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Medizin

Telemedizin auf dem Land

Zum Hautarzt ist der Weg weit? Ein Projekt von Forschern und AOK untersucht Diagnosen per Datentransfer.

20.12.2016
  • Angelika Bachmann

Wer auf dem Land wohnt, hat Glück, wenn es dort noch einen Hausarzt gibt. Zum Facharzt ist der Weg oft noch viel weiter. Ein Forschungsprojekt des Instituts für Allgemeinmedizin am Tübinger Uni-Klinikum will jetzt erforschen, ob Telemedizin dabei helfen kann, in diesen und anderen Fällen die Qualität der medizinischen Versorgung zu sichern. Zwei Millionen Euro stellt der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss’ dafür in den kommenden drei Jahren zur Verfügung.

Konkret geht es darum, dass Hausärzte bei Hauterkrankungen einen Dermatologen über Telemedizin hinzuziehen können, um ein Krankheitsbild fachärztlich zu beurteilen. Bilder und Videos von Hauterkrankungen werden dem Hautarzt über eine speziell für solche Konsile entwickelte Software übers Internet zugestellt. Erkrankungen der Haut eigneten sich besonders für Telemedizin, da sie standardisiert fotografiert und vom Dermatologen aus der Ferne analysiert werden können, so die Forscher.

Für viele Patienten im ländlichen Raum, vor allem solche, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, seien weite Anfahrten zu Fachärzten ein Problem, so die Ärztliche Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin, Prof. Stefanie Joos. Diesen Patienten könnten telemedizinische Konsile die Anfahrt ersparen. Zudem gebe es häufig Terminengpässe bei Fachärzten. Auch da könnte ein telemedizinisches Konsil kurzfristig hilfreich sein.

Wie zufrieden sind die Patienten?

In der ersten Testphase sind 50 Praxen in acht sehr ländlich geprägten Landkreisen beteiligt, die am Hausarztmodell der AOK Baden-Württemberg teilnehmen. Aus dem Kreis Tübingen ist vorerst keine Arztpraxis dabei. Nach einer einjährigen Testphase werten die Wissenschaftler am Universitätsklinikum Tübingen aus, ob die Patienten mit Hilfe der Telemedizin schneller als bisher, effizienter und ohne Qualitätsverlust versorgt werden können.

Ausgewertet werden neben der Anzahl der Überweisungen zum Dermatologen auch die Behandlungsergebnisse, die Patientenzufriedenheit und die Akzeptanz bei Ärzten und Patienten. In einer späteren Phase soll das Konzept dann landesweit angewandt werden.

Ob der Hautarzt per Telemedizin hinzugezogen wird oder der Patient doch besser persönlich in die Sprechstunde des Hautarztes geht, das entscheide der Hausarzt in Absprache mit dem Patienten, so Joos.

Im Erfolgsfall könne das Modell bundesweit übertragen werden. Denkbar sei auch eine Ausweitung auf weitere medizinische Berufsgruppen und Krankheitsgebiete, bei denen Bildaufnahmen bei der Diagnosestellung besonders wichtig sind, etwa in der Augenheilkunde.

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20.12.2016, 01:00 Uhr

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