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Acht Menschen können gewiss darin stehen

Teil 2: Wie die Dicke Eiche zu einem Ausflugsziel wurde

NEHREN (jon). Maler, Schriftsteller und Professoren pilgerten einst zur Dicken Eiche, in Gedichten und literarischen Tagebüchern ist das Nehrener Naturdenkmal verewigt worden. Als Ausflugsziel für Schulklassen, Studenten und Wandergruppen war sie weit über die Kreis-Grenzen hinaus im ganzen Land bekannt.

08.03.2003

Die Eiche ist weitberühmt, die weite Umgebung macht sich Sonn- und Feiertags zum Ausflug zu ihr auf, aus Tübingen kommen Studenten, um zu pokulieren, aus Sebastiansweiler zahlreiche Badegäste in Wandergruppen herüber. Der berühmte Maler Anselm Feuerbach hielt sich 1843 in Tübingen auf. In seinem Tagebuch schreibt er vom „Spazierenfahren als tägliche Beschäftigung“.

Es ging zur Wurmlinger Kapelle, zum Kloster Bebenhausen, zur Zollernburg oder zur Dicken Eiche, die also schon einen Rang unter den Sehenswürdigkeiten hatte. Feuerbach: „Wieder ein ander Mal an die sogenannte Nehremer Eicher, die 7 Männer nicht gut umspannen können. Ich nahm ein Stück Rinde mit. Innen ist sie hohl. Ein Mann kann aufrecht darin stehen.“

Die Schriftstellerin Marie Nathusius besuchte 1841 mit ihrem Gatten Gustav Schwab Gomaringen und bestaunte den Baum, „2000 Jahre alt, 8 Klafter im Umfang, wunderschön geschwungen und mit Moos bewachsen. Der Stamm ist zum Theil hohl; wir krochen in die Nische hinein, acht Menschen können gewiss darin stehen. Danach ruhten wir auf dem Rasen, aßen Kuchen und Birnen.“

Wanderführer

Auch in etliche Wanderführer ist die Eiche eingegangen. Professor Eugen Nägele, einer der Motoren des „Schwäbischen Albvereins“, schreibt 1876 in „Tübingen und seine Umgebung“: „Nehren war einst wegen seiner großen Eiche, die im nahen Fürstbergwalde steht, vielbesucht. Noch ist der Stamm des jahrhundertealten Baumes, der 1874 zusammenbrach, eine Riesenleiche, des Besuches werth. Sehr wünschenswerth ist die zum Schutze des Kolosses beabsichtigte Überdachung desselben. Die Dimensionen des Baumes sind wirklich ungeheuer und im hohlen Stamm kann bequem ein Mann stehen.“

Naturdenkmal

1939 wird die Eiche ins Verzeichnis der Naturdenkmale eingetragen. Im selben Jahr erzählt Bürgermeister Werner Heyd in einem Zeitungsartikel eine Geschichte: „Ein Bauer hörte in ihrer Nähe einmal singen. Da ihm das Lied gefiel, ging er dem Schall nach, und stand mit einem Mal vor der Eiche.“ Da sang aber nicht etwa Frau Venus bestrickende Lieder, um den Mann zu locken. Sondern es kam, im Gänsemarsch, eine vollständige Schulklasse zum Vorschein. „35 Kinder und der Lehrer, die Platz in der Höhle gefunden hatten.“

Die dicke Eiche von Nehren

von Hans Dürr Die dicke Eiche ist geborsten,

als morscher Leichnam liegt sie da.

Wie Trauer hängt’s in allen Forsten,

als jenes Unglück jäh geschah.

Ein Wipfel raunt’s dem nächsten Wipfel im leisen Flüstertone zu, in Ehrfurcht neigen sich die Gipfel,

der Patriarch fand ewige Ruh.

Der alte Riese musste fallen,

das schuf dem jungen Sprössling Raum.

Doch ständig wird es widerhallen,

das Loblied von dem alten Baum.

INFO

Hans Dürr hat auch das Gedicht über den Mössinger Generalstreik verfasst.


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