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Ted Cruz - das geringere Übel
Die Bosse der republikanischen Partei haben sich entschieden: Ted Cruz soll Donald Trump als Präsidentschaftskandidaten aufhalten. Foto: laif
US-Republikaner setzen auf den Senator, um Trump als Präsidentschaftsbewerber zu verhindern

Ted Cruz - das geringere Übel

Um den unberechenbaren Donald Trump zu verhindern, wollen etablierte Republikaner Ted Cruz als ihren Kandidaten fürs Weiße Haus durchsetzen. Dabei mögen sie den erzkonservativen Juristen überhaupt nicht.

13.04.2016
  • PETER DE THIER

Seit Monaten versuchen in den USA etablierte Mitglieder der republikanischen Partei, den Siegeszug des Immobilienmoguls Donald Trump zu begrenzen. Gewiss hat die Erfolgsserie in den vergangenen Wochen an Schwung verloren. Sie ganz aufzuhalten soll nun aber Sache eines Mannes werden, der jede Menge Feinde in der eigene Partei hat und zu den meist gehassten Politikern in Washington zählt: Ted Cruz. Doch mit der Rückendeckung der Parteibosse und überzeugenden Siegen bei den letzten vier Vorwahlen, hat der texanische Senator ein erzkonservativer Vertreter des "Tea Party"-Flügels, mittlerweile gute Chancen, bei dem Nominierungsparteitag im Juli zum Spitzenkandidaten der Oppositionspartei gekürt zu werden.

Seit Barack Obamas Aufstieg hat kein Politiker einen vergleichbaren Höhenflug hingelegt. Als Sohn eines Exilkubaners und einer amerikanischen Mutter irischer Abstammung wurde Rafael Theodore Cruz 1970 in Calgary, Kanada geboren, verbrachte aber seine gesamte Kindheit in Houston, Texas. Nach glänzenden Abschlüssen an zwei der besten US-Universitäten arbeitete der Jurist einige Jahre in einer privaten Kanzlei.

Kurz nach der Jahrtausendwende lockte ihn dann die Politik. Ein alter Studienfreund der Princeton Universität holte seinen früheren Kommilitonen als Berater für die Präsidentschaftskampagne von George W. Bush und Dick Cheney an Bord.

Als im November 2000 das Tauziehen um den Sieger einer Wahl begann, in der der amtierende Vizepräsident Al Gore 550 000 Direktstimmen mehr als das republikanische Gespann auf dem Konto hatte, wurde der gerade 29-jährige Cruz in jenes Team von Anwälten berufen, das Gerichte zu überzeugen hatte, dass Floridas Wahlmänner, ungeachtet des Stimmergebnisses Bush zugerechnet werden sollten. Nach 36 Tagen schloss sich der Oberste Gerichtshof in Washington den Argumenten des jungen Anwalts und seiner Kollegen an und schenkte George W. Bush den Wahlsieg.

Damit war zugleich die politische Laufbahn eines Mannes, den der berühmte Rechtsprofessor Alan Dershowitz "den vielleicht brilliantesten Juristen seiner Generation" nennt, vorgezeichnet. Der neu gewählte Präsident belohnte Cruz mit Positionen in der Kartellbehörde Federal Trade Commission und dem US-Justizministerium. Mit Anfang 30 zog er dann mit seiner frisch angetrauten Ehefrau Heidi, die er während des Wahlkampfs kennengelernt hatte, in die Wahlheimat Texas zurück. Dort ernannte der Gouverneur den gebürtigen Kanadier zum stellvertretenden Justizminister. Nicht weniger als neun Mal vertrat Cruz die Landesregierung vor den hohen Richtern in Washington.

Sein größter Erfolg war nach eigener Darstellung ein Fall, in dem er die Hinrichtung in Texas inhaftierter mexikanischer Verbrecher durchboxte und sich damit eiskalt über Beschlüsse des Internationalen Gerichtshofs hinwegsetzte. Der Fall gibt einen Vorgeschmack darauf, wie es unter einem Präsidenten Ted Cruz um die Achtung völkerrechtlicher Regeln und Institutionen aussehen könnte.

