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Raus aus der Baracke

Technisches Rathaus wird für 19,2 Millionen Euro saniert und erweitert

Einstimmig hat der Tübinger Gemeinderat die Sanierung und Erweiterung des Technischen Rathauses in der Brunnenstraße beschlossen. Mit mehr als 19 Millionen Euro Kosten handelt es sich um eines der größten Bauvorhaben in der jüngeren Stadtgeschichte. Oberbürgermeister Boris Palmer sprach von einem Jahrhundertprojekt.

20.12.2014
  • Gernot Stegert

Tübingen. Fast 20 Mitarbeiter des Technischen Rathauses saßen am Donnerstagabend auf der Gästetribüne des Sitzungssaals im Landratsamt und warteten auf Tagesordnungspunkt 5. Da ging es um ihren Arbeitsplatz. Als dann bei der Abstimmung die Hände aller Stadträtinnen und Stadträte nach oben gingen, sprach OB Palmer von einem „historischen Bild“ und applaudierten die Mitarbeiter. Die Freude über die Aussicht auf zumutbare Arbeitsverhältnisse stand auf ihren Gesichtern.

Wie nötig die große Investition ins Technische Rathaus ist, hatte zuvor nochmals Andreas Haas, Fachbereichsleiter Hochbau, skizziert. Die Baracke mit dem Baurechtsamt sei schon lange abbruchreif. Brandschutz gebe es fast keinen, Menschen mit Behinderungen würden ausgegrenzt, in den Fahrstuhl passe kein Rollstuhl. Die Einteilung der Arbeitszimmer im Hauptgebäude sei nicht funktional. Außerdem seien die Mitarbeiter des Baudezernats auf viele Gebäude in der Stadt verteilt.

Geplant ist zunächst der Abriss der Baracke. Dadurch entsteht Platz für einen öffentlich zugänglichen Grünraum hin zur Ammer. Dann wird das bestehende Gebäude gründlich innen wie außen saniert. „Seit 25 Jahren wurde nichts mehr gemacht“, entsprechend sei der Zustand, sagte Baubürgermeister Cord Soehlke. Barrierefreiheit und Brandschutz werden gewährleistet. Der Energieverbrauch soll sich künftig halbieren. Das zeittypische Treppenhaus wird erhalten. Ein neuer Sitzungssaal soll auch für nichtstädtische Veranstaltungen genutzt werden können.

Vor das bestehende Gebäude wird ein Neubau angefügt, der sich an die Kurve der Brunnenstraße schmiegt. Dieser ist ebenerdig zu betreten. Im Eingangsbereich soll das Servicecenter Bauen in einem Atrium Besucher empfangen.

Der bei einem Architektenwettbewerb vor einem Jahr siegreiche Entwurf des Büros Ackermann und Raff hat nach der Jury auch die Verwaltung und den Gemeinderat überzeugt. Verbesserungsvorschläge im Laufe vieler Besprechungen und Ausschusssitzungen wurden aufgenommen. Die Fenster der Fassade etwa sind nun unregelmäßiger geplant als zunächst vorgesehen, um das Gebäude nicht massiv wirken zu lassen. Das Material soll heller Ziegel sein, vermutlich weiß oder grau, so Haas.

Insgesamt kosten Sanierung und Anbau nach der Berechnung vom November 18,4 Millionen Euro. Bei einer Schätzung im Juli waren es noch 19 Millionen gewesen. Damit sind die Ausgaben für einen Quadratmeter Bruttogeschossfläche von 2782 Euro auf 2153 Euro gesunken. Hinzu kommen für die Möblierung 734 000 Euro und für eine Photovoltaikanlage 66 000 Euro. Das sind zusammen 19,2 Millionen Euro. Das ist viel Geld. Ein kompletter Neubau hätte aber 23,6 Millionen Euro gekostet, wie Haas sagte.

In den Stellungnahmen der Fraktionen lobten fast alle die Pläne – besonders die Verbindung von Alt und Neu – und nannten Sanierung und Ausbau überfällig. Immer wieder fiel das Wort „endlich“. 19 Millionen Euro seien zwar sehr viel Geld, aber die Investition sei nicht länger aufschiebbar und halte Jahrzehnte. Einzig die CDU brachte Einwände vor. Albrecht Kühn sprach von Kröten, die zu schlucken seien. „Wir hätten lieber einen Neubau“, sagte er, vermisste Reserveräume für weitere Mitarbeiter und kritisierte das Heranrücken an die Brunnenstraße. Da werde der Horizont verbaut. Wegen der Mitarbeiter im Technischen Rathaus aber stimme die CDU zu.

Palmer dankte nach dem Baubeschluss den Stadträtinnen und Stadträten im Namen aller Mitarbeiter. Baubeginn soll im November 2015 sein. Die Mitarbeiter werden zwischenzeitlich unter anderem im Blauen Turm untergebracht. Der Einzug ist für den Winter 2017/18 geplant.

Technisches Rathaus wird für 19,2 Millionen Euro saniert und erweitert
Die Fassade aus hellem Ziegel, hier von der Brunnenstraße aus, soll durch unterschiedliche Fenstergrößen aufgelockert werden – kleine Veränderungen sind noch möglich. Ansichten: Plan Ackermann und Raff, Tübingen

Technisches Rathaus wird für 19,2 Millionen Euro saniert und erweitert
Das sanierte und erweiterte Technische Rathaus (untere Mitte) fügt sich in die neu gestaltete Landschaft an der Ammer zwischen Wilhelmstraße (links) und Parkplatz hinter der Schindelstube (rechts). Auf dem Lageplan ist der obere Teil des Technischen Rathauses das sanierte Gebäude, die untere gebogene Hälfte der Neubau.

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20.12.2014, 12:00 Uhr

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