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Politikerinnen fordern Entschärfung der L 385

Tempolimit auf der Todesstrecke

Politikerinnen von CDU, Grünen und SPD fordern eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der „Todesstrecke“ zwischen Rottenburg und Weiler.

21.07.2012
  • Marike Schneck

Rottenburg. Kann ein Tempolimit helfen, schwere Unfälle auf der Landesstraße 385 zwischen Rottenburg und Weiler künftig zu verhindern? Ja, meinen Monika Bormann (CDU) und Sabine Kracht (Grüne) und haben sich kurz vor den Pfingstferien zu einer schwarz-grünen Initiative zusammengetan. Als Politikerinnen, aber auch als Mütter, die nicht länger tatenlos zusehen wollen, wie junge Menschen auf der Strecke ihr Leben verlieren, fordern sie eine Begrenzung auf 70 Stundenkilometer und ein Überholverbot.

In den vergangenen zwei Jahren haben sich allein auf diesem, gerade mal 1,4 Kilometer langen Teilstück der L 385 vier tödliche Unfälle ereignet, sieben Menschen kamen dabei ums Leben: Im Sommer 2010 wurde eine Radfahrerin von einem Kleinlaster überfahren, im Dezember 2011 starben drei junge Männer auf dem Heimweg von einer Weihnachtsfeier. Mitte April dieses Jahres wurde ein Fußgänger überfahren, keine zwei Wochen später kamen wenige Meter weiter ein Mopedfahrer und ein Motorradfahrer ums Leben. Wie auf Landesstraßen üblich gilt auch auf diesem Teilstück der L 385 Tempo 100.

Auch die hiesige SPD-Landtagsabgeordnete Rita Haller-Haid macht sich für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf dem bereits als „Todesstrecke“ bekannten Straßenabschnitt stark. Anfang der Woche schrieb sie einen offenen Brief an den Landesverkehrsminister Winfried Hermann, indem sie darum bittet, „im Interesse aller Verkehrsteilnehmer und zur Vermeidung des nächsten fatalen Unglücks baldmöglichst die notwendigen Schritte zu unternehmen“.

Unfallträchtigste Strecke im Kreis Tübingen

Durch die jüngsten Vorfälle, die eine seit 2005 anhaltende Serie von Tragödien fortsetzen, so Haller-Haid, habe sich erneut bestätigt, dass der Straßenabschnitt einen Unfallschwerpunkt darstellt und die unfallträchtigste Strecke im gesamten Kreis Tübingen ist. Sie schreibt: „Ganz unabhängig von der Frage, inwieweit die jüngsten Unfälle durch überhöhte Geschwindigkeit oder durch individuelles Fehlverhalten verursacht wurden, tut eine Beschränkung Not, da es sich hier um eine typische ‚Raserstrecke‘ handelt.“

Bergab genieße man den Schub durch das Gefälle und neige zum unbedachten Überholen langsamerer Verkehrsteilnehmer, so Haller-Haid. Bergauf fahre man den eigenen Wagen erst recht aus und wolle sich nicht durch Langsamere bremsen lassen. „Jeder, der die Strecke ab und zu befährt, kennt diese Situationen aus der einen oder anderen Perspektive. Beinahe-Unfälle sind daher auch beinahe täglich zu beobachten.“

Die Rottenburger Stadtverwaltung, die als Untere Verkehrsbehörde zu entscheiden hat, tut sich indes schwer, eine verkehrsrechtliche Argumentation zu finden, mit der sich eine Geschwindigkeitsbegrenzung begründen ließe. „Wir sehen straßenrechtlich kaum eine Chance“, erklärte Ordnungsamtsleiter Martin Schmid auf Anfrage des TAGBLATTs. „Auch wenn wir die Ängste und Bedürfnisse der Menschen, die sich hier mehr Sicherheit wünschen, natürlich gut verstehen und nachvollziehen können.“

Nichtsdestotrotz, erklärt Schmid, dürfe man nicht vergessen, dass nicht einer dieser schweren Unfälle aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit passiert sei, sondern immer ein „individuelles Fehlverhalten“ Ursache war. Als zum Beispiel die drei jungen Männer am Ortseingang Weiler ums Leben kamen, hatte der Fahrer auf reifglatter Fahrbahn zu einem riskanten Überholmanöver angesetzt. Der Motorradfahrer und der Mopedfahrer starben, weil ein 15-jähriger mitten auf der Straße plötzlich sein Mofa wendete.

Aufgrund einer Anfrage des Verkehrsministeriums, an das sich Sabine Kracht und Monika Bormann mit der Bitte um Tempolimit und Überholverbot gewandt hatten, hat die Stadt auf Bitte des Regierungspräsidiums (RP) Tübingen eine Stellungnahme abgegeben. In der steht zwar drin, dass auch die Stadt gerne ein Tempolimit durchsetzen würde. Die darin angeführte Argumentation allerdings, erklärte Oliver Knörr von der dortigen Pressestelle, reiche nicht für eine Umsetzung aus. „Kurz zusammengefasst wurde uns mitgeteilt, dass die Voraussetzungen für eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht gegeben sind, man sie aber dennoch gerne umsetzen würde.“

Entscheidung obliegt der Stadtverwaltung

Als Fachaufsicht habe das RP die Stadt nun formal darauf hingewiesen, dass die angeführten Gründe nicht ausreichend sind. Die Entscheidung, ob ein Tempolimit kommt oder nicht, liegt laut Knörr aber dennoch bei der Stadtverwaltung. Als Untere Verkehrsbehörde könne diese ein Limit verfügen und prüfe auch selbstständig die gesetzlichen Voraussetzungen.

Sabine Kracht und Monika Bormann sind derweil im Gespräch mit sämtlichen Entscheidungsträgern. „Weil diese Gespräche noch nicht abgeschlossen sind, können wir uns zu Einzelheiten noch nicht äußern“, erklärt Kracht und bittet um Verständnis. „Aber wir hoffen natürlich, dass wir mit unserer Bitte Gehör finden, damit nicht noch mehr Menschen auf dieser Strecke ihr Leben lassen müssen.“

Tempolimit auf der Todesstrecke
Blumen an einer der vielen Unfallstellen zwischen Rottenburg und Weiler. Ein Bild, das Politikerinnen von CDU, Grünen und SPD hier nicht mehr sehen möchten. Deshalb fordern sie auf dem 1,4 Kilometer langen Teilstück der L385 eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 Stundenkilometer und ein Überholverbot. Archivbild: Schneck

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21.07.2012, 12:00 Uhr

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