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Ein Prediger der Zivilcourage

Tagung erinnert an den Autor Hans Sahl

Spät beachtet, nun wieder vom Vergessen bedroht: Eine Tagung erinnert am Wochenende an den deutschen Schriftsteller Hans Sahl, der seinen Lebensabend Anfang der neunziger Jahre in Tübingen verbrachte.

08.11.2012
  • Peter Ertle

Tübingen. Hans Sahl, 1902 in Dresden geboren, stritt seit den 20er Jahren unermüdlich für Kultur und Zivilcourage – als Satririker, Lyriker, Romancier, Übersetzer, Dramatiker, Journalist. Die Flucht vor den Nationalsozialisten führt ihn erst nach Zürich, später nach Paris sowie – als „feindlicher Ausländer“ – in diverse französische Internierungslager, schließlich in die USA. Frühe Versuche, in den 50er Jahren wieder nach Deutschland zurückzukehren, enden unerfreulich. Die Zeit beziehungsweise das politische Klima in Deutschland ist noch nicht reif. Erst im Alter findet er mit Publikationen wie dem Lyrikband „Wir sind die Letzten“ und vor allem dem zweiten Memoirenband „Exil im Exil“ auch hierzulande Beachtung und Anerkennung.

1989, fast erblindet, kehrt er nach Deutschland zurück und lässt sich in Tübingen nieder. Seine Bitte „Fragt uns aus – wir sind die Letzten“ fand endlich Gehör, Sahl wurde befragt, seine Meinung zählte, seine Bücher wurden gelesen, auch das LTT führte eines seiner Stücke auf. Nach seinem Tod 1993 ebbte das Interesse allerdings rasch wieder ab. Dem abermaligen Vergessen will nun die Tagung entgegenwirken, für die sich auf Anregung der ver.di-Zeitschrift „Kunst&Kultur“ der Luchterhand-Verlag, die Literaturabteilung des Süddeutschen Rundfunks, der Weidle-Verlag und viele Tübinger Kultureinrichtungen zusammengetan haben. Das Programm:

Freitag, 9. 11., Hölderlin-Turm

20.30 Uhr: Tübingen liest Hans Sahl. Lesung aus „Die hellen Nächte“ (1942) und, in einer Buchpräsentation des Weidle-Verlags: „Gedichte aus dem französischen Exil“.

Außerdem Musik zur Lesung: Hanns Eislers „14 Arten, den Regen zu beschreiben“ (1941), mit Lukas Mimura (Violine), Elica Dashova (Viola), Jonathan Nestler (Cello), Julia Stocker (Flöte), Teddy Ezra (Klarinette) und Amalia Pop (Flügel).

Samstag, 10. 11., Zimmertheater

11 Uhr: Professor Momme Brodersen, Palermo: „Hans Sahls Gedichtanthologie ’Die hellen Nächte‘.“

13.15 Uhr: Stéphane Hessel im Film-Interview: Erinnerung an Varian Fry und Hans Sahl in Marseille.

13.30 Uhr: Professor Frithjof Trapp: „Zu den Konflikten deutscher Intellektueller im Exil.“

14.15 Uhr: Edita Koch und die Zeitschrift „Exil“: „Erinnerungen an meinen Autor Hans Sahl.“

14.45 Uhr: Podiumsdiskussion, moderiert von Jürgen Wertheimer.

16 Uhr: Buchvorstellung der im Luchterhand-Verlag erschienenen Werkausgabe von Hans Sahl.

Sonntag, 11. 11., Arsenal, zum Thema „Das Exil in Bildern“

Ab 11.30 Uhr: Susann Witt-Stahl über Adornos und Eislers Filmkompositionen, anschließend wird der 1929 entstandene, 1941 von Eisler nachvertonte Avantgarde-Kurzfilm „Regen“ von Joris Ivens gezeigt. Danach spricht Regisseur Michael Kroft über seinen Film „Charterflug in die Vergangenheit“.

Tagung erinnert an den Autor Hans Sahl
Hans Sahl 1987, kurz vor der Übersiedlung nach Tübingen.Archivbild: Franke

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08.11.2012, 12:00 Uhr

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