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Tausende Koch-Azubis brechen die Lehre ab
Junge Köche sind inzwischen Mangelware. Foto: dpa
Ausbildung

Tausende Koch-Azubis brechen die Lehre ab

Mehr als 2200 Lehrstellen sind unbesetzt. Die Anforderungen sind hoch, der Frust am Herd auch.

08.11.2016
  • DPA

Erfurt/Berlin. Andreas Becker schlägt Alarm: In so manchem Gasthof oder Restaurant könnte in den nächsten Jahren die Küche kalt bleiben oder die Zahl der Ruhetage steigen. Der Grund: Es gibt im deutschen Gastgewerbe – einer Branche mit rund 77 Mrd. EUR Jahresumsatz – immer weniger Kochprofis am Herd. „Wir haben ein riesiges Nachwuchsproblem. Überall fehlen Köche“, sagt der Präsident des Verbands der Köche Deutschlands.

Becker, selbst Küchenchef in Trier, verweist auf seit Jahren sinkende Ausbildungszahlen. „Und die Abbrecherquote ist sehr hoch.“ Und das, obwohl TV-Kochshows und Kochblogs im Internet das Image der Köche aufpoliert haben?

Nach Zahlen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) waren im Jahr 2006 noch fast 43 000 junge Leute in der dreijährigen Koch-Ausbildung. Inzwischen sind es nur noch knapp halb so viele. Obwohl das Ausbildungsjahr längst begonnen hat, sind laut Bundesarbeitsagentur für Arbeit noch mehr als 2200 Lehrstellen für Köche unbesetzt.

Matthias Jackait, er gehört als Youngster zur deutschen Koch-Nationalmannschaft, kennt die Ursachen für das Personalproblem aus eigener Erfahrung. „Von 32 Köchen in meiner Berufsschulklasse haben 23 die Lehre abgeschlossen. Davon kochen weniger als zehn heute noch“, erzählt der 24-Jährige, für den Koch der Traumjob ist. Ein Schülerpraktikum hat bei dem gebürtigen Franken die Kochlust geweckt. Nun sorgt er in einem Gourmetrestaurant im bayerischen Johannesberg für exquisite Menüs und hat sich in der Küchenhierarchie bereits hochgearbeitet. Der Koch-Beruf erfordere Leidenschaft und Fleiß. „Körperlich anstrengend ist es auch. Und ein Koch arbeitet, wenn seine Freunde frei haben.“

Skeptisch sehen viele Kochprofis die allgegenwärtigenTV-Kochshows, bei denen in lockerer Runde und kurzer Zeit etwas Leckeres gebrutzelt wird. „Junge Leute sagen, ja, geil, das will ich auch“, erzählt Roland Kestel, Berufsschullehrer für Köche in Nürnberg und Mitglied im Verbandsvorstand. „Die Realität ist aber keine Kochshow.“ Einkauf, Kalkulation, Vorbereitung, Gemüseschnippeln, Küchenhygiene – das werde im Fernsehen seltener gezeigt.

Das Gastgewerbe ist mit mehr als 2,1 Mio. Beschäftigten einer der großen Arbeitgeber in Deutschland. „Wir müssen sehr um Nachwuchs kämpfen“, sagt Dehoga-Sprecher Christopher Lück. Gründe dafür seien vor allem die sinkende Zahl der Schulabgänger und der Trend weg von der dualen Ausbildung hin zum Studium. Koch gehöre zwar noch immer zu den 20 größten Ausbildungsberufen. „Es ist für Betriebe aber schwerer geworden, motivierte junge Menschen zu finden.“ Nach Angaben von Industrie- und Handelskammern brechen im Schnitt bis zu einem Drittel der Kochlehrlinge die Ausbildung ab. dpa

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08.11.2016, 06:00 Uhr

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