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Die sich durch sich selbst schlängelt

Tanzen: Die Ex-Wachendorferin Ida Winter holt sich den Titel der Deutschen Meisterin im Breakdance zurück

Die Ex-Wachendorferin Ida Winter ist das Aushängeschild der Tübinger Tanzschule Olaf S. – die 17-Jährige wurde diesen April zum zweiten Mal Deutsche Meisterin im Breakdance.

05.11.2015
  • Michael Sturm

Tübingen. Mathematik und Kunst sind ihre Lieblingsfächer. Sie habe Spaß in der Schule, sagt Ida Winter. Die 17-Jährige geht an die Tübinger Waldorf-Schule und betont, wie wichtig es sei, dass jeder in Deutschland die Möglichkeit hat, die Schule zu besuchen. Dieses vernünftige Mädchen ist die beste Breakdancerin Deutschlands.

Breakdance galt mal als Ausdrucksform der Jugendlichen in den Ghettos amerikanischer Großstädte. „Breakdance hat die Gewalt von den Straßen geholt. Tanzen baute Aggressionen ab.“ Ida Winter weiß so ziemlich alles über die Geschichte der Bewegung, die Breakdance, HipHop-Musik und Graffitis hervorgebracht hat. Sie erwähnt James Brown. Der legendäre Sänger sei der erste Breakdancer gewesen, seine Schritte hätten sich viele abgeschaut. Sie beschreibt die Evolution über „Popping“ (ruckartige Bewegungen wie von Robotern) und „Locking“ (Streetdance) hinaus zu „Powermoves“ (Drehungen) und „Freezes“ (wenn die Bewegung quasi einfriert). „Das kam alles Anfang der 80er“, sagt die 17-Jährige.

Ihr Bruder Jonas brachte Ida früh mit Rap-Musik in Berührung. Zudem beeindruckten sie die Konzerte ihres Onkels Sascha Wegner, der als Teil der Tübinger Hölderlin Squad rappte. Mit 13 begann sie mit Breakdance. Zuvor hatte sie HipHop-Tanz ausprobiert – „das war nicht das Richtige.“ Als Kind hatte Ida Winter Ballett-Unterricht. Die Biegsamkeit hat sie sich erhalten: „Es ist bei Training und Wettkampf sehr wichtig, gedehnt zu sein, um sich nicht zu verletzen“, sagt sie. Sie empfiehlt, sich jeden Tag mindestens zehn Minuten und immer andere Stellen zu dehnen, man werde immer dehnbarer. Weil man umso kreativer werde, je länger man tanze, hat sie ein Markenzeichen, eine Bewegung, die ihr so schnell niemand nachmacht: Sie verschränkt ihre Finger hinter dem Kopf, zieht zunächst ein Bein durch die Öse, die so entstanden ist, und schlingt dann den Rest des Körpers hindurch. „Manche flippen aus, wenn ich das mache, weil sie es selbst nicht hinbekommen.“

Was ist eigentlich mit der Fernsehshow „Got to Dance“? Das Niveau dort sei höher, als bei jeder anderen Casting-Show, sagt die Ex-Wachendorferin. Ein paar der Tänzer, die in der Show mitmachten, habe sie bereits getroffen. Bei einem habe sie eine Unterrichtsstunde genommen. Ein anderen sei Schiedsrichter bei einem ihrer „Battles“ gewesen. „Battles“ – Wettkämpfe mit anderen Crews – haben ihren speziellen Reiz. Die Komposition der Bewegungen, bis hin zum Erfinden von Übergängen zwischen Gruppen- und Solo-Parts, habe etwas von Improtheater, sagt die 17-Jährige. „Anfang Juni haben wir angefangen, für eine Battle im August zu üben – die Show war erst zwei Tage vor der Aufführung fertig.“ Als Höhepunkt ihrer Karriere sieht Ida Winter dementsprechend nicht die nationalen Titel an, sondern die Teilnahme am nationalen Battle Of The Year vor drei Jahren, zusammen mit ihrer Tübinger Gruppe: „Wir wurden Fünfte!“ Die internationale Version davon gilt als inoffizielle Weltmeisterschaft. National müsse man Erster werden, um sich dafür zu qualifizieren und das, sagt Ida Winter, sei „der Traum jedes Tänzers.“ Sechs Minuten Programm müsse man dafür einstudieren. „Es braucht Zeit, bis alle Bewegungen synchron sind.“ Acht Tänzer und zwei Trainer sind Teil ihrer Crew. Den Anfang für eine Choreografie zu finden sei die schwerste Arbeit.

Der Umzug ihrer Familie aus Wachendorf nach Lustnau vor zwei Jahren hat ihr einiges an Zeitersparnis gebracht. Heute trainiert sie meist drei Stunden Breakdance und eine Stunde HipHop – täglich. Ersteres um sich Kraft für Hebefiguren und diverse Schwünge anzueignen. Das tut sie meist in Jugendhäusern, am liebsten in der Tübinger „Pauline“. Da gibt sie auch ihr Wissen weiter. Am liebsten, sagt sie, würde sie ihr Hobby zum Beruf machen. Sie könne sich vorstellen, Tanzen mit Sozialarbeit zu verbinden. Gibt es ein besseres Vorbild für Jugendliche als eine mehrfache Deutsche Meisterin?

Tanzen:
            Die Ex-Wachendorferin Ida Winter holt sich den Titel der Deutschen Meisterin im
Die Deutsche Meisterin im Breakdance Ida Winter trainiert im Tübinger Jugendhaus Pauline: Meist umfasst ihr Pensum vier Stunden am Tag. Bild: Sommer

Vor drei Jahren wurde Ida Winter deutsche Vizemeisterin – es war ihr zweiter Wettkampf. Seitdem gewann die Ex-Wachendorferin zweimal den in der Szene viel beachteten Bodensee-Cup und holte bei diversen „Battles“ Podestplätze. 2013 und 2015 holte sie jeweils den nationalen Titel. 2014 scheiterte ihre erste Titelverteidigung an einem Streik der Bahn – sie bekam den Zug nach Schweinfurt nicht. „Ich war zwei, drei Stunden zu spät da, zu spät, um mich anmelden zu können. Das war sehr ärgerlich, „sagt Ida Winter, denn: „Ich habe die anderen tanzen sehen – ich hätte es auf jeden Fall packen können.“ Wichtiger noch aber als die nationalen Titel sei ihr die Teilnahme am Battle of The Year. Vor drei Jahren wurde sie mit ihrer Tübinger Gruppe Fünfte.

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05.11.2015, 12:00 Uhr

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