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Guten Lutsch!

Tatort-Star Axel Prahl als Sänger mit seinem Orchester im Sudhaus

Axel Prahl, bekannt vor allem als „Tatort“-Kommissar Frank Thiel, überzeugte am Samstagabend auch als Musiker: Gut 550 Zuschauer kamen zum Konzert von Prahl und seinem Insel-Orchester ins Tübinger Sudhaus.

03.08.2014
  • Michael Sturm

Boah, nee! Wieder mal ein singender Schauspieler! Was soll das denn? Diese Vorurteile prallen spätestens ab, als Axel Prahl auf der Bühne des Sudhaus-Biergartens erscheint und George Gershwins „Summertime“ anstimmt. Engagiert und mit Seele. Dazu zupft er die Saiten seiner Akustikgitarre. Er habe es sich als Jugendlicher selbst beigebracht, das Instrument zu spielen, natürlich um Mädchen zu beeindrucken. Er sei 15 Jahre alt gewesen, als er das nun folgende Stück, die Ballade „Thank You“ schrieb.

Der erste Teil von Prahls Programm, mit Verweisen auf die Vorbilder Rio Reiser („Übers Meer“) und Gerhard Gundermann („Vater“), wirkt wie eine Rechtfertigung, dass er, der Darsteller des „Tatort“-Kommissars Frank Thiel, eben auch Musiker ist. Aber einer mit derselben Schlitzohrigkeit, demselben Witz und derselben Selbstironie, die Prahl als Schauspieler an den Tag legt. Mit Danny Dziuk, dem musikalischen Leiter seines Inselorchesters, liefert er sich ähnliche Ping-Pong-Duelle wie mit Professor Börne alias Jan Josef Liefers. Weil Dziuk nicht als Vorband auftreten wollte, habe er ihm, Prahl, ein Lied geschrieben: „Wenn zwei zueinander passen“. Das allerdings vorher bereits von Anett Louisan veröffentlicht worden sei. Aber in einer anderen Version. In diesem und dem einen oder anderen der folgenden Stücke nimmt sich Prahl als Frontmann zurück und geht ganz in seiner Rolle als einfaches Ensemblemitglied auf. Seine etwas rauere Stimme ergänzt sich im Refrain hervorragend mit dem nölig-nasalen Ausdruck von Dziuk.

Mit dem an diesem Abend elfköpfigen Inselorchester hat Prahl eine Ansammlung von Musikern dabei, die ihm ermöglichen, eine breite stilistische Palette zu bieten. Schlagzeug, Bass, der überzeugend rockende Gitarrist Johannes Feige, Jörg Mischke an Keyboards, Orgel und Akkordeon, drei Streicher sowie Michael Götz (Saxofon, Klarinette und Querflöte) – dieses Ensemble beherrscht Jazz, Swing, Pop und Rock. Prahl selbst mag zwar nicht unbedingt der allerbeste Sänger der Welt sein, aber seine Stimme ist überraschend variabel. Etwa in „Du bist nicht allein“, Titellied des gleichnamigen Films von Bernd Böhlich.

Prahl spielte die Hauptrolle neben Katharina Thalbach und sang das Titellied ein. Bei geschlossenen Augen werden ältere Besucher des Sudhaus-Biergartens überrascht gewesen sein: Das Inselorchester gibt diesem Stück nicht nur den für die 60er Jahre typischen twangigen Retro-Sound mit auf den Weg. Es ist Prahls Stimme, die überrascht: Sie kommt dem Original von Roy Black im Ausdruck, bis hin zum rollenden r des gebürtigen Augsburgers, erstaunlich nahe. Mehr noch: Es ist fast gespenstisch, wieviel Prahl hier darüber verrät, dass Roy Black ursprünglich kein Schlager-Fuzzy, sondern Rock‘n‘Roll-Sänger gewesen war.

Als Unterhalter ist Prahl äußerst überzeugend. In „Ich bin zu alt“ zieht er seine Weste – als wäre sie die Kapuze eines jugendlichen Möchtegern-Gangsters – derart albern über den Kopf, dass manche seiner Mitspieler Mühe haben, ihre Zwerchfelle zu kontrollieren. Er kokettiert damit, dass ihn viele, trotz seiner Herkunft aus Schleswig-Holstein, für einen Ossi hielten. Das sehe man ja an seiner Kleidung, habe einmal eine Frau gesagt. Die habe er dann glatt stehen gelassen. Die Entstehung seines Lieds „Im Spätverkauf“ bringt er quasi als gespielten Witz. Darin erzählt er vom Einkauf bei einem Lebensmittelhändler, einem Thai, der kein R aussprechen konnte und am Ende „Guten Lutsch“ wünschte. „Da musste ich meine Taschen abstellen und ihn umarmen“, erzählt Prahl.

Woraufhin er das Publikum anspornt, ihm und dem Inselorchester beim Singen zu helfen. Die Zuhörer, die ganz oben auf dem Hügel auf Bänken Platz genommen haben, überzeugen ihn. Aber erhört insgesamt zu wenig Frauenstimmen: „Kann es sein, dass hier nur Männer sind? Oder Staatsanwältinnen?“ Welch clevere Anspielung auf Mechthild Großmann, die im „Münster-Tatort“ die Staatsanwältin mit der unfassbar tiefen Stimme spielt. Er setzt eine pubertäre Fistelstimme ein, um zu demonstrieren, wie er sich das vorstellt. Dann lässt er das gesammelte Publikum im Stehen singen – Party-Atmosphäre!

Die zweite Hälfte des Konzerts beginnt deutlich verspätet: Zu Beginn der Pause grollt es am Himmel, dann gießt es. Als der ärgste Regen vorüber ist, räumt das Sudhaus-Team die Bänke und Stühle ab – sitzen will nun keiner mehr. Regencapes und Schirme, wohin man sieht. „Das zieht vorüber. Um viertel vor zehn soll es weiter gehen“, meldet Raoul Paslaru, der Programm-Macher vom Sudhaus.

Es geht weiter. Auch weil es dem Sänger ein Anliegen ist. Im zweiten Teil bietet er nämlich die Fortführung. Jetzt kommen seine Lieder. Stücke, die er gut zur Hälfte allein, zur anderen Hälfte zusammen mit Danny Dziuk geschrieben hat. Das Auftaktstück „Alle Mann an Deck“ einmal ausgenommen – das stammt ausschließlich aus Dziuks Feder. Prahl, so stellt sich nun heraus, ist ein versierter Songschreiber mit einem Faible für energisch treibende, aber immer swingende Rhythmen zu Texten über das Zwischenmenschliche, das Leben auf Reisen und das Meer. Die vielleicht charakteristischste Prahl-Weise ist das rotzige „Bla Bla Bla“ mit seiner unverhohlenen Kritik an der nichtssagenden Geschwätzigkeit unserer Zeit.

Dem schiebt er das Stück „Blick aufs Mehr“ hinterher, das er zusammen mit dem Inselorchester spielt, als das begeisterte Publikum Zugaben einfordert. Eine reicht lange nicht. Prasselnder Applaus zum Abschluss.

Tatort-Star Axel Prahl als Sänger mit seinem Orchester im Sudhaus
Ganz in sich versunken: der singende Schauspieler Axel Prahl.Bild: Sommer

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03.08.2014, 12:00 Uhr

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