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Interview: "Ich mach‘ das gern"

Tatort-Kommissar Axel Prahl gibt sich am Samstag als Musiker ein Stelldichein

Mit Kollege Jan Josef Liefers bildet er im Tatort Münster eines der schrulligsten TV-Kommissar-Paare. Am Samstag, 2. August um 19.30 Uhr tritt er als Musiker im Sudhaus-Biergarten auf: Axel Prahl. Wir haben ihn angerufen.

29.07.2014

TAGBLATT: Herr Prahl, Sie haben gerade geheiratet, Glückwunsch! Und da gehen Sie auf Tour?

Axel Prahl: Die Flitterwochen holen wir nach. Versprochen.

Die wenigsten Leute wissen, dass es den Musiker Axel Prahl gibt, und zwar viel länger als den Schauspieler. Wann haben Sie den Musiker wiederentdeckt?

2011, im zarten Alter von 51 Jahren. Wobei ich als Schauspieler den Musiker auch immer brauchen konnte, sei es in der Dreigroschenoper oder in Musicals wie Linie 1 oder Rocky Horror Picture Show.

Filmdreh und Livekonzert – fühlt sich das eine mehr nach Arbeit, das andere mehr nach Erholung an oder sind es einfach zwei unterschiedliche Arten von Arbeit?

Ich würde sagen zwei unterschiedliche Arten von Arbeit. Beim Drehen hast du manchmal lange Pausen am Set, bis die Szene eingerichet ist. Beim Auftritt hast du vorher Soundcheck, das dauert, bis alles stimmt. Aber der Applaus am Abend ist schon was ganz anderes, unvergleichbares. Da kommt die Quote nicht ran.

Auf Ihrer CD spielen Sie mit dem Inselorchester, aber auch das Filmorchester Babelsberg ist dabei. Die werden kaum alle in Ihren Tourbus passen. Lieben Sie es, Live-Fassungen zu basteln?

Also ich muss sagen, die Lieder klingen live fast wie auf CD. Ich habe ein Streichquartett dabei und dann gibt es noch digitalen Streichersound, der klingt ziemlich flächig, das ist vom Babelsberger Orchester gar nicht so weit weg.

Ein Blick auf ihre Auftrittsorte: Gewandhaus Leipzig, Mozartsaal Wien. . . da ist Tübingen Sudhaus Openair schon eine andere Kategorie. Mögen Sie solche Unterschiede?

Also ich komm’ ja nun aus Neustadt in Holstein, einem Gebiet, in dem Kultur wirklich missionarische Arbeit war, die hauptsächlich von fahrendem Volk wahrgenommen wurde. Man war angewiesen darauf, dass Künstler vorbeikamen. Insofern mag ich das nicht so, wenn einige meiner Kollegen sich zu schade sind, auf kleineren Bühnen aufzutreten. Ich mach’ das gern.

Wie der Name schon sagt, wurde im Sudhaus früher mal Bier gebraut. Stimmt es, dass Sie als Student mal Bier ausgefahren haben?

Absolut korrekt. Das war eine schöne Sache. Morgens den Lkw voll laden. Und wenn er leer war, war die Schicht um.

Vor dem Schauspielstudium haben Sie Musik und Mathematik studiert. Können Sie Infinitesimalrechnen?

Was?

Infinitesimalrechnen?

Integralrechnen?

Ja, meinetwegen auch das. Können Sie Integralrechnen?

Ja, doch, ich glaube, wenn ich mich da wieder ein bisschen reinknien würde, könnte ich das wieder. Aber Integralrechnen ist schon das Limit, da kommt nicht mehr viel drüber. Na ja, ich habe ja auch nur Lehramt studiert. Die reine, hohe Mathematik – ich denk mal, das wäre doch nichts für mich.

Entspringt Ihr Lied „Wilde Welle“ eigentlich einer Schauspieler-sprachübung?

Ach so (singt): „Eine wilde Welle wogte eine Weile mit dem Winde auf dem weiten Meer, wiegte wütend sich mit jeder Woge. . .“, nein, das war keine Sprachübung. Das entsprang einfach meiner Lust am Fabulieren.

Schön! Was erwartet die Zuhörer am Sonntag im Sudhaus-Biergarten?

Der Abend ist aufgeteilt. In der ersten Hälfte ein Programm mit Liedern, die ich früher gespielt habe, von Rio Reiser bis Gundermann. In der zweiten Hälfte spiele ich meine CD „Blick aufs Meer“ komplett von vorn bis hinten.

Jüngst war von einem Tatort-Kinofilm zu lesen – was gibt es neues von der Tatort-Front?

Also erst mal: Jan (Josef Liefers) und ich machen weiter. Das Drehbuch für den neuen Tatort liegt bereits auf dem Tisch. Ich kann nur sagen: Das wird – (lacht) also das hat’s in sich. Nur der Tatort auf der großen Leinwand – da gibt es doch allerhand juristische Fragen, die geklärt werden müssen, leider.

Interview: Peter Ertle

Tatort-Kommissar Axel Prahl gibt sich am Samstag als Musiker ein Stelldichein
Axel Prahl als Kommissar Frank Thiel. Am Samstag dann mit Gitarre. Bild: Agentur

Schon mit 14 Jahren gewann er einen Musikwettbewerb in seiner Heimatstadt. Eine Lehre in der Metallbranche brach er nach einem Jahr ab, lebte einige Monate als Straßenmusiker in Spanien, holte sein Fachabitur nach und studierte fünf Semester Musik und Mathematik an der Pädagogischen Hochschule Kiel. Es folgte ein Schauspielstudium, während dessen er in diversen Bands spielte. Danach Engagements auf Bühnen wie dem Landestheater Schleswig-Holstein oder dem Berliner Grips-Theater. Einem größeren Publikum wurde er in den neunziger Jahren in Filmen der Regisseure Max Färberböck und vor allem Andreas Dresen bekannt. Seit 2002 bildet er als Hauptkommissar Frank Thiel zusammen mit Jan Josef Liefers das Ermittlerpaar in Münster für den Tatort des WDR. 2011 bringt er die CD „Blick aufs Meer“, 2013 eine Live-CD heraus. Axel Prahl hat soeben zum dritten Mal geheiratet und vier Kinder.

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29.07.2014, 12:00 Uhr

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