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Unser Walt Disney heißt Lotte

„Tanz der Schatten“ – ein Forschungsfilm der Tübinger Medien-Wissenschaftler

Beim Trickfilmfestival in Stuttgart wurde er zum ersten Mal vorgestellt, Sequenzen daraus waren in der Kulturnacht zu sehen. Jetzt ist auch die deutsche Synchronisation fertig: Am Donnerstag, 26. Juli, feiert der Film „Lotte Reiniger – Tanz der Schatten“ im Kino Museum Premiere. Gedreht haben ihn Dozenten und Studierende des Tübinger Instituts für Medienwissenschaft.

25.07.2012
  • Peter Ertle

„Tanz der Schatten“ – ein Forschungsfilm der Tübinger Medien-Wissenschaftler
Lotte Reiniger, ein Bild aus den späteren Lebensjahren.

Die 60-minütige, zwischen Künstlerbiografie und kunstwissenschaftlicher Analyse die Balance haltende Dokumentation über Lotte Reiniger präsentiert etliche erstmals gezeigte Aufnahmen der Scherenschnitt-Filmkünstlerin. Einer der wichtigsten Partner des Filmprojekts war das Stadtmuseum Tübingen, in dem der Nachlass Lotte Reinigers aufgearbeitet und in einer Dauerausstellung zu sehen ist.

Das Filmprojekt hat eine ungewöhnliche Produktionsgeschichte: Gedreht haben den Film Susanne Marschall, Rada Bieberstein und Kurt Schneider, Dozenten am Lehrstuhl für Film und Fernsehwissenschaft der Universität Tübingen gemeinsam mit Studierenden des Masterstudiengangs Medienwissenschaft/ Medienpraxis – als über ein Semester gehendes Lehrforschungsprojekt. Forschen, lehren und learning by doing – mit professionellem Ergebnis – das könnte Schule machen.

„Tanz der Schatten“ – ein Forschungsfilm der Tübinger Medien-Wissenschaftler
Szene aus „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“, 1926.

Neben der für Tübingen reizvollen lokalen Anbindung – Lotte Reiniger verbrachte ihren Lebensabend in Dettenhausen – hat das Thema filmhistorisch internationalen Zuschnitt: Denn nicht Walt Disney – wie gerne behauptet – sondern der deutschen Filmkünstlerin Lotte Reiniger ist der erste abendfüllende und vollkommen erhaltene Animationsfilm der Filmgeschichte zu verdanken. Drei Jahre intensive Arbeit führten 1926 dazu, dass der erste animierte Held der Trickfilmgeschichte in „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ die Stummfilmleinwand erobern konnte. Reinigers Film, eine neue Spielart des Kunstfilms zwischen Jugendstilästhetik, Expressionismus und Zaubermärchen, wurde in Paris vor großem Publikum uraufgeführt und von Filmkünstlern wie Jean Renoir und Dichtern wie Bertolt Brecht bewundert.

In „Lotte Reiniger – Tanz der Schatten“ werden erstmals ihre Filme und ihr Einfluss auf andere Künstler in einen filmhistorischen Zusammenhang gestellt. Mit erstaunlich aktuellem Befund: Bis heute sind ihre Scherenschnitte und Schattenspiele Inspirationsquellen für Animationsfilmer weltweit. Filmkünstler wie Michel Ocelot und Hannes Rall kommentieren die Wirkung des Werks, das durch die Animationen Ben Hibons bis in die magische Welt Harry Potters reicht. Der Film blendet von den Lebenserfahrungen der Künstlerin auf ihr Werk und enthält neu aufgefundenes Material, das Reiniger bei der Arbeit an ihren letzten Filmen in Kanada zeigt.

Der in Koproduktion der Universität, der Produktionsfirma Eikon Südwest und Arte entstandene, durch das Land und die Medien- und Filmgesellschaft Baden- Württemberg geförderte Film konnte nun – der letzte Arbeitsabschnitt - als Stimme für die deutsche Synchronisation die in Tübingen aufgewachsene Schauspielerin, Kabarettistin und Sängerin Maren Kroymann gewinnen, die wie Lotte Reiniger lokale Anbindung und großen Bekanntheitsgrad vereint.

Info: „Lotte Reiniger – Tanz der Schatten“ wird am Donnerstag, 26. Juli, um 20.30 Uhr im Kino Museum zu sehen sein – bei großem Andrang zeitnah ein zweites Mal. Darüber hinaus spricht Filmautorin und Direktorin des Zentrums für Medienkompetenz, Susanne Marschall, im Rahmen der Sommeruniversität am 6. August um 10.15 Uhr im Theologicum, Liebermeisterstraße 12 über Reinigers Trickfilmkunst.

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25.07.2012, 12:00 Uhr

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