Freudenstadt · Rockmusik

Teenager kreischen, Eltern zucken

Der Sonderauftritt von „Voice“ bei Kultur am Dobel ist längst ausverkauft. Wie eine Schülerband 40 Jahre lang durchhält.

19.12.2019

Von Hannes Kuhnert

Die Rockband Voice feiert Jubiläum: Hinten links Benny Bartels, davor Daniel Großbach, Ralf Günther und Sabine Mast. Rechts Klaus Heuser, daneben (mit Hosenträgern) Stefan „Paule“ Barth, rechts oben Burkhard Schmierer und Mitte hinten Uwe Stephan. Foto: Schneider

Die Rockband Voice feiert Jubiläum: Hinten links Benny Bartels, davor Daniel Großbach, Ralf Günther und Sabine Mast. Rechts Klaus Heuser, daneben (mit Hosenträgern) Stefan „Paule“ Barth, rechts oben Burkhard Schmierer und Mitte hinten Uwe Stephan. Foto: Schneider

„Ausverkauft“ erscheint in letzter Zeit immer häufiger in Verbindung mit der Freudenstädter Rockband „Voice“. Das galt schon beim knüppelvollen Rudert-Konzert im Oktober. Und jetzt wieder am kommenden Samstag bei Kultur am Dobel.

„Voice“ erfreut sich nicht erst zum 40-jährigen Bestehen, das in diesem Jahr gefeiert wird, neuer Beliebtheit. Gerade bei jungen Leuten, was einigermaßen verwunderlich ist. Und es verwundert vor allem die Acht-Mann-Band selbst, denn ihr Programm sind nicht die aktuellen Hits, sondern Stücke aus der „guten alten Zeit“, wenn man die 70-er, 80-er, 90-er so nennen mag.

Bezogen auf den Rock n‘ Roll ist das ja durchaus zulässig. Und dort fühlt sich Voice mit einer Mannschaft mit über 50 Lebensjahren ja auch zu Hause. Songs von Joe Cocker, Manfred Mann, Toto, Deep Purple und anderen Größen sind ihr Metier – und sie bringen nach wie vor Teenager zum Kreischen und ihre Eltern zum Zucken. Die Magie des Rock n‘ Roll eben.

Dabei hat alles so rührend angefangen. Gitarren haben die Schüler Ralf Günther und Daniel Großbach, 15 und 17 Jahre alt, im Jahr 1979zusammengeführt. Burkhardt Schmierer wollte auch mitmachen und bekam den Bass zugeteilt, ein für ihn relativ fremdes Instrument. „Wir hatten alle keine große Ahnung“, gesteht heute Ralf Günther freimütig. Mit Schlagzeuger Uwe Stephan war bald das klassische Quartett beisammen. Nach vielen wilden Proben im Keller, wo ein altes Röhrenradio als Verstärker herhalten musste und elektrische Schläge garantierte, folgte der erste Auftritt in Musbach. Ihm sollten, inzwischen ins Gartenhaus-Probelokal umgezogen, viele, viele Auftritte folgen in der Region zwischen Nagold und Schramberg.

Zunächst Klassenfeste und Feten in Jugendhäusern und Discotheken, dann bei größeren Veranstaltungen. Die Band spielte vorwiegend eigene Songs, vergrößerte sich, legte sich nach und nach einen Trompeter, einen Keyboarder, einen Saxophonisten und eine Sängerin zu, verlegte sich in ihrem Programm stärker auf Cover-Titel. Es gab im Lauf der Zeit zwar einige Personalwechsel an den Instrumenten und beim Gesang, aber der harte Gründerkern hielt wacker durch.

„Es war und ist die Freundschaft, die uns zusammenhält, der Spaß an der Musik und die
Lust am Rockn‘ Roll“, ist Ralf Günther noch heute überzeugt. „Es gab in all den Jahren nicht einen größeren Knatsch, und wir brauchen auch keinen Chef. Am
ehesten vielleicht noch Uwe Stephan, der hat am meisten Ahnung von Musik“. Denn ein Hobby bleibt das Musikmachen mit „Voice“ allemal.

Fast wäre es ja anders gekommen. In ihren erfolgreichsten Jahren Ende der 80-er bis Mitte der 90-er war Voice in Tonstudios, spielte Langspielplatten und CDS ein, produzierte Musikvideos, bekleckerte sich mit Ruhm als Vorband von „Ten Years After“, denen noch der Woodstock-Hauch anhaftete, kletterte in den Deutschland-Charts des Rockmusikverbands auf den elften Platz, spielte bis zu 25 Konzerte im Jahr.

Es bot sich die Chance, ins Profilager zu wechseln, und von der Ferne wedelte auch jemand mit einem Vertrag. „Aber wir waren ja alle noch in der Ausbildung oder beim Studium, wir konnten doch nicht einfach aussteigen. Da machten auch unsere Eltern nicht mit“, lächelt Günther. „Und das war gut so“, fügt er weise im abgeklärten Alter dazu.

Es blieb also beim Hobby, das sich auf halbwegs regelmäßige Proben, aufs Einstudieren neuer Songs und bis heute auf acht bis zehn Auftritte pro Jahr reduzierte. Da können auch Events beim Freudenstädter Stadtfest oder ein Open Air in Waldmössingen vor 1500 Besuchern drunter sein. Mehr und mehr geht Voice dazu über, für Auftritte feste thematische Konzepte zu entwerfen. Wie etwa beim Rudert-Festival den Tribute an Joe Cocker.

Für das Jubiläumsprogramm bei Kultur am Dobel hat sich Voice einiges einfallen lassen: „Voice plays Voice“. Will heißen, die Dame und die Herren spielen ihre alten Lieder aus ihren Gründerjahren: „Time ss money“ zum Beispiel oder „Love hurts“. Ralf Günther: „Das verlangte noch einmal intensives Proben. Wir haben dabei nicht schlecht gestaunt, was wir damals schon drauf hatten“. Mit dem eigenen Revival soll der erste Teil des Dobel-Abends bestritten werden. Und dann geht es weiter mit dem Cover-Programm. Es wird eine heiße Nacht im Stadthaus werden.

Die Besetzung von „Voice“ hat sich in den vergangenen Jahren übrigens kaum verändert. Es spielen und singen heute: Sabine Mast (Gesang), Daniel Großbach (Gesang, Gitarre), Uwe Stephan (Schlagzeug, Gesang), Burkhard Schmierer (Bass), Ralph Günther (Gitarre), Stefan Barth (Gitarre, Keyboard), Klaus Heuser (Trompete) und Benny Bartels (Saxophon).

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Erstellt:
19.12.2019, 01:00 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 17sec
zuletzt aktualisiert: 19.12.2019, 01:00 Uhr

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