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Tee kommt 18 Millionen Mal
in den  Beutel – pro Tag
Beuteltee ist besser als sein Ruf, sagt Maximilian Wittig vom Deutschen Teeverband, denn drin ist das selbe wie im losen Tee. Foto: Foto:© mates - fotolia.com
Getränke

Tee kommt 18 Millionen Mal in den Beutel – pro Tag

In der Nordheide nahe Hamburg verpackt die Firma LSH Tee. Der Werksleiter betont, dass es bei der Qualität keinen Unterschied zum losen Tee gibt.

24.11.2016
  • DPA

Buchholz. Von außen ist es nur eine nüchterne Fabrikhalle, doch gleich hinter der Tür erwartet den Besucher ein sanfter Duft. Drei alte Teekisten im Eingangsbereich verraten, was hier produziert wird. Das Werk gehört zur Laurens Spethmann Holding (LSH), hier bei Milford in Buchholz sind sie auf sogenannte Doppelkammer-Teebeutel spezialisiert.

„Das Herz ist der Abpackbetrieb“, sagt Werksleiter Michael Leuer. 400 Teebeutel in der Minute füllt jede der 43 Maschinen. Das ergibt bis zu 18 Mio. Beutel am Tag, rund 3,4 Mrd. im Jahr. Unter dem Dach der LSH hat die Ostfriesische Tee Gesellschaft (OTG) mit Sitz im niedersächsischen Seevetal ihre Marken Meßmer, Milford und OnnO Behrends vereint. Zusammen machten die drei Marken 2015 einen Umsatz von 250 Mio. EUR, die LSH erlöste 468 Mio. EUR. Das Familienunternehmen wird in vierter Generation von den Brüdern Jochen und Michael Spethmann geführt.

10 Milliarden Teebeutel im Jahr

Die LSH produziert in ihren Werken mehr als 10 Mrd. Teebeutel im Jahr – OTG und Teekanne sind hierzulande Marktführer. Teekanne ist ebenfalls in Familienbesitz, die Gruppe produziert jährlich 12 Mrd. Teebeutel. Bei Handelsmarken hat die OTG die Nase vorn, auch manch Beutel aus Buchholz ist für die großen Discounter bestimmt. Weltmarktführer ist das zum Unilever-Konzern gehörende Unternehmen Lipton.

In Buchholz schießen Filterpapier, Etiketten und die Umbeutel genannten Verpackungen von dicken Rollen in die Maschine, in der hinter einer Plexiglashaube alles zusammengeführt wird. Der Tee kommt in Rohren von oben, eine gewaltige Spule liefert den Faden aus Wolle. In einem großen Rad mit zwölf Fächern wird nun aus allem eins: der fertige Teebeutel, meist sind zwei Gramm Tee darin.

„Wir waren die ersten, die statt der Klammer einen Knoten für den Faden entwickelt haben“, sagt Werksleiter Leuer. „Dadurch sparen wir 50 Tonnen Aluminium im Jahr“, erklärt er. „Das Filterpapier ist aus der Bananenstaude.“ Papier und Beutel samt Inhalt seien so zu 100 Prozent kompostierbar. Bis 2020 soll der gesamte Tee aus nachhaltigem Anbau kommen.

Die OTG produziert zu 90 Prozent Beutel, der Rest ist loser Tee. Was ist nun der bessere Tee? „Das hängt einzig allein vom Blattgrad ab, aber die Qualität ist ein und dieselbe“, sagt Leuer. Der Blattgrad ist die Größe. Außer dem ganzen Blatt gibt es auch Broken, den kleineren Fannings und den ganz feinen Dust. „Im Teebeutel lösen sich die Aromen nur schneller, weil die Oberfläche größer ist“, erklärt Leuer, darum auch die Doppelkammer.

„In Beuteln befinden sich die gleichen Teeblätter wie in lose angebotenen Tees – sie sind nur kleiner“, bestätigt Maximilian Wittig vom Deutschen Teeverband und der Wirtschaftsvereinigung Kräuter- und Früchtetee. Qualitativ gebe es keine Unterschiede, sagt auch er.

Die Vielfalt ist groß

Vor allem bei den Teebeuteln ist die Vielfalt groß. „Wir haben bis zu 600 Sorten im Angebot“, sagt Leuer. 20 bis 30 Prozent der Sorten werden jedes Jahr neu entwickelt. „Vor allem Ingwer und Rooibos liegen im Trend, der grüne Tee ist seit Jahren ein Dauerbrenner“, berichtet er. Auch Bio-Tee nehme weiter zu. „Den größten Anteil haben die Kräuter- und Früchtetees, das sind auch die Treiber des Marktes“, so Leuer.

Um die Zukunft des Getränks macht er sich keine Sorgen. „Das geht durch alle Schichten“, sagt er. „Auch die Jugendlichen trinken viel Tee.“ „Derzeit erfahren Tees und vor allem Tee-Spezialitäten erfreulicherweise einen neuen Stellenwert“, sagt Verbandsmann Wittig. Tee stehe für Leichtigkeit und bewussten Genuss. „In diesen Trend passt Grüntee und hier insbesondere Matcha in allen Variationen – ob pur, als Matcha Latte oder als Zutat in Bars und Küchen.“

Der Teeverbrauch hängt dabei stark von den Jahreszeiten ab. „Wir merken das Wetter sofort, für uns könnte es immer knapp über Null mit Nieselwetter sein“, sagt Leuer. „Zwei Drittel des Jahresumsatzes werden im Winter gemacht.“ So wird im Sommer unter der Woche in zwei Schichten gearbeitet, im Winter sind es drei Schichten. dpa

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24.11.2016, 06:00 Uhr

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