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Präsidententreffen

Tauwetter zwischen China und Taiwan

Erstmals in der Geschichte der beiden Staaten reichen sich die Präsidenten von China und Taiwan die Hand. In Taipeh gefällt das vielen nicht.

09.11.2015
  • FELIX LEE

Viel hatten sie der Öffentlichkeit nicht zu sagen. Das war so ausgemacht. Ebenso, dass keine Flaggen gezeigt werden. Auch die Titel als Präsidenten kamen nicht zur Sprache. Stattdessen galt die Ansprache: Herr Xi und Herr Ma. Umso länger fiel der Handschlag aus. Ehe sich die Präsidenten von China und Taiwan im Singapurer Shangri-La-Hotel zurückzogen, schüttelten sie sich gefühlte fünf Minuten lang die Hände, ihr Lächeln wirkte echt. "Keine Kraft kann uns trennen. Wir sind eine Familie", sagte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping bei laufender Kamera zu seinem taiwanischen Amtskollegen Ma Ying-Jeou. Der erwiderte: "Beide Seiten sollten die Werte und die Lebensweise des anderen respektieren."

"Historisch" nannten beide Seiten das Treffen zuvor. Und die Tatsache, dass es erstmals seit Ende des chinesischen Bürgerkriegs 1949 dazu kam, stellt eine Zäsur dar. Beide Seiten sind sich offiziell auch 66 Jahre später spinnefeind und erkennen sich nicht an. Die kommunistische Führung in Peking betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz. Die demokratisch gewählte Regierung in Taipeh sieht sich wiederum als rechtmäßige Führung Chinas an - wird aber auf Druck Pekings weltweit nur noch von 22 Staaten und dem Vatikan anerkannt.

"Wir zeigen der Welt, dass das chinesische Volk die Fähigkeit und den Willen für eine friedliche Zusammenarbeit hat", sagte Xi nach dem nicht einmal halbstündigen Gespräch. "Wir sind verschiedenen Wirtschaftssystemen gefolgt, haben aber auch viele Gemeinsamkeiten", betonte Ma. Heikle Themen sprachen beide Seiten nicht an.

Seit 1992 gibt es eine wirtschaftliche Annäherung zwischen Taiwan und dem Festland. Firmen aus Taiwan können in der Volksrepublik investieren. Seit 2008 verkehren auch Passagierflugzeuge zwischen beiden Seiten der Taiwan-Straße. Zehntausende taiwanische Geschäftsleute betreiben in der Volksrepublik Fabriken. Präsident Ma hat Tourismus aus der Volksrepublik zugelassen. Die Insel ist heute einer der beliebtesten Ferienorte der Festlandchinesen. Doch vor allem mit dem Investitionsabkommen ist Ma aus Sicht vieler Taiwaner zu weit gegangen. Schon vorher hatte die Opposition immer wieder gewarnt, Taiwan mache sich zu abhängig von China. 40 Prozent des taiwanischen Exports geht in die Volksrepublik.

Sehr viel weniger harmonisch als in Singapur ging es am Samstag in Taiwans Hauptstadt Taipeh zu. Hunderte von Demonstranten versuchten morgens das Parlament zu stürmen. Nachmittags demonstrierten Tausende in der Innenstadt. Auf Plakaten nannten sie Xi einen "Diktator" und Ma einen "Verräter".

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09.11.2015, 12:00 Uhr

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