Vor vier Jahren bewarb sich der Außenseiter mit Erfolg um einen frei werdenden Sitz im US-Senat. Als einer von zwei Vertretern aus Texas fiel der ideologische Purist vom ersten Tag an durch seine Ellenbogenmentalität, seine rechtsgerichteten Positionen und die ständige Bereitschaft auf, selbst seinen Parteikollegen in den Rücken zu fallen. "Ich bin ein Republikaner, doch meine Loyalität gilt der amerikanischen Verfassung", erklärte Cruz seine rigiden Positionen. So beschimpfte er Parteifreunde, die Obamacare, das staatliche Krankenversorgungsprogramm unterstützten, als "rückgratlose Feiglinge" und "Lügner". Besonders häufig legte er sich mit John McCain, einem der angesehensten Republikaner auf dem Kapitolshügel an, der Cruz als "bekloppten Vogel" beschimpfte.

Nun aber, wo es darum geht, eine Alternative zum populistischen und selbstdarstellerischen Demagogen Donald Trump zu finden, haben sich die Entscheidungsträger in der Partei schlichtweg auf das geringere Übel verständigt. Selbst Lindsey Graham, ein konservativer Senator aus South Carolina, dessen einst vielversprechende Präsidentschaftskandidatur kläglich scheiterte, war kürzlich Gastgeber einer aufwändigen Wahlveranstaltung zu Ehren des neuen "Establishment Favoriten". Bemerkenswert ist das deswegen, weil Graham wenige Wochen zuvor noch gesagt hatte, dass "wenn jemand im Plenum des Senats Ted Cruz ermorden würde und der Prozess im Senat stattfände, niemand den Täter verurteilen würde".

Eine ähnliche Kehrtwende haben auch gemäßigte Republikaner vollzogen. Dass der texanische Senator "flächendeckend Bomben" über Gebieten abwerfen würde, die von der Terrormiliz IS kontrolliert werden, Folter für zulässig hält und "eine noch dichtere Mauer an der Grenze zu Mexiko" bauen will als selbst Trump dies angekündigt hat, praktisch jede Form von Waffenkontrolle ablehnt und das Bundesfinanzamt auflösen möchte, "damit jeder Amerikaner eine simple Steuererklärung abgeben kann, die auf eine Postkarte passen würde", gefällt den Etablierten ganz und gar nicht. Glücklich sind Republikaner aber darüber, dass er den Klimawandel leugnet, Abtreibungen ebenso wie Ehen zwischen Gleichgeschlechtlichen verbieten will und verspricht, das Nuklearabkommen mit Iran zu "zerreißen".

Schaffen kann es der tief gläubige Südstaatenbaptist durchaus, dem sein Vater schon als Vierjährigem aus der Bibel vorlas und ihm einflößte: "Du hast besondere Gaben und wirst einer der ganz Großen, weil Gott es so gewollt hat."

Ob Ted Cruz und die etablierten Republikaner aber Trump noch den Rang ablaufen können, wird in den kommenden Wochen entschieden. Der nervös gewordene Milliardär, der seinem Hauptrivalen weder intellektuell noch rhetorisch gewachsen ist, hat Cruz zum "Lügen-Ted" gestempelt.

Der Texaner aber bleibt gelassen. Er gibt sich siegessicher. Ein Gefühl, das bald verfliegen könnte, wenn Trump in seinem Heimatstaat New York haushoch gewinnt und auch in Kalifornien einen Etappensieg verbuchen würde. Selten blieb so lange offen, wie der Spitzenkandidat der Republikaner für die US-Präsidentenwahl heißen wird. Dauern könnte die Ungewissheit über die Vorwahlen hinaus bis zum 21. Juli, wenn die Entscheidung auf dem Parteikonvent in Cleveland fällt.

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13.04.2016, 06:00 Uhr

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