meister Berlin gehörig

Sie waren gestern Abend tatsächlich dran, gegen den Deutschen Meister zumindest in den Tie-Break zu gehen. Doch es reichte nicht ganz: Vor 2000 Zuschauern verlor Volleyball-Bundesligist TV Rottenburg gegen die Berlin Recycling Volleys mit 1:3 (25:22, 18:25, 27:29, 29:31).

10.12.2012
  • Tobias Zug

Tübingen. Bei leichten Schneewehen wartete der Mannschaftsbus der Berlin Recycling Volleys gestern um 19.30 Uhr vor der Paul-Horn-Arena auf das Team. „Gebt alles!“ heißt der Slogan, der in gelbem Schriftzug auf dem Bus steht. Und das hatte der bisher verlustpunktfreie Deutsche Meister bis eine halbe Stunde vorher tatsächlich müssen: alles geben. Gegen einen TV Rottenburg, der „geil gespielt hat“, wie dessen Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger sagte. Während dagegen TVR-Manager Jörg Papenheim fand, die Mannschaft habe „unglaublich geil“ gespielt.

Jedenfalls holten die Rottenburger nicht nur einen Satz gegen Berlin, das bis dahin in acht Spielen erst fünf abgegeben hatte. Nein, sie waren sogar dran, diese Mannschaft zu besiegen. „Überraschend war das nicht“, sagte Berlins australischer Trainer Mark Lebedew, „wir wussten, dass Rottenburg gut drauf ist, und wir haben zudem zurzeit viele Spiele hintereinander.“ Am Dienstagabend hatte der Deutsche Meister noch sensationell in der Champions-League Lokomotiv Nowosibirsk besiegt.

Und fünf Tage später lässt Hallen-Diskjockey Kai Kleefisch nach sechs Minuten im ersten Satz bereits „Oh, wie ist das schön“ in Tübingen laufen, als Rottenburg nach starken Blocks von Felix Isaak mit 6:2 führte. Da brachte der beste Scorer der Liga, der 2,12 Meter lange Robert Kromm, kaum einen druckvollen Schlag übers Netz. Da verrutschte dem Nationalspieler Felix Fischer der Ball beim Pritschversuch. „Wir sind das Spiel zu locker angegangen“, sagte Mark Lebedew.

Und Rottenburg nutzte das aus: Über 14:8 und 21:17 wurde es zwar nochmals spannend, da Berlin auf 20:22 und 22:24 wieder herankam. Doch nach Zuspiel von Willy Belizer drischt Markus Pielmeier über außen den Ball zum 25:22-Satzsieg übers Netz. „Da drüben steht ein Millionenteam“, sagte Hans Peter Müller-Angstenberger, „und wir zwingen diese, ihre Startformation komplett zu verändern.“ Da wurde dann nach jenem ersten Satz Robert Kromm auf der Diagonalen eingesetzt, „was der vorher noch nie gemacht hat.“

Außer ein paar taktische Veränderungen habe Lebedew, wie er sagte, aber vor allem eines gemacht: „Der Mannschaft einen kleinen – wie sagt man so schön – Tritt in den Arsch gegeben.“ Die Zuspiele von Kawika Shoji kamen fortan besser, der Rottenburger Block kam immer wieder nicht hinterher. Die Berliner – hauptsächlich Kromm – schmettern so gezielt in die Lücken der Rottenburger. Der TVR lag im zweiten Satz nie in Führung.

Im dritten Durchgang gab der TVR wieder Kontra. Müller-Angstenberger arbeitete draußen gleichzeitig als Publikums-Animateur und Mannschafts-Coach, der mit der linken Hand einen Tablet-PC hielt und das Spiel analysierte und mit dem rechten Arm die Fans dirigierte. Und ein spannendes Hin und Her erlebte, in dem nie eine Mannschaft mehr als zwei Punkte Vorsprung hatte. „Die haben vorher alle ihre Rituale gezeigt und sich eingeschworen“, sagte Müller-Angstenberger über den Gegner, „aber die haben nicht mit uns gerechnet.“

Wobei TVR-Zuspieler Michael Neumeister ja sagte: „Mit uns muss man immer rechnen!“ 23:23 stand’s, als Pielmeier auf Außen zum 24:23 schlug. Satzball für den TVR. Doch Kromm konterte, 24:24. Pielmeier drosch den Ball gegen die Brust von Libero Martin Krystof – 25:24. TVR-Kapitän René Bahlburg hat Aufschlag – der Ball landet im Aus, 25:25. Und so ging’s weiter: 25:26, 26:26, 26:27, 27:27, 27:28. Bis Berlins Björn Höhne tatsächlich den Ball zum Satzsieg von 29:27 ins TVR-Feld brachte.

Vierter Satz, der Spannungsbogen blieb gespannt: Rottenburg erspielte sich einen 17:13-Vorsprung, der Champions-League-Teilnehmer kämpfte sich auf 21:22 heran. Zuvor hatte Schiedsrichter Joachim Mattner bei kritischen Szenen wie Ballhalten der Berliner zuungunsten des TVR entschieden. „Das muss man halt pfeifen“, sagte Müller-Angstenberger. „Aber deshalb haben wir nicht verloren.“ Fast hätte es der TVR in den Tie-Break geschafft: Wieder hatte er Satzball beim 24:23, wieder konterte Berlin. Wieder ging’s länger; 26:26, 27:27, 28:28, 29:29. Bis am Ende doch noch Berlin mit 31:29 siegte.

„Direkt nach dem Spiel ist man da natürlich enttäuscht“, sagte Michael Neumeister. Während sein Trainer wieder eine Laudatio auf seine Mannschaft hielt: „Andere haben Kohle, haben hoch bezahlte Stars – wir sind das stärkere Netz.“ Und diese Anderen fahren am Dienstag mit dem Bus weiter nach Tschechien. Zum Champions-League-Spiel einen Tag später in Budejovice.

TVR ärgert den Deutschen Meister Berlin gehörig
Auf gleicher Höhe: Rottenburgs Dirk Mehlberg (Nummer 1) gegen den Berliner Block.Bilder: Ulmer

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.12.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball