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Tafelladen-Verein hat nicht genug Ehrenamtliche, um den Andrang zu bewältigen
Der Bedarf steigt: Immer mehr Menschen sind auf den Tafelladen angewiesen – aber es gibt nicht genügend Helfer und zu wenig Platz. Archivbild: Franke
Nur noch ein Einkaufstag

Tafelladen-Verein hat nicht genug Ehrenamtliche, um den Andrang zu bewältigen

Von Mai an können die Kunden des Mössinger Tafelladens nur noch einmal in der Woche einkaufen. Die Helfer im Verkauf „arbeiten am Limit“, begründete Vorstand Peter Looser die vorläufige Änderung am Mittwoch bei der Jahresvollversammlung.

15.04.2016
  • Susanne Mutschler

Mössingen.Wenn der Mössinger Tafelladen, der im Untergeschoss des Rathauses untergebracht ist, dienstag- und freitagnachmittags von 14 Uhr bis 16 Uhr aufmacht, ist der Andrang jedes Mal groß. Die vielen Wartenden könnten gar nicht auf einmal eingelassen werden, berichtete Peter Looser, Vorstand des Tafelladen-Vereins. „Es gibt eine Schlange bis weit vor die Tür.“ Zum Gedränge und dem lebhaften vielsprachigen Stimmengewirr im Inneren des recht überschaubar großen Ladens sagte er nur: „Hier drin ist es richtig laut.“ Manche Kunden mache das „ungehalten und nervös“, einige bleiben inzwischen ganz weg. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter hinter der Verkaufstheke seien nach den Ladenstunden „völlig erschöpft“, beschreibt der Vorstand die anstrengende Situation. „Die Helfer arbeiten am Limit.“

110 Vereinsmitglieder arbeiten ehrenamtlich im Tafelladen mit. Das höre sich vielleicht viel an, sagte Looser, aber es sei „unglaublich viel Arbeit zu bewältigen“. Allein 30 Fahrer sind die ganze Woche über in Zweier-Teams in drei Fahrzeugen im ganzen Steinlachtal unterwegs, um Produkte bei den Supermärkten einzusammeln. In mehreren Vorbereitungsteams werden die Waren dann für den Verkauf appetitlich vorbereitet. Dazu kommen die Verkaufsteams, die versuchen, allen Kundenwünschen gerecht zu werden, und die Aufräumteams, die dafür sorgen, „dass der Laden wieder aussieht wie geschleckt“, so Looser. Früher habe man den Leuten während der Verkaufsnachmittage noch Zubereitungstipps fürs Kochen geben können, erinnert er sich. Dazu sei längst keine Zeit mehr.

Denn der Zuzug der Flüchtlinge habe auch dem Mössinger Tafelladen zusätzliche Aufgaben gebracht. Mussten bislang rund 100 bedürftige Familien (umgerechnet rund 350 Personen) versorgt werden, so seien seit 2015 über 30 neue Familien (rund 100 Personen) dazugekommen. Looser rechnet damit, dass sich diese Anzahl im Verlauf von 2016 noch erhöhen wird.

Die Ladenfläche zu erweitern, sei ausgeschlossen, äußerte Looser. Die Soutterain-Räume werden von der Stadtverwaltung mietfrei zur Verfügung gestellt. Ebenso wenig hielt er es für möglich, die Menge der Waren zu vergrößern. Als kurzfristigen Ausweg aus der prekären Lage im Laden beschloss der Vorstand darum, die Einkaufserlaubnis für jede Familie auf einmal in der Woche zu beschränken. Die Kunden werden schriftlich und mündlich informiert, an welchem Tag sie kommen dürfen. „Es tut weh, dass diejenigen, die wenig haben, das Wenige auch noch teilen müssen“, bedauert Looser, der von dieser vorläufigen Einschränkung eine entspanntere Einkaufssituation erwartet. „Sobald die Not weg ist, werden wir das wieder ändern“, appellierte er an das Verständnis der Tafelkunden. Als kleines Trostpflaster kündigte er an, dass sich dieselbe Tagesmenge an Waren von nun an auf die Hälfte der Kundschaft verteilen wird. Jeder einzelne Tafelkunde könne als Wochenvorrat mehr Lebensmittel mitnehmen als bisher.

Im Rückblick auf die Arbeit der vergangenen neun Jahre und in der Vorausschau auf das zehnjährige Bestehen 2017 Jahr gab es dem Vorstand fast „eine Gänsehaut“, was „durch den Tafelladen im Sinne der Menschlichkeit geschafft werden konnte“. Stolz und staunend erinnerte er daran, wie viele Leute während dieser Zeit unterstützt wurden. Die Arbeit der Tafelladen-Helfer sei ein Engagement, „das Menschen in Not hilft und etwas Wärme in deren kalten Alltag bringt“. Einen kleinen Beitrag dazu leistet auch das kleine Café im Laden, an dem 25 Gäste während der Öffnungszeiten kostenlos bei Kaffee oder Tee zusammensitzen können. „Armut macht einsam“, wusste Looser und lobte diese kommunikative Einrichtung. Dennoch sieht er der warmen Jahreszeit entgegen, wenn das den Geräuschpegel steigernde Geplauder nach draußen auf die Terrasse verlegt werden kann.

Der neue Vorstand ist fast der alte

Als Erster Vorstand wurde Peter Looser einstimmig wiedergewählt. Seine Vertreterinnen sind Gabriele Müller und Erika Traut, beide seit der Vereinsgründung im Mai 2008 im Laden aktiv. Kassierer ist Matthias Tauch, der neben Rechnen auch Reparieren kann, wie Looser hervorhob. Schriftführer ist Matthias Kopp. Beisitzer sind Lili Beck, Ilse Gräf und Jörg Schneider. Er ersetzt die bisherige Beisitzerin Simone Nädele, die sich nach sieben Jahren verabschiedete. Der Tafelladen sei für sie „ein Stück weit Heimat gewesen“, sagte sie. Schneider, früherer Richter aus Öschingen, erklärte den Tafelladen und den Freundeskreis Asyl zu seiner neuen „Rentnerbeschäftigung“. Der Tafelladen-Verein hat 168 Mitglieder, und – wie Looser betonte – ständig Bedarf an zusätzlichen Helfern.

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15.04.2016, 01:00 Uhr

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