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Taubblind - und mitten im Leben
Sie sind ein Ehepaar - und ein gutes Team: Der taubblinde katholische Diakon Peter Hepp und seine Frau und Dolmetscherin Margherita in Rottweil. Foto: Petra Walheim
Der einzige Diakon, der nichts hört und sieht: Peter Hepp aus Rottweil arbeitet als Seelsorger

Taubblind - und mitten im Leben

Peter Hepp aus Rottweil ist von Geburt an taub. Mit Ende 20 wurde er auch blind. Mit seinem Einsatz für Taubblinde wurde er zum Wegbereiter.

26.04.2016
  • PETRA WALHEIM

Rottweil. "Das Bundesverdienstkreuz macht mich optimistisch, und es ist für mich ein Zeichen dafür, dass auch auf Bundesebene bewusst geworden ist, dass es Taubblinde gibt." Wenn Peter Hepp das "sagt", klingt das zunächst befremdlich. Doch er hat die Erfahrung gemacht, dass sich viele Hilfsangebote an taube oder blinde Menschen richten, nicht aber an Taubblinde als eigenständige Gruppe. Er hat mehr als zehn Jahre dafür gekämpft, dass sich das ändert.

Mit Erfolg. Peter Hepp hat von Bundespräsident Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz zuerkannt bekommen als Zeichen der Anerkennung seines Einsatzes für Taubblinde. Peter Friedrich, Minister für Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten hat es ihm in Rottweil angesteckt.

Dort hat Peter Hepp seinen Dienstsitz. Er ist der erste und bisher einzige katholische taubblinde Diakon in Deutschland und im Auftrag der Diözese Rottenburg/Stuttgart als Seelsorger für Taubblinde tätig. "Die Diözese war die erste, die erkannt hat, dass es für Taubblinde eine eigene Seelsorger-Stelle braucht", sagt der 54-Jährige. Wobei "sagen" das falsche Wort ist. Kommunikation ist mit ihm nur über das "Lormen" möglich. Das ist ein Alphabet für Taubblinde, bei dem die Buchstaben in die Handinnenfläche getippt werden. Meist stellt sich Hepps Frau Margherita als Dolmetscherin zur Verfügung.

Die Seelsorger-Stelle für Taubblinde gibt es seit dem Jahr 2000, sie wurde für Hepp geschaffen. Seit 2003 ist er Diakon, was nicht selbstverständlich ist. Bis dahin war es taubblinden Menschen kirchenrechtlich nicht möglich, die Ausbildung zum Diakon zu machen. Auch da hat Peter Hepp Wege geöffnet.

Bis er die Kraft dazu hatte, musste er mehrere Krisen überstehen. Er wurde 1961 in Ehingen/Donau taub geboren, kam aber im Internat einer Gehörlosenschule in Schwäbisch Gmünd mit seiner Behinderung gut zurecht. Mit Mitte zwanzig verschlechterte sich sein Sehvermögen dann stark. Zu der Zeit war er in den Behinderten-Werkstätten in Heiligenbronn bei Schramberg (Kreis Rottweil) tätig. Zuvor hatte er sich in Laupheim zum Maschinenschlosser ausbilden lassen und in dem Beruf gearbeitet. Doch er spürte, dass das nicht sein Weg war. "Ich hatte kein Interesse mehr an Technik. Ich wollte mit Menschen arbeiten." Deshalb ging er nach Heiligenbronn.

Als bei ihm 1989 das Usher-Syndrom diagnostiziert wurde, stürzte ihn das in große Verzweiflung. Die Krankheit verläuft meist so, dass frühe Gehörlosigkeit eine fortschreitende Sehbehinderung bis hin zur Erblindung folgt. "Ich hatte Angst, zur Passivität verdammt zu sein", sagt Hepp. Dabei spürte er, dass er aktiv bleiben musste - auch auf seinem spirituellen Weg und in der Nachfolge Jesu. "Aber wie sollte ich als Taubblinder diesen Weg gehen? Wie sollte ich in der Gesellschaft leben und arbeiten?" Mit diesen Fragen und mit Gott stritt er heftig. "Das war eine schwere Auseinandersetzung." Aber er gab nicht auf.

Er schulte in Heiligenbronn um zum Korbflechter, zog nach Heidelberg, um dort Korbmöbel zu restaurieren. In einer Klinik lernte er seine spätere Frau Margherita kennen. Sie fand 1999 eine neue Arbeitsstelle als Logopädin in Rottenburg. Hepp fand dort Antworten auf seine Fragen. "In Rottenburg kam das Gefühl der Berufung, es wurde klar, wie ich den Weg gehen konnte." Die Diözese unterstützte ihn. Seine Frau machte eine Ausbildung zur Gebärdensprach-Dolmetscherin und hilft ihm bei seiner Arbeit. Die besteht darin, Taubblinde zu unterstützen. Hepp gibt Seminare über Taubblindheit. Er hilft, Selbsthilfegruppen zu gründen, ist sozial und politisch aktiv. "Es geht darum, das Bewusstsein dafür zu schaffen, was Taubblinde brauchen." Dafür ist Peter Hepp im Einsatz.

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26.04.2016, 10:00 Uhr

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